Bildquelle: Unsplash.com

Mobilität 2030 – wie verändert sich die Stadt der Zukunft?

Der Verkehr in den Großstädten dieser Welt könnte sich in den kommenden zehn Jahren radikal verändern. Manche Experten sehen den Verkehrswendepunkt schon im Jahr 2030 eintreten – dann könnte das Auto nicht mehr die wichtigste Rolle im urbanen Mobiliätsmix spielen.

Wie die Menschheit auf Flächen und Ressourcen Städte lebenswerter gestalten kann, ist einer der größten Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Kein Zweifel, in den nächsten Jahrzehnten wird es in vielen Metropolen der Welt eng werden. Schon heute wohnt über die Hälfte der Menschheit in Städten, bis 2050 sollen es nach Schätzungen der Vereinten Nationen sieben von zehn Milliarden Menschen sein. Neue Ballungszentren nie gekannten Ausmaßes entstehen. Derzeit gibt es über 30 Megacities mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Weitere Metropolregionen werden die Schwelle bald überschreiten. Zugleich ist eine neue Zeitenwende eingetreten: Politiker und Stadtplaner suchen nach neuen Mobilitätskonzepten, wollen grüner und nachhaltiger werden. Aber wie steht es dabei um die Menschen und ihr Perspektive zum Thema Mobilität? Das Marktforschungsinstitut Kantar hat zwei Jahre lang das Mobilitätsverhalten von Einwohnern in 31 Großstädten rund um den Erdball untersucht und mit verschiedenen Experten gesprochen. Die Ergebnisse der Studie „Mobility Futures" lassen aufhorchen: Bis 2030 könnte in vielen urbanen Zentren eine Mobilitätswende vollzogen werden. Was bestimmt den zukünftigen Stadtverkehr von morgen?

Verkehrswendepunkt 2030?

Das Auto ist immer heute noch das beliebteste Verkehrsmittel im städtischen Raum und wird statistisch für 51 Prozent aller Fahrten geführt. Doch in den nächsten zehn Jahren könnten private Autofahrten kontinuierlich zurückgehen. Gerade unter Pendlern, die allein unterwegs sind und damit 39 Prozent der Gesamtfahrten per Pkw ausmachen, wächst der Wunsch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Beifahrer mobil zu sein. Insbesondere Car-Sharing-Konzepte für organisiertes gemeinsames Fahren werden künftig relevanter und ersetzen Strecken im eigenen Auto. Insgesamt signalisieren 37 Prozent der befragten Autofahrer die Bereitschaft, auf andere Fortbewegungsmittel umzusteigen. Mit der Folge, dass 2030 erstmals der Verkehrswendepunkt eintreten könnte: Der öffentliche Nahverkehr, das Fahrrad und der Weg zu Fuß werden laut Studien dann zusammengenommen von heute 45 auf 49 Prozent in der Gunst der Städter steigen, während das Auto dann nur noch für 46 Prozent aller Fahrten genutzt wird.

Wie sich ÖPNV und Autoverkehr in den Millionenstädten verändert - Quelle: Kantar-Studie "Mobility Futures"

Fahrrad macht Quantensprung

Menschen setzen zunehmend auf die Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel. Der Ausbau von Radwegen und Mobility-Sharing-Angeboten, Fußgängerprojekten, neue multimodale Mobilitäts-Apps und langfristige Investitionen in den öffentlichen Verkehr fördern diese Einstellung. Die restlichen fünf Prozent entfallen dann auf Taxen und Mitfahrgelegenheiten sowie sonstige Verkehrsmittel wie Fähren. Der öffentliche Nahverkehr wird insgesamt bis 2030 um fünf Prozent zunehmen. Unter den ÖPNV-Nutzern sind 43 Prozent bereit, auf Alternativen umzusatteln. Gewinner von dieser Entwicklung ist das Rad: Bis 2030 wird ein Anteil von 18 Prozent am urbanen Mobilitätsmix mit klassischen Fahrrädern, Lastenrädern und E-Bikes prognostiziert. Kein anderes Verkehrsmittel verbucht derart hohe Zuwächse.

Wie sich die Präferenzen von Städtern bis 2030 perspektivisch verändern - Quelle: Kantar-Studie "Mobility Futures"

Rankings: Wo stehen die Städte?

Die Kantar-Studie zeigt, dass Städte wie Berlin, Auckland und Moskau für eine nachhaltigere Zukunftsmobilität bereit sind. Sie führen den „City Mobility Index" an. Dieser bewertet, wie einfach es für die Menschen ist, am urbanen Leben teilzunehmen, da sie sich effizient bewegen können, sowohl durch einen kostengünstigen wie auch einfachen Zugang zu Verkehrsmitteln. Allerdings existiert beispielsweise in Berlin eine deutliche Kluft zwischen der Bereitschaft der Stadtverwaltungen zur Veränderung und dem Vertrauen der Bürger. Die Studie hat zudem die Metropolen nach ihrer Umweltbilanz mit dem „Green Commuter Index" gerankt. Demnach führen asiatische Städte beim klimaschonenden Pendeln – mit Tokio auf Platz eins, gefolgt von Peking und Singapur. Dies ist auf einen geringen Anteil an Fahrten mit dem Auto, Motorrad, Roller, Taxi oder Fahrgemeinschaften und einen hohen Anteil an Fußgängern, Radfahrern und Nutzern des ÖPNV zurückzuführen. Angesichts der alltäglichen Smogfotos aus der chinesischen Hauptstadt eine überraschende Erkenntnis. London gilt auf dem europäischen Kontinent aufgrund seines weitverzweigten Bahn- und U-Bahn-Netzes als umweltfreundlichste Pendlerstadt. Mit dem Crossrail-Projekt wird dort derzeit auch Europas größtes Infrastrukturprojekt realisiert.

„Alle Städte sind unterschiedlich. Deshalb ist es unerlässlich, den Menschen in den Mittelpunkt der Forschung zu stellen, um das zukünftige Mobilitätsverhalten besser zu verstehen und Chancen zu erkennen.“

Guillaume Saint, Global Automotive und Mobility Lead bei Kantar

Die Studie prognostiziert, dass bis zu 36,7 Millionen Bewohner in den 31 untersuchten Städten in den nächsten zehn Jahren ihr Mobilitätsverhalten verändern werden. Drei Trends werden diesen Wandeln stark beeinflussen und von den Studienautoren besonders hervorgehoben: Mobility-as-a-Service (MaaS), Mobilitätsknotenpunkte und selbstfahrende Zustellfahrzeuge, die als mobile Paketstationen fungieren, um erfolglose Zustellfahrten zu reduzieren. Die Städte mit der höchsten Offenheit und Kompetenz für neue Technologien sind Kantars Untersuchungen zufolge Amsterdam, London und Los Angeles. Dabei wurden verschiedene Faktoren wie digitale Zahlungsinfrastruktur, Offenheit für Sharing-Angebote und autonomes Fahren mit einbezogen.

Auf der IAA 2021 steht innovative Mobilität in allen Facetten im Mittelpunkt. Intelligente Verkehrslösungen, visionäre Denkweisen, Automobil und gesamte Mobilitätskette. Alles was Mobilität von morgen formt und erlebbar macht. Seien Sie dabei!

Kantar ist eines der weltweit führenden Unternehmen für Data Science, Insights und Consulting mit Vertretungen in mehr als 100 Ländern.