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"Tuning hat nichts mit Rasen zu tun“: Lukas Zecher, Gründer der Medienagentur It‘s tuning, not racing

Tuning steht nicht für alte Mobilität. Es wird sie auch für E-Mobilität geben

Interview mit dem Tuning-Fan und Firmengründer Lukas Zecher

Herr Zecher, Sie sind Gründer und Chef von “It's Tuning, not Racing” und mit einem Stand auf IAA vertreten. Was macht ihre Firma?

Wir sind eine digitale Medien- und Veranstaltungsagentur und engagieren uns gegen illegale Straßenrennen und Raserei. Gleichzeitig möchten wir Menschen für legale und verkehrssicheres Tuning begeistern. 

Ich habe mit 16 den Führerschein gemacht und natürlich mitbekommen, dass bei illegalen Straßenrennen Menschen zu Schaden kamen. Das Problem verschärft sich übrigens: seit 2017 hat sich die Zahl der Toten durch diese Delikte verdoppelt. Ich habe dann als Erwachsener eine Film und Videoproduktion gegründet und angefangen Videos zu produzieren, um junge Leute von illegalen Straßenrennen abhalten, darunter den 20-minütigen Kurzfilm “Das erste Rennen”, der gleichzeitig Prävention sein will und andererseits die Tuning Kultur feiert. Beides, die Taten Krimineller und das Tuning wird ja immer in einen Topf geworfen. Dabei haben Tuner mit dem Thema eigentlich gar nichts zu tun. 

Unser neuestes Projekt „Red Lights“ ist unser bisher umfangreichstes Filmprojekt. Es wurde mit bis zu 70 Leuten am Set umgesetzt und bildet die typische Situation eines illegalen Straßenrennens ab, in dem ein junger Mann, der Rapper Henry, durch einen Gegner zum Rennen animiert wird. Seine Freundin, die Sängerin Madita, redet ihm ins Gewissen und der junge Mann merkt immer mehr, dass er den Wagen eigentlich gar nicht mehr kontrollieren kann. Wie es ausgeht, verrate ich nicht. 
 

Madita, die Sängerin spielt in „Red Lights“ mit, dem neuen Video von Lukas Zecher
Madita, die Sängerin spielt in „Red Lights“ mit, dem neuen Video von Lukas Zecher

Tuning hat ja ein etwas schmuddeliges Image, für die meisten ist es irgendwas mit Tieferlegen, Spoilern und breiten Felgen. Es steht für Unterschicht. Was ist das Tuning aus Ihrer Sicht?

Tuning bedeutet die Optimierung meines Traumautos und das machen Menschen aus allen Schichten. Ich verschönere das Aussehen des Autos, auch in exzentrischer Weise, ich verbessere die Technik, ich setze alles daran, dass es exklusiv aussieht. Zum Teil entstehen da ja fahrende Kunstwerke. Es gibt natürlich die ästhetischen Anleihen aus dem Motorsport. Aber nur optisch und legal. Wer mehr will, soll auf die Rennstrecke gehen. Damit feiere ich die Mobilität und den Spass an ihr. Tuning ist ein Teil der Popkultur mit eigenen Zeichen und Stilen und Regeln. Das wird immer übersehen und abgewertet.

Aber Tuning hat auch eine sehr soziale Komponente. Wir sind eine community, die sich gegenseitig unterstützt, die sich kennt und die sich trifft. 
 

Was werden wir während der IAA Mobility auf Ihrem Stand sehen? 

Wir präsentieren drei verschiedene Fahrzeuge, die wiederum die verschiedenen Tuningstile exemplarisch widerspiegeln: den amerikanischen, den asiatischen und den europäischen. Wir haben einen 30 Jahre alten Ford Escort. Er ist komplett in Silber gehalten, auch der Innenraum und der Motorblock. Der ist komplett clean, völlig reduziert. Diese Tuning- Tradition ist sehr amerikanisch. Als Vertreter der asiatischen Variante ist bei uns ein Nissan 350 Z als erster Rocket Bunny Umbau in Europa zu sehen. Rocket Bunny ist ein Tuning Fachbegriff und steht für extreme Breitbauten. Typisch asiatisch ist auch ein brachialer Show Spoiler und ganz viele Sticker. Als europäisches Auto präsentieren wir einen BMW Z1, also jenes legendäre Auto, das es heute so gar nicht mehr geben könnte mit seinen versenkbaren Türen. Der Motor ist extrem umgebaut, das Auto überzeugt sonst durch eher feinere Tuning Maßnahmen. 

Der Nissan 350Z, einer der Lieblinge der Tuning Szene als extremer Breitbau, Tuning-Fachbegriff: Rocket Bunny
Ford Escort

Die IAA versteht sich ja als Marktplatz für Ideen der Zukunftsmobilität. Steht Tuning  nicht eigentlich für die Mobilität von gestern? 

Nein, absolut nicht. Tuning steht für Individualisierung der Mobilität die, wie ich glaube, auch und vor allem im Zeitalter der E-Mobilität extrem wichtig bleiben wird. Daher ist das, was wir machen aktuell und passt sehr gut in die neue Welt.

Selbst, wenn wir alle in Kürze elektrisch fahren, möchte man doch ein individualisiertes Fahrzeug, man möchte weiter den Spaß am Fahren haben. 
Und im Zeitalter der E-Mobilität wird Prävention vor illegalen Straßenrennen vielleicht noch wichtiger, wenn man an die enorme Beschleunigung denkt.
 

Warum?

Hier könnte die E-Mobilität und die damit einhergehende Vernetzung die Lösungsmöglichkeiten bieten, über die man unter Berücksichtigung rechtlicher und technischer Fragen nachdenken sollte. Der Einsatz von KI (Künstliche Intelligenz) kann ja helfen, Unfälle zu verhindern. Wenn man illegale Autorennen nicht durch Kampagnen und gutem Zureden abwenden kann, könnte man darüber nachdenken, es technisch zu tun. Vielleicht wird es irgendwann Systeme geben, die einem Fahrer signalisieren: Es bewegen sich gerade zwei rasende Autos auf mich zu, dann könnte ein KI-System eingreifen und den Gefährdeten abbremsen. 

Nein: neue Mobilität ist für uns als Agentur  enorm wichtig und wird unsere Themen nicht verschwinden lassen. Im Gegenteil: mit unserem Fokus auf Tuning als Freude am individualisierten Fahren, die ja nicht vom Antrieb abhängt, und Unfallprävention sind wir auf der IAA genau richtig und freuen uns auf sie.