5 Fragen an... Andreas Mandl

16.07.2021

Künstliche Intelligenz klingt nach Science Fiction – aber ist schon in unserem Alltag angekommen. Welche Neuerungen es in der Landwirtschaft und Transportbranche gibt, berichtet der Head of Robotics and AI Products bei Continental.

Künstliche Intelligenz klingt für viele Menschen nach Science Fiction und weit entfernter Zukunft – ist das wirklich noch so weit weg?

Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist, begegnet uns Künstliche Intelligenz in unserem Alltag sehr oft. Seien es personalisierte Kaufempfehlungen beim Online-Händler, Wettervorhersage, die Routenführung des Staubsaugerroboters oder interaktive Diskussionen mit Alexa. Auch Continental entwickelt Künstliche Intelligenz u. a. für das Automatisierten Fahren bzw. in meinem Bereich in der mobilen Robotik. So liefert unser Roboter „Corriere“ bereits heute schon in Singapur Essen aus.

Inwiefern kann KI bei Liefer- und Landwirtschaftsrobotern zu mehr Nachhaltigkeit beitragen und wo werden sie bereits eingesetzt?

In der Landwirtschaft leistet unser Contadino einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Hier hilft die KI eigenständig tätige Roboter am Feld zu betreiben. Somit hängt die Arbeit am Feld nicht mehr so stark von der Verfügbarkeit des Landwirts oder eines Fahrers ab – und das sind Fachkräfte, die schwer zu finden sind. Der vergleichsweise kleine und leichte Contadino hat das Potential den flächendeckenden Einsatz von Spritzmitteln sowie die Bodenverdichtung zu reduzieren. Damit erreicht man eine nachhaltige Ertragssteigerung von hochwertigen Lebensmitteln.

Unsere Lieferroboter können innerhalb einer Stadt eine direkte Zustellung von Versender und Empfänger sicherstellen. Dies vermeidet nicht nur unnötige Umwege und reduziert CO2-Ausstöße durch den Einsatz elektrischer Antriebe, sondern macht die Fahrten erst dann notwendig, wenn mittels KI-gestützter Algorithmik Bedarfe erkannt bzw. Fahrten kombiniert und Leerläufe minimiert werden können. 

Welche Grundvoraussetzungen braucht es, damit die Automatisierung funktionieren kann?

Grundvoraussetzung für den Einsatz von autonomen Robotern, die auf unbeteiligte Personen treffen können, ist ein rechtlicher Rahmen, der in vielen Fällen heute noch nicht gegeben ist. Dies birgt ein hohes Haftungsrisiko für Hersteller und Betreiber autonomer Systeme. Wir sehen aber erste Schritte seitens der Gesetzgeber, die die Einführung von Robotern ermöglichen. Beispielsweise hat Continental für seinen Lieferroboter Corriere nach bestandener Prüfung eine Testzulassung für ausgewählte öffentliche Strecken in Singapur erhalten. Neben den rechtlichen, bedarf es je nach Use Case auch technischen Voraussetzungen. Bleiben wir beim Lieferroboter auf der letzten Meile.  Wesentlich für eine erfolgreiche Paket- oder Essenszustellung ist die vorhandene Infrastruktur. Möchte der Roboter an einer bedarfsgesteuerten Ampel die Straße überqueren, muss die Ampel so ausgestattet sein, dass Roboter und Ampel miteinander kommunizieren können. Erfolgt die Zustellung innerhalb eines Gebäudes, müssen automatisch öffnende Türen und Aufzüge vorhanden sein bzw. kontaktlos bedient werden können. Städte wie Singapur sind bestrebt, ihr Eco-System so zu gestalten, dass Infrastruktur und technischer Fortschritt Hand in Hand laufen. Davon sind andere Regionen leider noch weiter entfernt. 

Wie fühlen Sie sich mit dem Gedanken, dass Sie womöglich in einigen Jahren selbst erstmals ein Paket von einem Lieferroboter an der Haustür annehmen?

Hoffentlich dauert dies nicht mehr all zu lange. Der Personalmangel in dieser Branche macht auf mich den Eindruck, dass eine Ergänzung und Unterstützung durch eine KI gesteuerten Lieferroboter eine sinnvolle Ergänzung wäre.

Welche Innovation würden Sie gern in zehn Jahren auf der IAA Mobility sehen, die Sie mitentwickelt haben?

Ich würde mich freuen, eine voll integrierte autonome Lieferkette von Verkäufer/Hersteller bis Empfänger auch über die Grenzen einer Stadt hinaus zu sehen. Das könnte dann auch landwirtschaftliche Erzeugnisse beinhalten.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.