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5 Fragen an... Andrea Ketzer

05.08.2021

Die Head of Engineering Platform & Ecosystem, Advanced Driver Assistance Systems bei Continental gibt Einblicke in die Bedeutung von Software als Schlüssel für assistiertes und automatisiertes Fahren.

Wie wichtig ist Software für die Automobilbranche?

Es gibt bereits heute keine Autos mehr ohne Software, waren es früher nur eine überschaubare Menge an Codezeilen, so sind es heute bereits mehrere Millionen pro Fahrzeug. Generell steigt die Menge an Software und Komplexität exponentiell und damit einhergehend die Herausforderungen, welche nur mit intelligenten Entwicklungsansätzen gelöst werden können.

Auf welche Software-Meilensteine bei Continental sind Sie besonders stolz und welches ist Ihr Lieblings-Assistenzsystem und warum?

Die erste Generation von Surround View Systemen war mein erstes Produkt bei Continental und ist damit auch mein Lieblingsprodukt. Die glasklaren Bilder um das Auto herum sind eine enorme Hilfestellung beim Fahren im niedrigen Geschwindigkeitsbereich. Wobei die aktuelle Radargeneration, die wir in Serie bringen, ebenso mein Herz erobert hat. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ein Auto ohne intelligenten Abstandsregeltempomaten (ACC, Adaptive Cruise Control) zu fahren, was neben Komfort auch zu einem Quantensprung an Sicherheit geführt hat.

Was sind die nächsten Meilensteine, die Sie erreichen möchten?

Mein Traum ist es unsere Entwicklungswelt zu virtualisieren. Eine vollständig virtuelle Entwicklungs- und Testumgebung wird unsere Entwicklungsarbeit um einiges schneller und unsere Technologien noch sicherer machen. Eine perfekte Simulationswelt mit realen und synthetischen Daten durch Millionen gefahrene Kilometer wird unsere Welt in den nächsten zwei Jahren deutlich zum Positiven verändern.

Wenn Sie zum ersten Mal vollautonom im regulären Straßenverkehr fahren/gefahren werden: Womit werden Sie sich dann wahrscheinlich die Zeit vertreiben?

Ich werde noch mehr telefonieren, als ich es heute schon tue. Die besten Ideen entstehen beim Autofahren, während ich mit Kollegen spreche und wir die Gelegenheit haben, ohne Zeitdruck und ohne Agenda einfach verrückte Ideen auszusprechen und durchzuspielen. Wer weiß, welche Innovationen so noch ihren Weg in die Autos finden werden.

Auf der IAA MOBILITY wird in diesem Jahr erstmals die Mobilität der Zukunft auf der Blue Lane, einer speziellen Verkehrsspur zwischen Messe und Innenstadt, erlebbar. Wann könnten Ihrer Meinung nach dort in Zukunft erstmals vollautonome Fahrzeuge unterwegs sein?

Die Zukunft ist nicht mehr allzu weit entfernt. Wenn wir die Komplexität der Szenarien reduzieren, können wir bereits heute schon autonome Fahrzeuge einsetzen. Ein aktuelles Beispiel ist das Reallabor in Hamburg, wo wir im Rahmen des ITS World Congress fahrerlose Fahrzeuge in dem Hamburger Stadtteil Bergedorf einsetzen werden. Allerdings wird das fahrerlose Fahren noch einige Zeit in Anspruch nehmen, wenn wir die unendliche Anzahl an Szenarien abdecken müssen. Das wird uns noch lange beschäftigen. Einen großen Schritt haben wir dahingehend schon mir unseren Sensoren und Funktionen gemacht, die in den letzten Jahren sehr an Reife gewonnen haben.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.