Anne Forschner

16.03.2021

Für Anne Forschner war sehr früh klar, dass sie Design studieren würde – Kreativität hat sie ihr Leben lang begleitet. Anne Forschner kommt aus dem Stuttgarter Raum, in dem das Thema Automobil ebenfalls omnipräsent ist – das hat sie früh und nachhaltig geprägt. Fahrzeuge haben sie schon immer fasziniert, ganz besonders die Emotionalität, die damit einhergeht und die Reaktionen, die diese in Menschen verursacht: „Ich selbst habe das erlebt, als ich den BMW E60 (5er) zum ersten Mal auf der Straße gesehen habe – ein Fahrzeug, das für den Alltagsgebrauch geschaffen wurde, so emotional zu gestalten, war für mich Faszination pur.“

Die Formensprache hat sie so sehr angesprochen, dass sie wusste: diesen Beruf möchte sie erlernen und ausüben. Exakt dies fasziniert und inspiriert sie bis heute: Flächen und Linien immer wieder neu zu kombinieren und im Einklang mit den technischen Vorgaben optisch unverwechselbare Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.

Im Bereich des automobilen Exterieur Designs gab es schon immer mehr Männer

Trotz des stark ausgeprägten Berufswunschs, hatte Forschner diverse Hürden zu überwinden: Automobildesign lernt man nicht von heute auf morgen. Es handelt sich hierbei um ein komplexes Feld, in dem man sich immer zwischen kreativen Ideen und realen technischen Machbarkeiten bewegt. Die richtige Balance zu finden und in jeder Entstehungsphase zu entscheiden, worauf der Fokus gelegt werden sollte, ist nicht immer einfach. Forschner ist der Meinung: „Mit ein wenig Erfahrung wird jedoch genau diese Herausforderung zum spannendsten Teil des Berufes.“

Im Bereich des automobilen Exterieur Designs gab es schon immer mehr Männer als Frauen: „Das kann schon eine Herausforderung für das berufliche Vorankommen sein und Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein haben.“

Für Forschner war und ist es immer wichtig, mit offenen Augen und Ohren durch den Berufsalltag zu gehen. Dies beinhaltet beispielweise, den Menschen mit dem richtigen Mind Set zuzuhören, genau hinzuhören – konkret gesagt: denjenigen Menschen Gehör zu schenken, die offen sind für Neues und die die Notwendigkeit von „Diversity“, Vielfältigkeit, schon früher als andere erkannt haben. „Ich hatte das Glück, in meiner Laufbahn – und vor allem bei BMW – vielen von diesen Persönlichkeiten zu begegnen und von ihnen lernen zu dürfen“, sagt die Car Designerin.
Zwischenzeitlich hat sich allerdings auch viel in der Branche getan: Das Bewusstsein, dass Unternehmen nur dann zukunftsfähig sind, wenn sie sich außerhalb traditioneller, vermeintlich bekannter Muster bewegen, ist gestiegen.

In jedem Projekt und in jeder Lebenslage lernt man etwas Neues

Dankbar und stolz ist Forschner vor allem auf die vielzähligen Fahrzeuge, die sie bei BMW gestalten durfte – ebenso auf die Erfahrungen, die sie dadurch erlangt hat. Besondere Projekte sind Fahrzeuge wie das BMW Concept i4 oder der neue BMW M3/M4. Das sind die Modelle, die den Kern der Marke BMW bilden und deren Gestaltung ihr besonders viel Freude bereitet hat.
Für Forschner sind Erfolge allerdings aber auch von kleinerer Natur, nach außen kaum wahrnehmbar. Ihre Devise: in jedem Projekt und in jeder Lebenslage lernt man etwas Neues. Vor allem die persönlich herausfordernden Projekte sind für sie die lehrreichsten. Letztendlich bauen alle Erfahrungen aufeinander auf: die Summe hiervon bedeutet für Forschner Erfolg.

Das Besondere am Car Design: große, emotionale Flächen

Die vielen großen, emotionalen Flächen sind für die Car Designerin das Besondere am Automobildesign. Sie lassen sich frei gestalten, ähnlich einer großen Skulptur. Das emotionale Erlebnis des Fahrens wird hierdurch unterstrichen. Im Product Design hingegen sind die Flächen meist kleiner oder aus funktionalen Gründen eingeschränkter gestaltet. Für Forschner ist allerdings jedes Design-Feld spannend und inspirierend.

Frauen dringen selbstbewusster in männerspezifische Berufe vor

Nach wie vor ist das Umfeld der Car Designerin eher maskulin geprägt – hin und wieder wünscht sie sich mehr weibliche Unterstützung. „Ein breit, sprich divers aufgestelltes Team – in jeglicher Hinsicht -, bringt in jedem Bereich den besten Teamgeist und die vielfältigsten Ergebnisse mit sich“, sagt Forschner. Allerdings sind auch heute noch die Studienabgänger vorwiegend männlich, was es besonders schwer macht, qualifizierte weibliche Persönlichkeiten zu rekrutieren. Aber auch hier kann man beobachten, dass sich vieles im Umbruch befindet – beispielsweise dringen Frauen inzwischen selbstbewusster in männerspezifische Berufe vor, was auch in der Sichtweise der jeweiligen Firmen wahrgenommen wird. Weiblichkeit ist inzwischen eine willkommene Stärke.

Erfolg muss erarbeitet werden; niemandem wird er auf dem Silbertablett serviert

Forschners persönlicher Tipp: zeichnen! Sie erklärt: „Je mehr man zeichnet, desto einfacher ist es, Ideen aus dem Kopf aufs Papier zu bringen und letztlich andere davon zu überzeugen. Zeichnen ist erlernbar und ist die Grundlage, die es zu beherrschen gilt, um im Bereich Design erfolgreich zu sein.“

Um ihren Traumberuf zu erlangen, hat Forschner hart gearbeitet.  Auch als sie die Stelle bei BMW bekommen hat, war ihr bewusst, dass sie noch sehr viel zu lernen hat. Für sie ist es unerlässlich, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen- dies beinhaltet auch, wieder aufzustehen, wenn man mal einen Fehler gemacht hat: „Erfolg muss erarbeitet werden; niemandem wird dieser auf dem Silbertablett serviert.“ Eigeninitiative, Beobachtungsgabe und ein klares Ziel vor Augen sind ihre wesentlichen Begleiter.

Forschner möchte Frauen dazu ermutigen, Automobildesign zu studieren: „Gerade jetzt, da sich das Fahrzeug an sich und generell der Mobilitätsgedanke von Grund auf verändern, macht es besonders viel Spaß, an der Gestaltung der Mobilität der Zukunft mitzuwirken.“