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Kleebinder: „IAA MOBILITY - der Startschuss zur ganzheitlichen Mobilitätswende“

09.08.2021

Die Sustainability Lounge presented by PwC wird auf der IAA MOBILITY (7. bis 12. September) zum Zentrum der Diskussion um die Zukunft der Mobilität. Kuratiert wird das Programm vom international bekannten Mobilitäts-Experten Hans-Peter Kleebinder.

Im exklusiven Interview sprechen wir mit ihm über seine Ideen zum Thema Nachhaltigkeit – und welche Rolle die IAA MOBILITY bei der Mobilitätswende spielen soll.

Mobilitäts-Experte Hans-Peter Kleebinder

Hans-Peter Kleebinder, wie soll die ideale Mobilität der Zukunft Ihrer Meinung nach aussehen?

Hans-Peter Kleebinder: Nachhaltigkeit wird in der Mobilität der Zukunft zum wichtigsten Thema – die Währung dafür ist unser persönlicher ökologischer Mobilitäts-Fußabdruck. Unser Wunsch nach individueller Mobilität bleibt – diesem werden wir vielfältiger nachkommen: Mit vier und zwei Rädern aber auch vermehrt auf der Schiene, im ÖPNV und zu Fuß. Perspektivisch ergänzend autonom und elektrisch sowohl in der Luft als auch unter der Erde. Die Vernetzung und Verzahnung aller Verkehrsmittel wird Standard. Und alles auf Knopfdruck in einer Mobilitäts-App in meiner Hand.

Das klingt jetzt noch wie eine utopische Vision. Welche Entscheidungen müssen dafür getroffen werden?

Kleebinder: Mobilität kann sicherer, umweltfreundlicher und entspannter werden, wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen. Es geht jetzt darum, nicht das technisch Machbare zu erfinden, sondern Innovationen und Fortschritt sozial verträglich zu gestalten, uns Menschen mitzunehmen und radikal in den Mittelpunkt zu stellen. Mobilität soll wieder Freude machen, einfach funktionieren und gleichzeitig unser Leben erleichtern.

Was erwarten Sie von der IAA MOBILITY auf diesem Weg in die Zukunft?

Kleebinder: Die neue IAA MOBILITY wird das neue Schaufenster in unsere Zukunftsmobilität. Als Erfinder der Automobilität gewinnen wir wieder die Themenhoheit über die Zukunft der Mobilität auf unserem Planeten zurück.

Ich erwarte Zukunft zum Anfassen und Mobilitäts-Erlebnisse über die ganze Stadt verteilt, um die Faszination der Mobilität einem breiteren und vor allem einem jüngeren Publikum erlebbar zu machen. Als inklusive Mobilitäts-Plattform schließt die IAA Mobility niemand aus und öffnet sich für die Themen und Forderungen der jüngeren Generation und sucht den Dialog zwischen den Generationen und verschiedensten Interessengruppen. Mehr Miteinander als in der Vergangenheit oft gegeneinander. Keine Tabus und mit Blick über unseren Tellerrand hinaus.

Und das soll zu welchem Ergebnis führen?

Kleebinder: Die IAA MOBILITY soll der Startschuss zu einer ganzheitlichen Mobilitätswende sein – Hand-in-Hand mit einer umfassenden Energiewende. Mit einer funktionierenden Infrastruktur und einer Um- und Neugestaltung unserer Städte für uns und die nächsten Generationen. Und unsere Automobilindustrie wird sich noch radikaler neu erfinden und ausrichten. Dabei die Chancen der Transformation nutzen und neue Arbeitsplätze schaffen. Mobilität ist und bleibt Grundlage unseres Wohlstands und wichtiger Treiber für unsere Lebensqualität.

Sie kuratieren das Programm in der Sustainability Lounge in der Messe halle B3 auf der IAA MOBILITY. Welche Impulse wollen Sie von dort setzen?

Kleebinder: Wir wollen auf der IAA MOBILITY mit Vordenkern, Firmen und Experten in den Dialog und Austausch gehen und Signale zum Thema nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität in die ganze Welt senden. Ob Mobilitätswende, Kreislaufwirtschaft oder Klimaziele – in allen wichtigen Diskussionen unserer Zeit geht es um Nachhaltigkeit. Das ist das übergreifende Leitthema, der Treiber und der gemeinsame Nenner für alle Player im Bereich Mobilität. In der Sustainability Lounge werden weltbekannte Speaker, Firmen und Organisationen wie LinkedIn, Drees & Sommer, XPENG, das Netzwerk „Frauen verbinden“, die Autobahn GmbH des Bundes oder das französische Startup Tallano darüber diskutieren.

Was ist Ihre persönliche Motivation, das Thema Sustainability voranzubringen?

Kleebinder: Ich habe 24 Jahre an verantwortlicher Position in der Automobilindustrie gearbeitet. Jetzt ist es mein Ziel, Brücken zu bauen. Zwischen Big-Playern und Start-ups. Zwischen Public und Private. Zwischen den alten und den neuen Playern im Mobilitäts-Bereich. Wir müssen jetzt gemeinsam das Thema Nachhaltigkeit in den Griff bekommen. Die momentane Ressourcenverschwendung und die fehlende Effizienz in der Mobilität sind mit Blick auf die Zukunft unseres Planeten und die unserer Kinder einfach Irrsinn. Ich bin 56, habe drei Kinder und will jetzt Verantwortung übernehmen meinen Beitrag zu Veränderungen in diesem Thema leisten.

Was muss sich vor allem verändern?

Kleebinder: Wir müssen im Mobilitätsbereich noch viel ganzheitlicher denken. Natürlich ist es prinzipiell gut, wenn Wasserstoff und Elektrizität in der Autoindustrie jetzt das so lange erfolgreiche Geschäftsmodell des Verbrenners ablösen. Aber wir müssen uns auch fragen: Wie werden diese Rohstoffe produziert? Wir müssen den Energie- und Mobilsektor koppeln. Und generell zur Circular Economy – der Kreislaufwirtschaft – kommen. Nur so macht es mit Blick auf die begrenzten Ressourcen auf unserem Planeten Sinn. Ich habe schon 1995 meine Doktorarbeit zum Thema Nachhaltigkeit geschrieben. Es ist höchste Zeit, dass wir dieses Thema jetzt ernsthaft voranbringen. Und die IAA MOBILITY ist als Treffpunkt aller Player genau der richtige Platz dafür.