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Leise, sauber und vernetzt: Lieferwagen unter Strom

25.02.2021

Der zunehmende Lieferverkehr stellt die Städte vor Herausforderungen. Eine wichtiges Puzzleteil für die Lösung sind elektrische Transporter, die – smart vernetzt, sauber und leise – für Abhilfe sorgen.

Ob Essen, Bücher, Kleidung oder Möbel: Ein paar Klicks im Internet und schon wenige Tage später ist die Bestellung da. Der Onlinehandel boomt. Was für uns auf dem Sofa eine komfortable Alternative zum Shoppingtrip in der Innenstadt ist (und aktuell auch die einzige Möglichkeit), hat große Auswirkungen auf die Logistikbranche. 3,65 Milliarden Kurier- und Paketsendungen waren allein 2019 in Deutschland unterwegs, im ersten Halbjahr 2020 wuchs die Paketbranche um 8,9 Prozent. Auch für die Zeit nach Corona prognostiziert das Bundesverkehrsministerium ein weiteres Wachstum.

Folgen für den städtischen Lieferverkehr

Die Städte werden immer größer, voller und lauter – da sind neue Lösungen auch für die urbane Logistik gefragt. Für viele Experten sind Elektro-Lieferwagen dabei ein wichtiger Baustein. Leise und sauber sind die in den Straßen unterwegs und in Kombination mit Last-Mile-Lösungen eine smarte Möglichkeit, das Verkehrsaufkommen langfristig zu verringern.  

General Motors steigt mit der Marke BrightDrop in den Markt der elektrischen und vernetzten Logistikdienstleistungen ein. FedEx soll die ersten Fahrzeuge Ende des Jahres erhalten. © BrightDrop

E-Mobilität als Schlüssel für Nachhaltigkeit

In den vergangenen Jahren haben sich schon verschiedene Hersteller an die Entwicklung von neuen Lösungen gemacht. Einer der Vorreiter war hier Streetscooter von der deutschen Post. Der erste E-Lieferwagen des Unternehmens kam 2014 auf die Straßen. Mit der aufkommenden Massenproduktion von wichtigen Bauteilen wie Batterien und E-Motoren sind die Kosten für E-Transporter deutlich gesunken. Beinahe alle Hersteller von Transportern wie Mercedes, Volkswagen, MAN, Fiat, Opel, Citroën, Renault oder Ford haben inzwischen Elektro-Varianten im Angebot.

Auch bei den Logistikunternehmen ist das Interesse riesig: Amazon will bis 2030 100.000 Transporter des Herstellers Rivian einsetzen. Zu diesem Zweck ist der Online-Riese sogar bei dem Start-up eingestiegen. Die Auslieferung soll noch in diesem Jahr starten. UPS hat Anfang 2020 beim Hersteller Arrival 10.000 E-Lieferwagen bestellt, und auch GLS oder die Otto Group wollen die E-Mobilität voranbringen.

Überblick: Elektrische Transporter

Canoo: Kantig, elektrisch, futuristisch

Einer der neuesten Player auf dem Markt ist das kalifornische E-Auto-Start-up Canoo, das Ende vergangenen Jahres einen kantigen und flexiblen Lieferwagen mit 200 PS und einem Startpreis von ca. 27.000 Euro vorgestellt hat. Auf den ersten Blick erinnert das futuristische Gefährt an einen rollenden Tresor. Canoo verspricht ein hohes Frachtvolumen und hohe Zweckmäßigkeit bei niedrigen Betriebskosten. Basis ist die selbst entwickelte „Skateboard“-Plattform: Batterie und Antriebsstrang befinden sich flach im Boden, sodass im Innenraum viel Platz für Pakete und andere Fracht ist. Eine niedrige Einstiegshöhe, ein hohes Dach sowie Lagerschränke, eine Rolltür und eine ausfahrbare Rampe sollen Lieferanten das Leben erleichtern. Vernetzt sind die Transporter sowieso: Updates via Internet und eine optionale Logistik-Software sollen dafür sorgen, dass die Fahrer möglichst effizient unterwegs sind.

 

Geringere Unterhaltkosten, intelligente Tourenplanung

Elektrische Transporter sind weniger wartungsanfällig und können mittelfristig günstiger als vergleichbare Dieselfahrzeuge betrieben werden. Zudem fördern Bund und Länder mit zahlreichen Programmen nicht nur die Anschaffung, sondern auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Mit einer fortschreitenden Vernetzung ist es nicht nur möglich, eventuelle Ladestopps smart in Touren zu integrieren. Telematiksysteme berechnen je nach Verkehrsfluss die jeweils beste Route, sodass Stauzeiten minimiert und Lieferfenster noch besser planbar. Dazu ermöglicht die Fahrzeugarchitektur von E-Fahrzeugen, wie am Beispiel Canoo gesehen, ergonomischere Lösungen für die Zusteller.

Smart kombiniert für weniger Stress in Städten

Gehört die Zukunft also nur den großen Elektro-Transportern? Vermutlich nicht. Die Jury des renommierten Transporterpreises „International Van of the Year“ schlägt vor, E-Transporter mit Mikromobilität zu kombinieren. Getestet wird dies in verschiedenen geförderten Projekten bundesweit, wie beispielsweise am Micro Hub in Berlin-Tempelhof: Hier werden Lieferungen an einen Lager- und Verteilerort gebracht und mit Last-Mile-Transportern anschließend an die Ziele in der Umgebung befördert. Wie solche Fahrzeuge aussehen, sehen Sie hier. Diese Lösung hat mehrere Vorteile: Cargobikes dürfen auch Radwege nutzen, können überall abgestellt werden – und einen Führerschein braucht es bei Fahrzeugen mit elektrischer Unterstützung bis 25 km/h auch nicht.

Vernetzt, elektrisch, leise und sauber: Die Elektrifizierung schafft neue Perspektiven für den städtischen Lieferverkehr. Sinnvoll kombiniert, sind E-Transporter ein wichtiger Baustein in Zeiten eines steigenden Bedarfs an Lösungen für die drängenden Probleme der Metropolen.

(Aufmacherfoto: © Canoo)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.