Das neue Parken – unter der Erde und in luftigen Höhen

Stapeln, mit dem Lift nach oben fahren, unterirdisch absenken: Es gibt mittlerweile einige kreative Konzepte, um Autos platzsparend abzustellen. So können Innenstädte nicht nur entlastet werden – sondern Parkplätze fügen sich sogar harmonisch ins Stadtbild ein.

Die Parkplatznot – schon Herbert Grönemeyer hat seine und unser aller Verzweiflung besungen: „Ich drehe schon seit Stunden, hier so meine Runden...“ 41 Stunden pro Jahr suchen Autofahrer hierzulande nach einem Parkplatz. In Städten wie Köln und Berlin sind es sogar bis zu 62 Stunden.

Wenn man bedenkt, dass laut Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2020 insgesamt 2,9 Millionen Pkws zugelassen wurden, wird es Zeit für kreative Ideen für mehr Parkraum in den Städten. Mehr Autos in der Stadt muss nicht unbedingt heißen, dass für das Abstellen auch mehr Fläche nötig ist. Denn es gibt durchaus Optionen, die das Stadtbild nicht stören und den vorhandenen Platz optimal ausnutzen.

Kommst du noch mit hoch?

Wohnungsnahes Parken ist eines der größten Probleme in den Städten. Nichts ist nerviger, als nach einem langen Arbeitstag im Schritttempo die Straßen im Wohnviertel abzufahren – immer auf der Suche nach einer Lücke zwischen den parkenden Fahrzeugen am Straßenrand. Wie praktisch wäre es, das Auto einfach mit nach oben zu nehmen und direkt neben dem Küchenfenster abzustellen? Mit dem Carloft-Konzept des Berliner Architekten Manfred Dick ist das möglich. Einfach zuhause vorfahren, per Funk den Aufzug für das Fahrzeug rufen, einfahren und im 3. Stock auf der eigenen Loggia parken. Für das Elektroauto gibt es hier oben eine Ladestation. Altbestand oder Neubau – an beide Gebäudevarianten können Aufzug und Parkplatz angebaut werden. Das erste Haus, in dem Dicks Carloft realisiert wurde, steht in Berlin-Kreuzberg – nahe dem Paul-Lincke-Ufer. Weil wegen der schwierigen Grundwassersituation keine Tiefgarage gebaut werden konnte, musste Parkraum hier anderweitig geschaffen werden. Die alten Bäume im Innenhof konnten stehen bleiben. Für den Bau einer Tiefgarage hätte der Boden versiegelt werden müssen.

So funktioniert das Carloft

Die absolute High-End-Variante für den Stellplatz direkt an der Wohnung in luftiger Höhe bietet der Porsche Design Tower in Miami: Spektakulärer Blick aufs Meer, 200 Meter hoch, 60 Stockwerke – und in jeder Wohnung können zwei Autos geparkt werden. Das Fahrzeug ist gleichzeitig der Schlüssel zur Wohnung. Im Erdgeschoss fährt das Auto in einen der drei verglasten Aufzüge – und ab geht es nach oben. Dort wieder einsteigen und den Motor starten gilt aber als No-Go. Deshalb werden die Autos antriebslos vom Stellplatz auf Schienen in den Fahrstuhl befördert. Und schweben dann nach unten. Leise. Luxuriös.

Da steht ein Auto auf dem Flur: Parken im Porsche Design Tower © Porsche

Stapelware Auto

Bereits jetzt schon oft in Städten zu finden: Duplex-Garagen, Stapelgarage, Doppelparker – viele Begriffe, eine Bedeutung für Stellplätze, auf denen zwei Autos übereinander geparkt werden können. Der Pkw wird auf eine steuerbare Plattform gefahren, die nach oben bewegt wird – ähnlich wie die Hebebühne einer Autowerkstatt. Oft wird ein Kippsystem genutzt und die obere Plattform steht vornüber geneigt. Das spart Platz nach oben. Zum Ausparken des Autos auf der oberen Ebene muss sie abgesenkt werden. In dieser Zeit darf auf der unteren Ebene kein Auto stehen. Das Garagengerüst steht ebenerdig und kann in bereits vorhandenen Garagen nachgerüstet werden, sofern die Gebäudehöhe dafür ausreicht.

Wer sein Auto hier herauf fährt, sollte allerdings einiges beachten, denn manche Autos sind zu groß für diese Stellplatzvariante. SUVs passen oft nicht in die gängigen Duplex-Garagen. Der ADAC hat recherchiert, wie groß ein Auto in der Regel sein darf, wenn es in die Stapelbox passen soll: maximal 1,50 Meter hoch, zwei Meter breit, fünf Meter lang und zwei Tonnen schwer. Einkäufe sollten vor dem Parken entladen werden, denn das zusätzliche Gewicht kann das Auto tiefer liegen lassen. Ohne die Beladung stößt die Karossiere womöglich an der Decke an. Gleiches kann geschehen, wenn eine vorhandene Luftfederung nach dem Parken nachregelt.

Car six feet under

Duplexgaragen gibt es auch als versenkbare Plattformen. Die Plattformen werden hier so angehoben und abgesenkt, dass die Plattformen immer waagerecht bleiben. So können beide Fahrzeuge unabhängig voneinander aus- beziehungsweise eingeparkt werden. Voraussetzung ist hier eine Grube, die zwischen 1,50 und zwei Metern tief ist.

In einer Unterflurgarage wird das Auto völlig in der Erde versenkt und damit quasi unsichtbar gemacht. Autoknackern wird hier die Arbeit erschwert – sie kommen an das Fahrzeug erst gar nicht heran. Die Oberseite des Stellplatzes kann harmonisch in die Umgebung eingepasst werden: mit Pflastersteinen oder einer Rasenanlage. Oder es kann ein weiteres Fahrzeug darauf abgestellt werden. Auch hier kann jedes abgestellte Auto jederzeit ein- und ausgeparkt werden.

Seit 2006 steht in – beziehungsweise unter – der Münchener Donnersbergerstraße eine einzigartige automatische Anwohnertiefgarage. Bequem und sicher wird in einem der vier gläsernen Übergabebereiche ein- und ausgeparkt. Wenn die Fahrzeuge unter der Erde verschwinden, werden sie im Multiparker 740 des IAA MOBILITY-Ausstellers Wöhr auf insgesamt 284 Stellplätzen vollautomatisch eingelagert. In den zwei voneinander getrennten Systemen sorgen vier seitliche Lifte und jeweils zwei Regalbediengeräte für effiziente und schnelle Lagervorgänge.

Mit derart verdichtetem Parkraum passen mehr Autos in die Innenstädte – und stören den Verkehrsfluss weniger. Auf Herbert Grönemeyers Songzeilen „An jeder Ecke steh'n Politessen / Lauern wie Panther / Zum Sprung bereit / Hier kannst nicht parken …“ lässt sich dann locker antworten: Doch. Kannste wohl.

(Aufmacherfoto: © Porsche)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.