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5 Fragen an Belinda Günther

01.09.2021

Der Innenraum spielt eine wichtige Rolle in der Wahrnehmung eines Autos – schließlich verbringen wir häufig viel Zeit darin. Die Leiterin Color & Trim im Interior Design bei der Daimler AG erzählt, ob Form oder Funktion mehr zählt, wo die aktuellen Herausforderungen liegen und welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit beim Design spielt.

Wie haben Sie sich die Autos der Zukunft vorgestellt, als Sie selbst Kind waren – und setzen Sie davon etwas heute in Ihren Entwürfen um?

Solange ich mich erinnern kann, habe ich gerne gebastelt, gezeichnet, gemalt und genäht – das war schon als Kind mein Antrieb. In der ersten Klasse habe ich gewusst, ich werde Modedesignerin. Damit hatte sich der Weg zu meinem heutigen Beruf eigentlich sehr früh abgezeichnet. Design ist aktive Gestaltung, Vorstellungskraft, die es schafft, Ideen in die Realität umzusetzen. Das Thema Auto wurde ein bisschen später meine Leidenschaft. Kaum ein Produkt ist komplexer in seiner Gestaltung und Technik – und einen mobilen Raum mit funktionalen und dekorativen Elementen– zu gestalten, ist fordernd und spannend. Als Kind habe ich mir die Autos der Zukunft – 2030 – fliegend vorgestellt und in der Lage mit uns zu kommunizieren. Zumindest letzteres ist ein wenig Realität geworden.

Wovon sich die Besucher der neuen IAA MOBILITY selbst überzeugen können: unsere Showcars geben schon einen sehr intensiven Ausblick auf die Zukunft der Marke. Daran mitgearbeitet zu haben, macht mich glücklich.

Was ist wichtiger: Form follows function oder anders herum?

„Form follows desire“, würde ich es nennen. Mit unserem Design wollen wir Begehren wecken, unsere Kunden erwarten mehr als ein Produkt, sie sollen mit ihrem Mercedes-Benz ein echtes Erlebnis erwerben. Jedes noch so kleine Detail wird von uns mit größter Sorgfalt und Hingabe gestaltet, damit das ganze Auto, sowohl das Exterieur als auch das Interieur, immer als Einheit wahrgenommen wird. Das halten wir bei jeder Marke mit dem Stern so, jede Marke hat ihre spezifische Ausprägung. Eine Fusion von Form und Funktion in begehrenswerter Schönheit ist das Ziel.

Wohin geht der Trend im Automobildesign, auch in Hinblick auf die Elektrifizierung?

Mit der Elektrifizierung haben wir Designer,auch in unserer Disziplin des Interiordesigns, viele neue Freiheiten gewonnen. Die Innenräume der Automobile werden größer in Relation zur Außenlänge, wir können viel mehr Flächen und Oberflächen gestalten und die gemeinsame Arbeit mit den Kollegen des UI/UX, also den Gestaltern der Bedienungssysteme, ist großartig. Wir verschmelzen analoge und digitale Inhalte, das macht unsere Arbeit generell gerade sehr aufregend. Für uns Designer ist die Transformation der ganzen Industrie eine große Chance, ganz neue Designs zu gestalten. Und wir stehen erst am Anfang!

Wie integrieren Sie Nachhaltigkeit und Klimaschutz ins Design?

Mit jedem neuen Modell gehen wir wieder einen Schritt weiter, der uns dem gemeinsamen Ziel der CO2-Neutralität der Marke näherbringt. Wir achten seit langem auf die gesamte Wertschöpfungskette und suchen den idealen Weg in Kombination von Nachhaltigkeit, Qualität und Kundennutzen. Für uns Interiordesigner eröffnen sich mit jedem neuen Material auch andere Möglichkeiten, die uns anregen, unsere Ansprüche auszubauen, zu überdenken und zu erweitern. Internationale Vorschriften und Gesetze machen unsere Arbeit doch deutlich anspruchsvoller als in der Vergangenheit. Und das ist gerade auch das Reizvolle an unserem Beruf: Wir Designer leben in der Zukunft, gestalten sie deshalb aktiv mit und können immer wieder neue Standards setzen. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind bei uns längst in der täglichen Arbeit verankert.

An welches Design-Highlight (entweder Ihr eigenes oder von jemand anderem) erinnern Sie sich im Zusammenhang mit der IAA?

In der Vergangenheit ist mir die IAA 2003 in guter Erinnerung. Die erste Generation des viertürigen Coupé CLS war mein absolutes Highlight. Und gleich nebenan stand der SLR McLaren, ein Supersportwagen mit damals neuartigen Flügeltüren. Dieser Spagat zwischen Schönheit und Sportlichkeit, vereint bei einer Marke – das hatte mich sehr beeindruckt. Dies war meine erste IAA als Berufsanfänger und hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich in der Automobilindustrie geblieben bin.

Nun bin ich vor allem gespannt, wie unsere gemeinsame Arbeit des Designs auf der diesjährigen IAA MOBILITY bei den Besuchern ankommt. Für mich ist diese IAA schon jetzt ein Highlight, wir haben lange auf diese Tage hingearbeitet und endlich können wir wieder eine Messe besuchen.

Zur Person

Nach ihrem Fashion-Design-Studium in Pforzheim hat sich Belinda Günther auf das Automobildesign spezialisiert. Sie sammelte Erfahrungen bei verschiedenen Automobilherstellern und kam 2019 zur Daimler AG.

Über die Mercedes-Benz AG

Die Mercedes-Benz AG verantwortet das globale Geschäft von Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans mit über 170.000 Mitarbeitern weltweit. Der Fokus des Unternehmens liegt auf der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von Pkw und Vans sowie fahrzeugnahen Dienstleistungen. Darüber hinaus strebt das Unternehmen die führende Position bei Elektromobilität und Fahrzeug-Software an. Das Produktportfolio umfasst die Marke Mercedes-Benz mit den Submarken Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach, Mercedes-EQ, G-Klasse sowie die Marke smart. Im Jahr 2020 wurden rund 2,1 Millionen Pkw und nahezu 375.000 Vans abgesetzt. „Lead in Electric” heißt die Botschaft von Mercedes-Benz auf der IAA MOBILITY in München. Mit Gespür für Zeitgeist und einer dialog- und erlebnisorientierten Präsenz verfolgt Mercedes-Benz ein starkes, zukunftsweisendes Bild als moderne Luxus-Automobilmarke. Von insgesamt acht Premieren sind fünf rein elektrische Modelle und ein Performance-Hybridfahrzeug.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.