Das große IAA-Interview

VDA-Präsident Bernhard Mattes über den Wandel der IAA, fehlende sowie neue Aussteller und seine persönlichen Highlights.

Herr Mattes, nur wenige Tage bis zur IAA 2019 in Frankfurt. Das Motto: "Driving Tomorrow". Was kann sich der Besucher darunter vorstellen?

Bernhard Mattes: Die gesamte Automobilindustrie wandelt sich und damit auch die IAA. Unter dem Motto „Driving tomorrow" treffen sich auf der IAA in diesem Jahr die globalen Player der Automobilindustrie, Anbieter neuer Mobilitätslösungen, innovative Tech-Unternehmen und Start-ups. Die IAA wird interaktiver, vernetzter und digitaler. Trends und Themen werden branchenübergreifend vorgestellt und diskutiert.

Worin sehen sie die Faszination der IAA?

Bernhard Mattes: Diese IAA zeigt die enorme Transformation der gesamten Branche. Wir bewegen uns in Richtung CO2-neutraler Mobilität, das Auto wird digitaler, vernetzter und automatisiert unterwegs sein. Sharing-Modelle bieten neue Lösungen für urbane, nachhaltige Mobilität. Hinzu kommen die vielen Weltpremieren – und die IAA Conference mit hochrangigen internationalen Speakern. Die IAA Experience und die IAA Career runden das sehr attraktive Angebot ab. Wir freuen uns sehr auf die IAA, sie wird neue Maßstäbe setzen und den gesamtgesellschaftlichen Diskurs über die Mobilität der Zukunft vorantreiben.

Und welches Highlight legen Sie Besuchern nahe?

Bernhard Mattes: Ich bin natürlich sehr gespannt auf die neuesten Modelle, die auf der IAA erstmals präsentiert werden, vor allem auch auf die neuen E-Fahrzeuge. Außerdem freue ich mich auf den Test Drive auf dem Freigelände West, dort können die neuesten Mobilitätstrends hautnah erlebt werden. Ein weiteres Highlight wird die IAA-Conference mit einer Vielzahl hochkarätiger Speaker, wie zum Beispiel Virginia Rometty, CEO von IBM, oder Ola Källenius, Daimler-CEO, Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister und Greentech-Unternehmer, Mark D'Arcy, Facebook Vice President, und Scott Guthrie, Microsoft Cloud Chef. Sie und viele weitere hochrangige Persönlichkeiten diskutieren auf der IAA über die Mobilität der Zukunft.

Trailer zur IAA 2019

Was hat sich am Konzept der IAA verändert?

Bernhard Mattes: Die Teilnehmer erleben 2019 erstmals neue Formate: die IAA Conference, auf der sich Pioniere und Experten der Mobilitätsindustrie zum Zukunftsdialog treffen, die IAA Exhibition mit zahlreichen Weltpremieren, die IAA Experience mit vielen Erlebnisangeboten sowie die IAA Career, die sich an Studierende, Berufseinsteiger und Professionals richtet. Unser Ziel ist, auf der IAA die Mobilität mit allen Sinnen erlebbar zu machen: Mobilität sehen, fühlen, erfahren und darüber diskutieren. Die IAA ist immer auch ein Spiegelbild der Automobilindustrie. Die Unternehmen erweitern ihr bisheriges Geschäftsmodell vom Hersteller hin zum digitalen Mobilitätsanbieter – entsprechend begleiten wir auch diesen Weg der Transformation. Zudem spielen neue Player und IT-Unternehmen wie Facebook, Microsoft, SAP oder Vodafone eine immer größere Rolle bei künftigen Mobilitätsangeboten. Diese Transformation sieht man auch in der internationalen Messelandschaft, die sich ebenfalls verändert. Wir sehen die IAA branchenübergreifend als Plattform der Mobilität der Zukunft.

Welche Bedeutung und Zukunft hat die IAA, wenn namhafte europäische und asiatische Hersteller nun zum wiederholten Male nicht mehr präsent sind – und offensichtlich auch nicht gewillt sind, zurückzukehren?

Die gesamte Branche wandelt sich, auch die IAA. Unser Ansatz: Wir wollen die IAA so attraktiv machen, dass sich die Frage der Teilnahme nicht mehr stellt. Auch deshalb rücken wir statt Quadratmeterzahlen die inhaltliche Relevanz der IAA in den Vordergrund. Die IAA ist nicht das größte, sondern das relevanteste und vielfältigste Autohaus der Welt. Dort zeigen und diskutieren wir die Themen zur Mobilität der Zukunft – branchenübergreifend, mit vielen Akteuren, auch kritischen Stimmen. Das Ökosystem der Automobilindustrie ändert sich derzeit radikal.

Die IAA ist das Spiegelbild eines solchen Ökosystems und muss sich deshalb auch verändern. Daher sind auch neue Player wie Tech-Unternehmen oder Start-ups in Frankfurt dabei.  Die Digitalisierung bietet die Chance, viele Dinge virtuell abbilden. Das spiegelt sich unter anderem auch in der Standplanung der Aussteller wider. Für jeden Messeveranstalter ist das eine Herausforderung – und wir als VDA nehmen diese sehr engagiert an! Wir sehen darin auch große Chancen für die IAA.Wir haben viele neue Ideen, um die IAA konsequent weiterzuentwickeln!

Welche Antworten werden auf die drängendsten Fragen zur Mobilität, wie Luftverschmutzung in den Metropolen, Dieselfahrverbote, Verkehrsinfarkt auf den Autobahnen und die Suchen nach zukunftsfähigen Antriebskonzepten gegeben?

Der Wunsch nach individueller Mobilität ist ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen. In unserer globalisierten Gesellschaft spielt Mobilität eine herausragende Rolle. Deshalb müssen neue Verkehrskonzepte und Antriebsformen auf die Entwicklungen einer sich rasant verändernden Welt eingehen. Die Menschen wollen heute mobiler sein denn je. Und diese Mobilität muss effizient und umweltfreundlich, flexibel und sehr sicher sein. Das Mobilitätsverhalten verändert sich. Neben dem Besitz des eigenen Autos etabliert sich mehr und mehr der Ansatz, ein Fahrzeug bei Bedarf zu nutzen.

Auch diesen Trend haben wir auf unserer Agenda, unsere Hersteller zählen bei Sharing-Modellen zu den Marktführern. Weltweit betrachtet ist allerdings festzustellen, dass der Wunsch nach dem eigenen Auto weiterhin stark ausgeprägt ist. Der Pkw-Weltmarkt wird mittelfristig weiterwachsen. Umso engagierter arbeiten wir an unserem „zero-emission“-Ziel: Digitalisierung und alternative Antriebe weisen uns den Weg dorthin. Alle Mobilitäts- und Auto-Interessierten sind daher herzlich eingeladen, in Frankfurt durch Mitmachen und Erleben ein Teil der neuen Lösungen zu werden.