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Hyperloop – Marketingblase oder die Zukunft des Transports?

Die Vision, eines Tages in einer Art Rohrpost für Menschen mit über 1.000 Kilometern pro Stunde von Stadt zu Stadt zu brausen – das soll der Hyperloop möglich machen. Das Konzept ist noch nirgendwo realisiert. Doch die Hoffnungen sind groß: Schneller, kostengünstiger und nachhaltiger als herkömmliche Transportmittel soll der Hyperloop sein. An der TU München (TUM) forschen Studenten und Wissenschaftler gemeinsam an dem Transportsystem.

Was noch immer futuristisch wirkt, hat bereits eine lange Geschichte. Der Erfinder George Medhurst stellte im 19. Jahrhundert ein Konzept für eine Vakuumbahn vor, um Passagiere mittels Druckluft durch Rohre zu transportieren. Anfang des 20. Jahrhunderts skizziert der Raketenbauer Robert Goddard seine Idee von einer Magnetschwebebahn untertage zwischen Boston und New York. Die Idee zum Hyperloop hat SpaceX- und Tesla-Motors-Chef Elon Musk vor einigen Jahren wiederbelebt. Seitdem ist eine kleine Hyperloop-Industrie entstanden. Um seine Vision voranzutreiben, rief Elon Musk die „SpaceX Hyperloop Pod Competition“ ins Leben, um die Erforschung seiner Vision weiter zu befördern: Studierendenteams aus aller Welt waren aufgerufen, ihre Konzepte für den Pod zu präsentieren und diese dann in einer vom amerikanischen Raumfahrtunternehmen SpaceX gebauten Vakuumröhre auf die Probe zu stellen.

„Es gibt Leute auf der Welt, die wollen immer die gleichen Sachen machen. Was wir hier sehen, das ist Zeug aus der Zukunft – das ist so aufregend wie die Mondlandung.“

Elon Musk, anlässlich des Hyperloop Pod Competition 2018

Interview mit Gabriele Semino, Project Lead bei TUM Hyperloop

Kurz nach der Ankündigung des Wettbewerbs gründete sich an der TU München eine studentische Gruppe, die dem Aufruf nachkommen und am Wettbewerb teilnehmen wollte. Über die Jahre hinweg konnte sich das Team gegen die internationale Konkurrenz von Studierendenteams renommierter Universitäten durchsetzen. Zuletzt gewann das Team aus München im Juli 2019 zum vierten Mal in Folge die Trophäe und brach dabei mit 482 km/h seinen eigenen Geschwindigkeitsrekord. Mit dabei: Gabriele Semino, Mitglied im Leitungsgremium des TUM Hyperloop. Im Interview verrät er mehr über das Erfolgsteam und welche Ziele sie sich gesetzt haben.

Was ist Eure Erfolgsformel?

Das Team. Der TUM Hyperloop POD IV ist von über 30 Studenten aus 22 Nationen sowie durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von sieben Fakultäten entwickelt worden. Bei uns arbeiten angehende Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker, Bauingenieure und Betriebswirte Hand in Hand zusammen und investieren ihre Freizeit. Die Tatsache, dass im Team vieler unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenkommen, ist natürlich von großem Vorteil, da jeder seine Expertise aus dem Studium mitbringt und hier das Wissen anwenden kann. Das ist für alle eine tolle Erfahrung, zumal wir mit den Siegen international bekannt geworden sind. Und seit diesem Jahr können wir dank der Fördermittel auch Wissenschaftler fest einstellen.

Wie war es, eine Ikone wie Elon Musk persönlich zu treffen?

Das Treffen war zwar nur kurz, aber es war schon ein besonderer Moment. Er hat sich im Detail alles erklären lassen und er schien tatsächlich echtes Interesse an unserer Technologie zu haben. Nach den vielen Stunden, die wir in dieses Projekt investiert haben, freut man sich natürlich sehr darüber.

Auf die Aerodynamik wird es angekommen - Copyright © 2020 NEXT Prototypes e.V.
Auf die Aerodynamik wird es angekommen - Copyright © 2020 NEXT Prototypes e.V.

Wird der Hyperloop den Verkehr revolutionieren?

Wir schauen ganz nüchtern aus der Forscherperspektive auf das Thema. Der Hyperloop ist auf jeden Fall eine vielversprechende Technologie, womit man durchaus den Verkehr in der Zukunft besser gestalten könnte. Es gibt bereits eine Vielzahl von Konzepten, ersten Technologien und Lösungen. Es ist nun jedoch wichtig, diese im Detail kritisch anzuschauen. Dazu fehlen noch Teststrecken, valide Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse. Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beitragen, die Vision eines Hyperloops eines Tages zu realisieren. Dabei haben wir seit unserer Gründung immer den Fokus auf das Gesamtkonzept eines großen Hyperloop-Systems gelegt und nicht nur auf den Wettbewerb.

Bislang war der Hyperloop eher Marketing als eine Technologie zum Anfassen.

Eine durchaus berechtigte Kritik am Hyperloop sind die vielen Versprechen und Zeitpläne, die bisher nie hielten. In naher Zukunft wird meiner Meinung nach jedenfalls kein Hyperloop Passagiere kommerziell transportieren, die Technologie dafür ist noch in einem zu frühen Entwicklungsstadium. Und so viele Fragen zur Technik, Physik, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sind noch unbeantwortet. Es ist auf jeden Fall noch viel Forschung und Entwicklung notwendig, weswegen wir nun ein größeres Forschungsprogramm an der TUM gestartet haben.

Noch eine Vision: Reisen per Hyperloop - Copyright © 2020 NEXT Prototypes e.V.
Noch eine Vision: Reisen per Hyperloop - Copyright © 2020 NEXT Prototypes e.V.

Worin unterscheidet Ihr Euch von Start-ups in der Hyperloop-Branche?

Start-ups haben eine klare kommerzielle Ausrichtung und haben somit einen gewissen Druck, schnell und womöglich voreilig Ergebnisse vorzuweisen, um beispielsweise neue Investoren zu akquirieren. Wir dagegen betreiben Forschung, setzen Studien auf und arbeiten an den Basistechnologien, um einen langfristigen Erfolg zu erzielen und die vorhandenen Mittel bestmöglich einzusetzen. In einer ersten Phase, die über zwei Jahre läuft, werden zunächst Systemanalysen durchgeführt, um die Machbarkeit und das Potential des Konzepts in Europa zu untersuchen, sowie Hyperloop-relevante Technologien entwickelt und erprobt.

Welche Meilensteine habt Ihr Euch gelegt?

Wir planen eine 24 Meter lange Teströhre auf dem Gelände des Ludwig Bölkow Campus in Ottobrunn sowie eine Prototyp-Kapsel im Maßstab 1:1. Mithilfe von diesem wollten wir uns beispielweise mit elektromagnetischen Antriebssystem und Magnetschwebetechnik beschäftigen, die unserer Meinung nach in Zukunft für die Weiterentwicklung von großer Bedeutung sind. Diese werden auf neue Weise miteinander kombiniert. Dazu wurde an der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TUM das Hyperloop-Forschungsprogramm ins Leben gerufen. Mit diesem verfolgen wir ein skalierbares Gesamtsystem, das von sämtlichen Aspekten wie der Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit beeinflusst wird. Gefördert wird das Programm aus Mitteln der Hightech Agenda Bayern der Bayerischen Staatsregierung.

Hunderte Kilometer lang: Das Röhrensystem für dne Hyperlopp - Copyright © 2020 NEXT Prototypes e.V.
Hunderte Kilometer lang: Das Röhrensystem für dne Hyperloop - Copyright © 2020 NEXT Prototypes e.V.

Manche Experten halten das Röhrenkonzept für nicht umsetzbar.

Die Röhrenkonstruktion ist in der Tat eine große Herausforderung. Die Strecke sollte möglichst gerade sein. Und man muss in regelmäßigen Abständen das Dehnverhalten auffangen. Das Prinzip der Dehnfuge gibt es schließlich schon im klassischen Brückenbau. Eine weitere Herausforderung ist in den mehrere hundert Kilometer langen Röhren ein konstantes Vakuum aufrecht zu erhalten. In der Kapsel braucht es jedoch den richtigen Innendruck, um die Passagiere sicher mitfahren lassen zu können. Da kommen ganz viele Aspekte zusammen, die eben noch im Detail untersucht werden müssen. Nur dann können wir anhand wissenschaftlicher Ergebnisse die Umsetzbarkeit festlegen.

Wie wird der Passagier die Fahrt in einem Hyperloop erleben?

Der Hyperloop wird keine Achterbahn, sondern ein Verkehrsmittel für alle sein. Es braucht daher Interieurkonzepte, um für die Passagiere das Fahrerlebnis bei hohen Geschwindigkeiten in geschlossenen Röhren möglichst angenehmen zu machen – beispielsweise mit Klimatisierung und Bildschirmen, die in der Kapsel Fenster und eine vorbeiziehende Landschaft simulieren. Daran arbeiten wir in dem Forschungsprogramm auch.