Logistik Schmitt: eActros im Einsatz

Logistik Schmitt macht sich mit dem eActros, als dem ersten seriennahen Elektro-Verteiler von Daimler Truck, in eine neue Ära der Mobilität auf. Wie schlägt sich der eActros im Betriebseinsatz?

Bereits im Februar 2019 war Logistik Schmitt eines der ersten Unternehmen, das einen eActros aus der Innovationsflotte von Daimler-Truck in der Praxis testen konnte. Nun darf der in dritter Generation von Rainer Schmitt und Volker Klemm geführte Mittelständler den ersten seriennahen eActros in seine 80 Lkw starke Flotte integrieren. „Das ist für uns eine besondere Auszeichnung“, sagt Geschäftsführer Schmitt.

Die eine oder andere Tour im neuen eActros hat seitdem auch Firmenchef Rainer Schmitt absolviert. Was den 45-Jährigen am neuen eActros besonders beeindruckt, ist das Sicherheits- und Technikpaket, das der alternativ angetriebene Daimler von seinen Diesel-Geschwistern übernommen hat.  Anders als die Lkw der Innovationsflotte haben die Serien-Lkw Mirrorcams verbaut, und Schmitt kann – als er selbst Probe fährt – ein modernes Multimedia-Cockpit nutzen und das Smartphone zum induktiven Laden auflegen. Beeindruckt ist er weiterhin vom Rekuperieren. Im seriennahen eActros stehen dafür an einem Schalter rechts neben dem Lenkrad fünf Stufen zur Verfügung.

Logistik Schmitt hat den ersten seriennahen eActros in seiner Flotte integriert. Foto: Daimler AG

Weniger Batteriegewicht, mehr Nutzlast

Bis zu 400 Kilometer weit kann der neue eActros gemäß Daimler mit einer Batteriefüllung rollen. Voraussetzung ist, dass er vier Batteriepacks zu rund je 105 kWh verbaut hat. Im Fall von Logistik Schmitt sind es drei – was weniger Batteriegewicht und damit mehr Nutzlast bedeutet. Der seriennahe eActros bringt es auf 27 Tonnen Gesamtgewicht, davon sind 17 der Ladung vorbehalten. Der Vorgänger hatte als Motorwagen ein zulässiges Maximalgewicht von 25 Tonnen und eine Nutzlast von etwa 14 Tonnen. Der Wechsel vom alten auf den neuen eActros bringt Logistik Schmitt also einen Nutzlast-Vorteil von mehreren Tonnen. Dadurch reduziert sich auch die Reichweite auf etwa 300 Kilometer, weckt jedoch den Ehrgeiz: „Die 300 Kilometer wollen wir selbstverständlich schlagen“, sagt Schmitt. Aufgrund des idealen Einsatzprofils – kaum Höhenmeter und der Hauptstreckenanteil auf der vierspurig ausgebauten B 462 – habe er ideale Voraussetzungen, um mehr Kilometer, als der Hersteller in Aussicht stellt, zu realisieren. Das gilt es aber erst einmal zu testen. Im ­eActros-Prototyp waren mit einer Akkufüllung Strecken von rund 200 Kilometern drin.

Die vordergründig überschaubare Reichweite brachte in der betrieblichen Praxis bei Logistik Schmitt jedoch keine Probleme. Mehr als 150 bis 170 Kilometer am Tag hat das Nullemissions-Fahrzeug bei dem Logistikdienstleister aus Nordbaden nie leisten müssen. Die Disposition teilte ihm hochfrequente Shuttleverkehre in die Daimler-Werke Gaggenau und Rastatt zu. Nach Gaggenau beförderte der Elektro-Lkw Achs- und nach Rastatt Getriebekomponenten. Retour war er mit Leergut bestückt – seien es KLT-Behälter, Gitterboxen oder Paletten.

Dem Nachfolger möchte Rainer Schmitt nun etwas mehr zumuten. „Wenn die Werke wieder voll arbeiten, werden wir den eActros gerne dauerhaft von Sonntagabend bis Samstagmittag im Dreischichtbetrieb einsetzen“, kündigt er an. In dem Fall dürfte auch die Reichweite von 300 Kilometern komplett ausgeschöpft werden.

Neues Ladekonzept

Mit dem neuen Fahrzeug ändert Logistik Schmitt das Ladekonzept. Der Logistikdienstleister hat nun auf einer seiner beiden Ladestraßen in Ötigheim eine fest installierte Hochleistungsladesäule von Siemens in Betrieb genommen. Sie läuft mit 160 kW und schafft den Sprung von 20 auf 80 Prozent Füllung in nur einer Stunde. Bei 80 Prozent Füllung will es Rainer Schmitt auch belassen. Denn ein wenig Puffer soll bewusst bleiben, um während der Fahrt die Potenziale der Rekuperation zu nutzen.

Unternehmer Schmitt hat keine Angst, dass bei ihm die Lichter ausgehen, wenn eines Tages dauerhaft zwei Lkw die Ladesäule in Anspruch nehmen. „Wir haben unsere Anlage in Ötigheim erst vor vier Jahren bezogen, wir können dank einer eigenen Trafostation genug Strom dorthin bringen“, sagt er. Nur wenn die Elektroflotte stark wächst, brauche es schon ein cleveres Lademanagement, sagt der Diplom-Betriebswirt.

Dass die Elektroflotte in den nächsten Jahren größer wird, hält der Unternehmer für sehr wahrscheinlich. Die Mehrzahl der Fahrzeuge ist in der Region unterwegs, häufig nur auf Distanzen zwischen 30 und 80 Kilometern. Die Reichweite und das Laden stellen also kein Problem dar. Vom Potenzial der Elektromobilität ist Rainer Schmitt überzeugt.