Modern, preiswert und vor allem leichter: Der neue Lion’s Intercity LE von MAN

Mit dem Lion’s Intercity LE bringt MAN nun auch einen Low-Entry-Bus auf den Markt. Was ihn ausmacht und wie er im Vergleich zur Konkurrenz dasteht, zeigen wir hier.

Früher war alles einfacher: Stadtverkehr bedeutete ab den 1980er-Jahren zumeist Niederflurtechnik. Doch die Ansprüche wurden höher, die Fördertöpfe kleiner, und die gesetzlichen Forderungen für Barrierefreiheit anspruchsvoller. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, gibt es jetzt Low-Entry-Busse, die bis zu Tür zwei niederflurig sind, aber im Heck einen Hochbodenwagen abbilden.

Theoretisch sind diese Modelle preiswerter als ein reinrassiger Niederflurwagen. Nicht so bei Mercedes-Benz, wo man den Citaro LE direkt vom Niederflur-Bestseller abgeleitet hatte. Schicke Schale mit Top-Technik – zum Top-Preis. Die Verkaufszahlen alles andere als gut. Das Gegenteil ist bei Setra zu betrachten: ein Wagen, der aus einem Hochbodenmodell und der eingestellten NF-Baureihe kombiniert wurde. Modernes Design? Rudimentär vorhanden. Der Erfolg? Grandios! 2019 wurden rund 1.200 Busse abgesetzt. 2020 konnte mit dem „entfeinerten“ Modell in Deutschland das Überlandsegment (23,8 Prozent aller Buszulassungen, siehe Heft 4/2020) sogar überraschend dominieren.

MAN zieht nach

Wettbewerber MAN begnügte sich bisher mit dem Lion’s City LE (A78). Auch wenn er sich immer noch gut verkaufen soll, wurde es höchste Zeit für ein neues Modell. Was läge da näher, als sich den Erfolg der Ulmer Kollegen zum Vorbild zu nehmen und einen vorhandenen Hochbodenwagen mit einem Niederflurvorderwagen zu vermählen? Ziel des gesamten LE-Unterfangens ist es laut Launch-Manager Sebastian Römer, „ein neues, effizientes Einstiegsmodell für das preissensible Low-Entry-Segment anzubieten, das eine größtmögliche Flexibilität bietet“.

Der neue Low-Entry-Wagen soll in drei Längen, zwei Zweiachser und im Unterschied zu den Basisfahrzeugen auch ein Dreiachser (Produktionsbeginn Anfang 2024), verfügbar sein. Das dann jeweils in einer stadtorientierten und einer überlandorientierten Variante. Die Unterscheidungsmerkmale der Varianten überraschen nicht, die Parameter sind branchenweit gesetzt: Podeste, Türbreiten, Reifengrößen, Gepäckablagen mit Servicesets, Sitztypen. Alles weitgehend frei und flexibel konfigurierbar.

Dank abgerundetem Einstiegsbereich und heller Farbgebung wirkt der Bus sehr einladend und hat zudem eine komfortable Stehhöhe von mehr als 2,70 ­Metern. Foto: MAN

Das neue Modell soll vor allem leichter sein

Zweites Entwicklungsziel war die Gewichtseinsparung. Da das Basisheckmodul auf einem Leiterrahmenchassis basiert, haben die Ingenieure hier Hand angelegt, den massiven Träger verbannt und eine selbsttragende Struktur eingezogen. Leider haben sie die schmale Lkw-Federspur beibehalten, die uns beim letzten Fahrbericht des Lion’s Intercity nicht vollends überzeugen konnte (siehe Heft 10/2020). Immerhin sind serienmäßig adaptive PCV-Dämpfer an Bord. Der Gewichtsgewinn dieser Maßnahme: rund 300 Kilogramm – und das trotz verstärkten Überrollbügels im Heck! Auch das neue Dach aus Kompositwerkstoffen aus dem Lion’s ­City trägt mit 150 Kilogramm zur Abspeckkur bei. Am Ende kommt der Bus rund eine halbe Tonne leichter daher.

Zusammen mit den neuen MAN-D15-Motoren in Leistungsstufen von 280 bis 360 PS und 1.200 bis 1.600 Nm maximalem Drehmoment, die ab 2023 auch mit Efficient-Hybrid-Modul kombiniert werden können, sollte der Wagen daher sehr effizient mit dem fossilen Kraftstoff umgehen. Da der Wagen nicht als Doppelverdiener eingesetzt wird, wurde auf das MAN-Tipmatic-Getriebe sowie ein Einsteigerschaltgetriebe verzichtet. Beim Thema Sicherheit ist wiederum das Wesentliche im Angebot. ACC und LGS gibt es auf Wunsch, das Notbremssystem EBA aber nicht – eben weil kein schneller Gelegenheitsverkehr gefahren wird. Warum MAN beim Thema Abbiege- und Auffahrassistent immer noch auf das optionale Mobileye-System setzt und sich nicht bei Konzernschwester Scanias Radarsystem aus dem Stadtbus bedient, ist wiederum unverständlich – dürfte aber den Kosten geschuldet sein. Mit der neuen Elektronikplattform, die 2024 mit den Dreiachsern starten wird, dürfte dieses Manko der Vergangenheit angehören.

Mit den Fahrgästen auf Augenhöhe: Im neuen Stadtbus ist der Fahrerplatz höher und auf Wunsch gibt es das hochwertige, VDV-konforme Cockpit (wie auf dem Foto). Foto: MAN

Fazit: Der Lion’s Intercity LE überzeugt auch mit seinem Design

Zu guter Letzt schauen wir hinein in den modernen Low Entry mit der typischen Kathedralenanmutung im Niederflurbereich. Durch geschickte Farbgebung und große Fensterflächen wirkt der Bus hell und freundlich. Der Fahrerplatz ist höher als im Lion’s City positioniert, er begegnet dem Fahrgast jetzt auf Augenhöhe. Etwas darunter trifft er wahlweise auf das schon in die Jahre gekommene Ellipsen-Cockpit aus dem Lion’s Intercity oder den neuen, VDV-konformen Armaturenträger aus dem Lion’s City. Dank voll vernetzter Rio-Box ist der Bus in der digitalen MAN-Welt angekommen.