Ein Concept Car von Audi auf der IAA

Zukunftsvision auf Rädern

Sie sind die eigentlichen Stars der IAA und Antrieb für die Evolution von Mobilität. Konzeptfahrzeuge stellen Geschichte, Alltag und Konventionen infrage. Einige sind ihrer Zeit meilenweit voraus oder einfach zu kühn, aber niemals nutzlos.

Was könnte spannender sein, als auf der kommenden IAA einen Blick auf die Zukunft zu erhaschen?

Serie versus Studie

Nicht immer erblicken die neuesten Coupés, Kombis, SUVs oder Geländewagen auf der IAA das Licht der Öffentlichkeit, die kurze Zeit später im Handel erhältlich sein werden. Auch Fahrzeugstudien oder Konzeptfahrzeuge sind auf der IAA präsent. Sie werden konzipiert und entwickelt, um Visionen und technische Geistesblitze in Fahrt zu bringen, neue Designkonzepte und Technologien zu erproben. In jedem Showcar steckt der kreative Geist, mit dem Technik und Kunst eine erste, nicht immer serientaugliche Symbiose eingehen. 

Die präsentierten Modelle reichen von Designstudien ohne technisches Innenleben aus Schaum bis zu asphalttauglichen Cruisern: Futuristische Karosserien, mit überdimensionierten Rädern, rundum verglast, mit einem Interieur, das an ein Wohnzimmer erinnert und alles per Stimme oder Gestensteuerung bedienbar ist. Sie regen die Diskussion über die Mobilität von morgen an und geben den Designer und Entwicklern wichtige Hinweise, was ankommt und was nicht. Erwartungen übertreffen ist dabei eine primäre Aufgabe von Premieren. Denn was der Laufsteg und Haute Couture für die Modewelt sind, sind die perfekt polierten Showcars auf der IAA-Bühne für die Automobilindustrie.

Inszenierung in Perfektion

Erste Gerüchte über Können und Exterieur werden schon Wochen vorher in den Fachmagazinen mit ersten Fotos von Erlkönigen gestreut. Am Präsentationstag sind die Fahrzeuge unter Stoff verdeckt oder warten hinter der Bühne auf das Go. Eine Choreografie aus Lichtorgeln, Videoinstallationen und Musik gibt der Show den perfekten Rahmen. Bis endlich das Objekt der Begierde enthüllt wird. Die Schnappschüsse und Videos gehen in kürzester Zeit um den Globus. Und so nutzen selbst Zulieferer und Marken, die eher für Klein- und Kompaktwagen stehen, den großen Auftritt und zeigen immer mal wieder eskapistische Zukunftsstudien, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu produzieren.

Der irische Zulieferer Adient stellte auf der IAA 2017 seine Interieurstudie AI18 vor.
Der irische Zulieferer Adient stellte auf der IAA 2017 seine Interieurstudie AI18 vor.

Ist die Reaktion der Fachwelt enthusiastisch genug, kann ein Konzeptfahrzeug schnell zur Serie avancieren. Porsche präsentierte 1983 auf der IAA die Supercarstudie „Gruppe B“. Angetrieben wurde der Bolide von einem 450 PS starken Boxermotor mit wassergekühlten Zylinderköpfen und Biturbo-Registeraufladung. Damit überschritt das Fahrzeug spielerisch die Grenze von 300 km/h. Die Zuffenhausener sammelten so viele Anfragen ein, dass die Studie schließlich als Porsche 959 in Serie ging. Trotz einem Preis von astronomischen 420.000 D-Mark war der Supersportler schon vor Verkaufsstart vergriffen. Die Elektrofahrzeuge i3 und i8 von BMW waren erstmals 2009 auf der IAA zu sehen. Vier Jahre später feierten die Münchener das Seriendebüt beider Modelle auf der IAA 2013. 

Wenn Visionen Visionen bleiben

Aber es geht auch anders aus: Als im September 1969 das Forschungsfahrzeug C 111 von Mercedes-Benz die Öffentlichkeit entzückt, ist der Hype riesig. Der Supersportwagen mit Flügeltüren und Wankelmotor avancierte zu einer Stilikone der 1970er-Jahre, über die heute noch Fachpresse und Lifestylemedien in Nostalgie verfallend berichten. Doch obwohl hunderte Bestellungen in die Zentrale nach Stuttgart geschickt wurden, beschloss der Konzern zwei Jahre später aus technischen Gründen den Sportwagen nicht zu produzieren. Das Forschungsfahrzeug wurde den eigenen Erwartungen nicht gerecht. Und so bleiben manchmal Visionen auch Visionen. 

Die Serienfertigung blieb nur ein Traum: der Supersportwagen C 111 von Mercedes-Benz bei seiner Premiere 1969.
Die Serienfertigung blieb nur ein Traum: der Supersportwagen C 111 von Mercedes-Benz bei seiner Premiere 1969.

Unter dem Motto „Driving Tomorrow“ legt die IAA 2019 den Fokus in diesem Jahr erneut auf Megatrends wie vernetztes und automatisiertes Fahren. Es bleibt also spannend, was die IAA 2019 für Konzeptfahrzeuge zu bieten hat. Sichern Sie sich Ihr Ticket und genießen Sie die Show.