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Vorhang auf!

Ihrer emotionalen Wirkung kann sich niemand entziehen: Ob Deutschland-, Europa- oder Weltpremieren – die 67. IAA Pkw wird auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Geheimnisse und Visionen bekannter Hersteller und Zulieferer lüften.

Es sieht so einfach aus, aber zum feierlichen Enthüllen auf der IAA braucht es mehr als ein rotes Tuch. Dahinter steht eine ganze Choreografie aus Musik, Tänzern, Lichtshows und Filmeinlagen. Und dann der große Augenblick: Die grazile Handbewegung, mit der das Tuch vom Wagen gezogen wird, Blitzlichtgewitter, Applaus. Doch es sind nicht immer die heißesten Coupés, Kombis oder Geländewagen, die das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Ebenso zeigen sich Technologieträger, Prototypen, Fahrzeugstudien oder Konzeptfahrzeuge auf der IAA. „Larger than life“ ist dabei oft ein Attribut der neuen Ikonen – futuristisch, mit großen Rädern, exaltierter Karosse, flach und betont dynamisch, ein perfekt abgestimmtes Interieur mit den neuesten Gadgets und visionärer Multimediaausstattung. Solche Showcars werden von Herstellern und neuerdings auch von Zulieferern konzipiert und entwickelt, um Visionen in Fahrt zu bringen, neue Designkonzepte und Technologien zu erproben. Also was könnte spannender sein, als auf der kommenden IAA einen Blick auf eine mögliche Zukunft zu erhaschen?

Premieren sind mitunter wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man wirklich bekommt. Die oft ungewöhnlichen Modelle reichen von reinen Designmodellen ohne technisches Innenleben bis hin zu straßentauglichen Exponaten. Sie regen die Diskussion in der Öffentlichkeit über Mobilität von morgen an und geben den Herstellern wichtige Hinweise, was Kunden wünschen und brauchen. Ist die Reaktion des Publikum enthusiastisch genug, kann manches Merkmal oder auch gleich die ganze Karosse zur Serie avancieren. Porsche präsentierte 1983 auf der IAA die Supercarstudie „Gruppe B“ und sammelte dafür so viele Anfragen ein, dass sie schließlich als Porsche 959 in den Handel ging – trotz einem Preis von astronomischen 420.000 D-Mark. Ebenso war der Schritt von den Elektrofahrzeugstudien i3 und i8 des Herstellers BMW, die erstmals 2009 auf der IAA zu sehen waren, zur gleichnamigen Serie auf der IAA 2013 nicht mehr groß. Aber es geht auch anders aus: Als im September 1969 das Forschungsfahrzeug „C 111“ von Mercedes-Benz auf der IAA die Öffentlichkeit entzückt, ist der Hype riesig. Der Supersportwagen mit Flügeltüren und Wankelmotor avanciert zu einer Stilikone der 1970er-Jahre. Doch der Konzern beschloss später die Studie einzumotten, da es den eigenen Erwartungen nicht gerecht wurde. Erwartungen übertreffen ist dagegen eine primäre Aufgabe von Premieren. Sogar Renault, ein Hersteller, der in erster Linie mit Klein- und Kompaktwagen erfolgreich ist, nutzt die Bühne und zeigt gerne mal eskapistische Zukunftsstudien wie das auf der IAA 2013 vorgestellte Modell „alpine a110-50 d“.

Erfunden wurden Showcars übrigens in den USA. Harley Earl, Autodidakt aus Kalifornien leitete von 1927 bis 1958 die Designabteilung „Art and Color Section“ von General Motors. Mit dem Buick Y-Job brachte er 1939 das erste Einzelstück eines Massenherstellers für Shows und Messen heraus. Allein das Publikum sollte über dessen Serienentwicklung entscheiden. Und Earl konzipierte die „Motorama“, die von 1953 bis 1961 wie ein Wanderzirkus durch Amerika tingelte, um das autoverrückte Amerika mit den neuesten GM-Visionen auf die automobile Zukunft einzuschwören. Designkonkurrent George Barris war es dann, der im Auftrag der Twentieth Century-Filmstudios einen 1955er Lincoln Futura für das Fernsehen umbaute: schwarzer Lack mit feuerroten Seitenlinien und Konturen, einer vertikalen, dreiröhrigen Auspuffanlage im Fond sowie das Fledermaus-Emblem auf Türen und Felgen. Das Batmobil war geboren. Mit dem Umbau kam der Weltruhm, mehrere Generationen der Fledermaus auf Rädern ließen sich von Barris’ Wirken inspirieren. Für das A-Team baute er den schwarzen Van, für David Hasselhoff alias Michael Knight den Sportwagen KITT. So ist Hollywood bis heute ein wichtiger Treiber der Showcar-Faszination. Es bleibt also spannend, was die IAA Pkw 2017 ihren Konkurrenten aus Film und Fernsehen entgegensetzt. Als Besucher dürfen Sie sich jedenfalls entspannt zurücklehnen und die Show genießen.