Verbandsarbeit im Homeoffice – Learnings vor dem Restart

Der Verband der Automobilindustrie ist im Homeoffice. Neben den zahlreichen Herausforderungen gibt es aber auch wichtige Learnings aus den vergangenen Wochen. Dr. Martin Koers, Geschäftsführer beim VDA, berichtet von seinen Erfahrungen.

Die Autoindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig Deutschlands. Die Corona-Pandemie hat sie voll ins Rückenmark getroffen. Die Produktion stand wochenlang still, Lieferketten sind zusammengebrochen, der Umsatz ist auf einem Tiefpunkt. Unsere über 650 Mitgliedsunternehmen passen sich der Situation so gut es geht an. Viele der Betriebe lassen ihre Belegschaft erst einmal Arbeitszeitkonten und Resturlaub abbauen. Zahlreiche Zulieferer und Hersteller mussten ihre Belegschaft jedoch auch in Kurzarbeit schicken. Ein Großteil der Büroangestellten arbeitet im Homeoffice. Doch die Wertschöpfung passiert in den Werken am Band. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir Schritt für Schritt wieder in den Normalbetrieb zurückkehren und mit Konjunkturimpulsen die Wirtschaft wieder beleben. Dafür braucht es eine funktionierende Verbandsarbeit – und die digitale Infrastruktur entpuppt sich dabei als Lebensader.

Kein Shutdown der Verbandsarbeit

Auch für den VDA ist der Ausnahmezustand seit Wochen Alltag. Rund 100 Kolleginnen und Kollegen befinden sich im Homeoffice. Das kollektive Arbeiten von Zuhause aus ist für uns alle ein ungewöhnliches Experiment. Zugleich erleben wir den größten Digitalisierungsschub unserer Verbandsgeschichte: Digitale Plattformen für das Projekt- und Dokumentenmanagement sowie das agile Zusammenarbeiten sind plötzlich die Arbeitsmittel der Stunde. Workshops, Präsentationen, Besprechungen, Interviews und die „normale“ Verbandsarbeit – nahezu alles läuft online ab.

So halten wir beispielsweise auch unseren monatlichen „First Monday“ für alle VDA-Mitarbeiter virtuell ab. Die zentrale Gremienarbeit mit unseren Mitgliedern erfolgt komplett via Microsoft Teams. Ebenso der Dialog mit den politischen Akteuren und den Medien. Und die Kolleginnen und Kollegen treffen sich untereinander per Videochat zum virtuellen Lunch oder Kaffee. Schließlich darf Privates gerade in diesen Zeiten nicht zu kurz kommen.

Bislang ist die Resonanz aus allen Richtungen sehr positiv. Kontinuierliche Feedbackschleifen münden in Learnings, die wir hands-on lösen. Kleinere anfängliche technische Schwierigkeiten konnten aus dem Weg geräumt, neue Routinen und Strukturen geschaffen werden. Dadurch ist der VDA erreichbar, voll arbeitsfähig und steht seinen Mitgliedsunternehmen und der Politik weiterhin beratend und moderierend zur Verfügung. Das neue Infektionsschutzkonzept unserer Corona-Taskforce ermöglicht uns nun bis Anfang Juni schrittweise die Rückkehr in die VDA-Büros in der Behrenstraße. Für die Zeit nach dem Dauer-Homeoffice werden wir einiges mitnehmen und auch dauerhaft anders machen.

Meine Learnings:

  • Führung gefragt: gerade Remote-Arbeit braucht Vertrauen und Kommunikation
  • Verbandsarbeit geht auch digital
  • Effizienz: Homeoffice macht Mitarbeiter nicht unproduktiver, im Gegenteil
  • Digitale Kommunikation spart Zeit gegenüber klassischen Besprechungen
  • Miteinander: Team-Calls und 1:1-Gespräche am besten per Video
  • Die Digitalisierung bricht mit Gewohnheiten und macht einige Prozesse agiler

Reset für die Automobilindustrie

Und auch für die Teile der Automobilindustrie, die nicht ins Homeoffice verlagert werden können, gibt es eine Perspektive. Autohäuser sind wieder geöffnet, in China erholt sich langsam der Markt, zahlreiche Hersteller und Zulieferer beginnen den Hochlauf der Produktion und die lebenswichtigen Lieferketten werden nach und nach reaktiviert. Dabei ist eines zentral: der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sicherheitsabstand zwischen Mitarbeitern, Desinfektion nach Schichtwechsel, längere Schichtpausen, Schutzkleidung – in unserer Industrie werden hierfür die höchstmöglichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Hier können wir auch von den Erfahrungen aus Werken in Asien profitieren. Der digitale Wissenstransfer ist in diesen Tagen dabei wichtiger denn je.

Über den Autor: Dr. Martin Koers ist Geschäftsführer des VDA. In dieser Funktion ist er zuständig für die Zulieferer, Mittelstand, den Aftermarket, Entwicklungsdienstleister sowie Startups im VDA. Zudem ist er verantwortlich sowohl für Kommunikation und Events als auch für die Bereiche Economic Intelligence & Statistik sowie IT und Digitalisierung im VDA. Zuvor war er verantwortlich für die Wirtschafts-, Außenwirtschafts- und Klimaschutzpolitik im VDA.

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