IAA Sneak Preview

Noch halten sich viele Marken und Aussteller der IAA mit ihren Überraschungen bedeckt. Nichts soll durchdringen bis zu den großen Premieren. Wir zeigen erste Highlights der internationalen Zulieferer Brose, Schaeffler Paravan und ZF Friedrichshafen.

ZF Friedrichshafen: Ohne Fahrkomfort keine selbstfahrenden Autos

Lange Autofahrten sind schon heute oft eine Tortur, spätestens bei autonom fahrenden Autos wird das ruckelfreie Fahrerlebnis zum Kaufargument. Denn wenn die Aufmerksamkeit nicht auf dem Verkehrsgeschehen liegt, wird jede Karosseriebewegung als störend wahrgenommen. Damit das zukünftige Robotaxi tatsächlich seine Vorzüge als rollendes Wohnzimmer oder mobiles Büro ausspielen kann, müssen die Insassen vollständig von der Straße und dem Fahrgeschehen entkoppelt sein. Zulieferer ZF Friedrichshafen stellt mit „Flying Carpet 2.0“ auf der IAA 2019 den Komfort der Insassen in den Mittelpunkt: Das vernetzte Fahrwerk hilft, störende Bewegungen der Karosserie zu unterbinden und Kurven, Bodenwellen oder Schlaglöcher im Voraus zu erkennen und dann auszugleichen. Herzstück des Fahrwerks ist ein vollaktives Dämpfungssystem, das mit vier Aktuatoren das Ein- und Ausfedern radindividuell jeder Fahrsituation und Straßenbeschaffenheit anpasst.

Vernetzt mit Kameras kann der „Flying Carpet 2.0“ die Beschaffenheit der Fahrbahn erkennen und das Fahrwerk darauf einstellen - Quelle: ZF AG

In einer Kurve beispielsweise lassen sich die beiden inneren Räder einziehen und die äußeren ausfahren, sodass der Wagen nahezu waagrecht bleibt. Auf die gleiche Weise wirkt die Technologie effektiv gegen Bewegungen, die beim Anfahren, Abbremsen, Lenken oder bei Bodenwellen entstehen. Ist das Auto schnell unterwegs, lässt das System die Vorder- und Hinterräder in die gleiche Richtung einschlagen und erhöht so die Richtungsstabilität. Die Schaltzentrale dieser smarten Fahrwerktechnik bildet das Steuerungssystem „cubiX“: Der Algorithmus vernetzt und koordiniert die Aktuatoren. Die Daten erhält die Steuerung von der Sensorik an den Rädern. Zusammen mit Kamerasystemen kann das Fahrzeug damit Bodenunebenheiten, Hindernisse oder Verkehrsschilder im Voraus erkennen. Entsprechend bereitet sich das Fahrwerk vor.

Erfahren Sie mehr über die Produktoffensive für Hybrid- und Elektrofahrzeuge, aktive Fahrwerke, integrierte Sicherheit und das automatisierte Fahren von ZF Friedrichshafen am Stand C2 in Halle 8.0.

Brose: Neues Zugangserlebnis für Fahrzeuge

Von der Begrüßung des Fahrers über selbsttätig öffnende Türen bis zum komfortablen Einsteigen – die mechatronischen Systeme des Automobilzulieferers Brose auf der IAA 2019 ermöglichen ein neues Erlebnis beim Fahrzeugzugang und unterstützen so die Trends zum automatisierten Fahren und Car-Sharing. Bereits aus der Entfernung erkennt die Technologie den Fahrer und begrüßt ihn mit einer Projektion auf dem Boden. Durch eine Geste signalisiert der Fahrzeugnutzer, dass er einsteigen möchte. Die grifflosen Türen öffnen sich von selbst, eine Radarsensorik verhindert Kollisionen.

Seitentürantrieb mit Radar-Kollisionsschutz - Quelle: Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG

Gleichzeitig werden die vorher zum Schutz vor Hitze und neugierigen Blicken abgedunkelten Fensterscheiben transparent. Zum komfortableren Einsteigen fährt das Lenkrad in das Armaturenbrett und die Sitzkontur passt sich an. Auch die zweite Sitzreihe ist für einen besseren Zugang zum Fond komplett elektrifiziert und verschiebt sich selbsttätig – ohne Kompromisse bei der Sicherheit: Ein Innenraumsensor erkennt Personen, Haustiere oder den Kindersitz im Fahrzeug und verhindert Verletzungen bzw. Beschädigungen. Das Anschnallen wird ebenfalls angenehmer, denn der Gurt wird dem Passagier elektrisch gereicht. Brose zeigt in einem seriennahen Konzeptfahrzeug wie sich der komplette Innenraum dynamisch an verschiedene Situationen anpassen lässt.

Erfahren Sie am Stand D01/D02 in Halle 4.0 wie Brose die Entwicklung des Autos vom Transportmittel zum komfortablen Lebensraum gestaltet.

Schaeffler Paravan: Steuerung fürs autonome Fahren

Die nicht mehr allzu ferne Vision vom autonomen Fahren klingt vielversprechend: Man steigt ins Auto, startet und das Fahrzeug macht sich selbstständig auf den Weg. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sind sogenannte „Steer-by-Wire“-Systeme als Alternative zur herkömmlichen Lenksäule. Der Clou: Eine digitale Steuerungstechnik übernimmt sämtliche Fahrvorgänge ohne eine mechanische Verbindung. Stattdessen werden elektronische Impulse in Nanosekundenschnelle über Kabel an die Achsen übermittelt. Fahren ohne Hände am Lenkrad macht die Technologie „Space Drive“ von Schaeffler Paravan bereits möglich. Dazu ist es redundant ausgelegt: Drei voneinander unabhängige Steuerkreise laufen stets parallel, überwachen sich dabei gegenseitig und gewährleisten so eine Ausfallsicherheit.

Der Mover wird über die „Space Drive“-Technologie gesteuert - Quelle: Schaeffler AG

Das hat die Lösung auf der Straße im realen Verkehr bewiesen: Über eine Milliarde unfallfreie Kilometer wurden mit „Space Drive“ bereits zurückgelegt. In Kombination mit GPS, Kameras, Radar und weiteren Sensoren bietet die Technologie die Basis für das autonome Fahren der Stufe 4 und 5 – vollautomatisiert und fahrerlos. „Space Drive“ hat sich bereits in Spezialfahrzeugen für Menschen mit Handicap bewährt. Menschen, teils ohne Arme und Beine, fahre selbständig ihr Auto per Joystick. Gaspedal, Bremsen und Lenkrad werden elektrisch betätigt und elektronisch gesteuert. Mit dem „Mover“ verfügt der Zulieferer über eine ideale Entwicklungsplattform: Dank elektrischer Radnabenantriebe, einer 90-Grad-Lenkung und modularer Bauweise ist diese kompakte Plattform flexibel für verschiedene Mobilitätslösungen wie Robotaxis oder autonome Transportfahrzeuge im urbanen Raum einsetzbar.

Erfahren Sie mehr über die erste Steer-by-Wire-Technologie mit Straßenzulassung am Stand A07 von Schaeffler Paravan in Halle 9.0.