Eine Satellitenaufnahme der Erde

Städte mit Zukunft?

Ein neues Zeitalter der Stadtentwicklung ist angebrochen. Der Ruf nach intelligenten Verkehrskonzepte wird immer lauter. Sonst droht vielerorts der Kollaps.

Doch welche Trends beeinflussen die Zukunft urbaner Mobilität? Welche Maßnahmen und Ansätze können Verkehr und Infrastruktur unserer Zentren nachhaltig entlasten? Und was für eine Rolle spielt dabei noch das Auto?

Der Kollaps droht

Städte ­– Meere aus Stahl und Beton, Kulminationspunkte menschlichen Lebens: Auf engstem Raum tummeln sich Bewohner aller Generationen, finden hier Wohnraum, Bildungsstätten, Arbeitsplätze, Geschäfte und Freizeitangebote. Dabei ist Mobilität das Bindemittel sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten. Doch wäre die städtische Infrastruktur ein Boxer, sie würde bereits seit einiger Zeit taumeln. Mittlerweile hängt sie in den Seilen. Staus, marode Straßen, Verkehrslärm und überfüllte Nahverkehrsmittel sind vielerorts ein bekanntes Bild. Der Lieferverkehr auf der letzten Meile ist nur ein weiterer Leberhaken, welcher die Verkehrsinfrastruktur in vielen Städten an die Grenzen der Belastbarkeit führt. Die wachsende Urbanisierung wäre nach jetzigem Stand auf lange Sicht der Knockout. Denn immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt.

Szene aus Tel Aviv: Stau ist in vielen Städten dieser Welt Alltag. Bildquelle: Unsplash, Jens Herrndorff
Szene aus Tel Aviv: Stau ist in vielen Städten dieser Welt Alltag. Bildquelle: Unsplash, Jens Herrndorff

Ganz gleich ob in Afrika, Asien oder Europa – die Stadtbevölkerung wächst weltweit. Der UN zufolge werden rund 70 Prozent der Weltbevölkerung bis 2050 in urbanen Gegenden leben. Zum Vergleich: Heute sind es 55 Prozent, 1950 waren es weniger als ein Drittel. Die Herausforderungen für Politik, Verwaltung und Stadtplanung sind immens. In Asien ist das Dilemma längst Alltag: In Städten wie Peking, Manila oder Kuala Lumpur erinnern die Straßenzüge zur Rushhour eher an Parkplätze. Das Problem betrifft aber längst auch die großen Metropolen Europas. In Berlin stehen Autofahrer im Schnitt 154 Stunden im Stau. So wird intensiv darüber diskutiert, wie Städte sich nachhaltig entwickeln, während die Bewohner weiter mobil bleiben.

Verbote als Heilmittel?

In Paris geht die Stadtverwaltung massiv gegen den Autoverkehr vor. Bürgermeisterin Anne Hidalgo verfolgt ambitionierte Pläne für ihre Stadt: Bis Mitte 2019 sollten ältere Dieselfahrzeuge komplett aus der französischen Hauptstadt verbannt werden. Von 2030 an dürfen nur noch Elektroautos auf den Boulevards rollen. Schon heute gibt es autofreie Tage an den Wochenenden und Straßen wandeln sich zu autofreien Zonen. Beispielsweise wurde ein über drei Kilometer langes Stück an der Seine zwischen dem Place de la Concorde und dem Rathaus in eine Uferpromenade umgestaltet. Dort wo früher täglich über Zehntausende Autos fuhren, stehen heute Bänke und im Sommer Liegestühle, Spielflächen für Kinder und Cafés. Die Stadtoberen planen sogar, Fahrzeuge vollständig aus dem historischen Zentrum zu verbannen. Städte wie Barcelona und London wollen nachziehen. Doch es braucht mehr als Verbote. Es braucht eine intelligente Verkehrsplanung und innovative Konzepte. 

Früher fuhren hier täglich 40.000 Autos entlang – heute ist das Teilstück der Seine autofrei. Bildquelle: Unsplash, Anthony Delanoix
Früher fuhren hier täglich 40.000 Autos entlang – heute ist das Teilstück der Seine autofrei. Bildquelle: Unsplash, Anthony Delanoix

Den öffentlichen Nahverkehr stärken

Eine Möglichkeit dem Kollaps entgegenzuwirken ist der Ausbau des Nahverkehrs. Doch was ist überhaupt geeignet? U-Bahnen sind kostspielig und der Bau ist zeitintensiv. Eine alternative Lösung: das Bus-Rapid-Transit-System – kurz BRT. Gerade in ärmeren Ländern, die ohne große Infrastrukturinvestitionen auskommen müssen, hat sich diese Lösung bewährt. In Städten wie Belo Horizonte, Bogota und Johannesburg wurden geschützte Korridore geschaffen, auf denen Busse einfach am Stau vorbeifahren können. Die Verkaufsautomaten an den Haltestellen verhindern, dass sich Passagiere ihre Tickets, wie vielerorts noch üblich, im Bus kaufen müssen. So werden Verzögerungen bei der Fahrt vermieden. Indem sich die Einsteigeplattformen auf der gleichen Höhe wie die Bustüren befinden, sind die Haltepunkte barrierefrei, das Einsteigen wird für viele Menschen vereinfacht und so beschleunigt. Da die Busse an vielen Strecken nun nicht mehr vom Verkehr abhängig sind, verbessert sich vor allem die Pünktlichkeit. Für viel Aufsehen sorgte ein alternatives Busexperiment in China, das wie ein rollendes Viadukt zwei Meter über den Straßenverkehr hinweggleiten sollte. Doch es gab etliche Probleme: Die Durchfahrtshöhe für Autos und Lastwagen war zu niedrig, die Gesamthöhe für Brücken zu hoch und Kurvenfahren so gut wie unmöglich. Das Projekt wurde wieder eingestellt.

     
Gondeln für die Stadt: das Kabinenkonzept "Urbania" des Erfinders Charles Bombardier. Bildquelle: Imaginactive.
Gondeln für die Stadt: das Kabinenkonzept "Urbania" des Erfinders Charles Bombardier. Bildquelle: Imaginactive.

In die Lüfte steigen

Während Daimler und Airbus an der Eroberung des Luftraums mit Drohnen und Lufttaxis arbeiten, gibt es längst Beispiele, die vergleichsweise günstig große Menschenmassen befördern können: In La Paz transportiert das urbane Seilbahnnetz "Teleférico" täglich mehr als 100.000 Menschen. Das Netz besteht derzeit aus zehn Linien und soll bis 2020 auf 33 Kilometer wachsen. Auch Städte wie Medellín, Caracas und Rio de Janeiro betreiben inzwischen luftgestützte Transportsysteme. Der kanadische Erfinder Charles Bombardier hat dieses Prinzip mit seiner Vision von „Urbania“ adaptiert. Herausgekommen ist ein bodennaher, innerstädtischer Sessellift mit geschlossenen Kabinen, die an festen Fahrspuren zwischen Hochhäusern gondeln, fernab der Straße.

Radeln für die Verkehrswende

Der Trend zum klassischen Fahrrad, E-Bikes, -Rollern und Lastenräder ist ungebrochen. Der Markt boomt. Doch vielerorts fehlt eine geeignete  Radverkehrsinfrastruktur. In Berlin wird die Diskussion besonders intensiv geführt, wo der Bau von geschützten Radwegen und Radfahrstreifen in den nächsten Jahren forciert werden soll. Auch Radschnellwege sind geplant. Forscher des BMW Technology Office China in Shanghai haben mit der "Vision E³ Way" ein Konzept für den Fahrrad-Highway von morgen vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Fahrradweg auf einer Hochtrasse, der wichtige Verkehrsknotenpunkte urbaner Ballungsgebiete miteinander verbindet. Die Nutzung ist exklusiv emissionsfreien Zweirädern wie Pedelecs vorbehalten. Die Schnellstraße wird über Rampen und Schleusensysteme an das normale Straßennetz, U-Bahnstationen und wichtige Knotenpunkte gebunden. Bei Bedarf kann man sich an den Zugängen ein Leihfahrzeuge für die Nutzung der Trasse mieten. Während der Fahrt bietet die weitgehend überdachte Hochstraße Schutz vor Regen und Sonne. Ein Kühlsystem mit gereinigtem Regenwasser sorgt für die Klimatisierung.

Der BMW Vision E³ Way. Bildquelle: BMW Group
Der BMW Vision E³ Way. Bildquelle: BMW Group

Auto als Teil der Lösung

Das Auto ist kein Problem der Stadt von morgen, es wird ein Teil der Lösung sein.  Eine einfache Möglichkeit, die Zahl der Autos zu reduzieren, ist, den Privatwagen mit Car- und Ridesharing zum öffentlichen Verkehrsmittel umzufunktionieren. Passende Mitfahrer zu finden ist dank Smartphone-Vernetzung einfach. Voll besetzte Autos könnten – wie auf einigen Express-Freeways in Los Angeles – auf eigenen Fahrspuren am Stau vorbeifahren. Intelligente Leitsysteme sowie Car-2-Car- und Car-2-x-Kommunikation können bei der Entzerrung des Verkehrs zusätzlich helfen. Denn die fortschreitende Vernetzung und Automatisierung machen Autos immer stadttauglicher. Nach einer Bahnfahrt wird man sich künftig bequem ein Fahrzeug per Smartphone oder Smartwatch zum Bahnhof ordern können. Dieses fährt dann selbstständig heran. Am Ziel angekommen wird man nicht lange einen Parkplatz suchen müssen, sondern das Auto wird dies per Knopfdruck übernehmen. 

Intermodal unterwegs

Das Prinzip ist uns im Alltag bereits wohlvertraut: Wir wählen und verknüpfen verschiedene Verkehrsmittel miteinander. Geschieht das Umsteigen übrigens nahtlos in Reihe, ist man intermodal unterwegs. Ob öffentlicher Nahverkehr, Auto oder Leihfahrrad – entscheidend ist nicht mehr, womit man ans Ziel kommt, sondern nämlich wie schnell und effizient. Es gibt bereits erste Plattformen wie moovel, Qixxit und andere, die verschiedene Dienstleister und Verkehrsmittel kombinieren. Nach und nach werden diese Angebote noch intelligenter: Sie lassen aktuelle Verkehrssituationen per Echtzeitdaten in die Reiseplanung ebenso einfließen wie die Parkplatzsituation am Ziel. Auch wird daran gearbeitet, durchgängige Bezahlsysteme zu entwickeln, mit denen die Kunden ihre Reise trotz verschiedener Verkehrsmittel bequem mit wenigen Klicks bezahlen können.

Ein junger Reisender. Bildquelle: Unsplash, Clem Onojeghuo
Ein junger Reisender. Bildquelle: Unsplash, Clem Onojeghuo

Akzeptanz der Stadtbewohner

Das Internet of Things mit seinen vernetzten Häusern, Straßen, Fahrzeugen und Infrastrukturen gilt als großer Heilsbringer für die Städte der Zukunft. Doch Politik und Verwaltung müssen sich neben dem technologischen Fortschritt vor allem an den Bedürfnissen der Einwohner orientieren, um ihre organisch gewachsenen Strukturen und Verkehrsmuster zu verbessern. Und akzeptieren werden die Menschen die Maßnahmen nur, wenn sie ihre eigenen Bedenken und Vorstellungen einbringen können. Das schafft Vertrauen – ein Top-Down-Ansatz nicht. Dafür braucht es einen breiten Dialog mit Stadtplanern, Kommunen, Politik und öffentlichen wie privaten Mobilitätsanbietern. Die IAA als international führende Plattform für die Mobilitätswende ist dafür der "place to be".

Smart Cities sind ein zentrales Thema auf der IAA Conference und der New Mobility World. Hier präsentieren und diskutieren verschiedene Akteure Lösungen über neue Wege zu einer nachhaltigen Stadt und innovative Formen intermodaler Verkehrsstrukturen. Sichern Sie sich gleich Ihr Ticket und tauchen Sie ein in Lösungen für die Stadt von morgen.