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Klimafreundliche Messen: Vorreiter IAA MOBILITY

Was macht klimaneutrale Mobilität möglich? Wie können wir umweltfreundlich unterwegs sein? Auf zukunftsweisende Fragen wie diese werden auf der IAA MOBILITY 2021 Lösungen gezeigt. Doch nicht nur bei den Fahrzeugen oder Bikes ist Klimaneutralität das Ziel. Die IAA MOBILITY selbst wird zu einer Blaupause für nachhaltige Messen.

„Es ist ungewöhnlich, dass Teilnehmer im Vorfeld der Messe nach ihren Emissionen gefragt werden.“ Harald Rettich, der für die IAA MOBILITY 2021 die Berechnungen der Treibhausgasemissionen für den Auftritt der einzelnen Aussteller in München vornimmt, weiß, dass das Thema für viele Partner noch Neuland ist. „Das ist in der Messebranche noch nicht üblich. Einige Aussteller und Messebauer waren überrascht, dass sie CO2-Emissionen bei der Planung berücksichtigen müssen“, sagt der Teamleader Corporate Partnerships Manager bei myclimate, dem Partner der IAA MOBILITY für wirksamen Klimaschutz. „Wir sind mit der IAA MOBILITY Vorreiter.“

Alle Aussteller im Open Space verpflichten sich, ihren Messeauftritt bilanziell CO2-neutral zu gestalten. Der Open Space befindet sich mitten in der Stadt; dort, wo die innovative Mobilität der Zukunft gelebt werden wird ­– zum Beispiel am Wittelsbacherplatz und am Königsplatz, am Max-Joseph-Platz und den Residenzhöfen. Hier sind Probefahrten mit unterschiedlichen Fahrzeugen geplant. Entertainment und Dialog stehen bei der Vorstellung neuer Mobilitätslösungen im Vordergrund. Was die Besucher hier sehen, können sie auch gleich ausprobieren – auf Testrecken für Mikromobilität oder der Blue Lane. Als Umweltspur, die nur klimaneutral oder als Gemeinschaft mit mindestens drei Personen befahren werden darf, verbindet sie das Messegelände mit dem Open Space mitten in München.

Auf der Blue Lane dürfen nur Autos mit klimaneutralem Antrieb, Plug-in-Hybride im E-Modus oder Fahrgemeinschaften mit mindestens drei Insassen unterwegs sein © IAA MOBILITY 2021
Auf der Blue Lane dürfen nur Autos mit klimaneutralem Antrieb, Plug-in-Hybride im E-Modus oder Fahrgemeinschaften mit mindestens drei Insassen unterwegs sein © IAA MOBILITY 2021

Kein Messeauftritt gleicht dem andern – auch nicht beim CO2-Fußabdruck

Wie geht man an eine solche Mammutaufgabe wie CO2-neutrale Messeauftritte heran?  Zunächst einmal werden die Pläne der Aussteller abgefragt und anhand spezieller Parameter ihre Treibhausgasemissionen berechnet und in CO₂-​Äquivalente (CO₂e) umgerechnet.

Wichtig sind dabei zum Beispiel Standgröße, Kühlung oder Heizung, Materialien für den Messestand, Transport zum Standort, die Abfallmenge, die der Stand produzieren wird, oder der Reiseweg der Messebauer und Standbetreuer zum Veranstaltungsort. Harald Rettich: „Die einen Aussteller fliegen ein Auto ein, um es vorzustellen, die anderen bringen ein Rad per Bahn zur Messe – das wirkt sich unterschiedlich auf die Menge der Treibhausgasemissionen des Ausstellers aus.“

Wieviele Emissionen verursacht ein Messestand im Durchschnitt? „Da gibt es keine Benchmark. Jede Messe ist anders“, erklärt Rettich. Es hänge zum Beispiel von den Materialien ab, die verwendet werden ­– ob es mehrfach verwendbare Materialien sind wie recycelbares oder sogar bereits recyceltes Holz. Auch die Frage, wie recycelt wird, kann den CO2-Fußabdruck vergrößern oder verkleinern. „Ein Stand komplett aus Aluminium wäre in punkto Treibhausgasemissionen der worst case.“

Kompensations-Projekte: Biogas in Vietnam, Moor in Schleswig-Holstein

Damit der CO₂-Fußabdruck der IAA am Ende bilanziell bei Null liegt, werden alle anfallenden Emissionen durch Klimaschutzprojekte kompensiert, die durch die Spenden der Aussteller finanziert werden. Die Aussteller können aus myclimate-Projekten mit zehn verschiedenen Technologien wählen. Biogas, Solar oder Kompostierung stehen zur Auswahl. Oder Kochöfen, Recyclinganlagen sowie Aufforstungsprojekte zum Beispiel.

Eines der Projekte bringt beispielsweise Menschen auf dem Land in Vietnam durch den Bau von Biogasanlagen Zugang zu sauberer Energie in ihren Kommunen. Abfälle werden in Biogas umgewandelt, das zum Beispiel zum Kochen verwendet wird. Dies hilft den Menschen vor Ort gleich mehrfach. „Gekocht wird oft auf offenen Feuerstellen, die sich im Haus befinden“, erläutert Harald Rettich. „Das heißt, die Frauen stehen stundenlang im Qualm des Feuers und müssen viel Zeit zum Holzsammeln aufwenden.“ Wird stattdessen ein Herd mit Biogas betrieben, werden nicht nur Emissionen vermieden, die beim Verbrennen des Holzes entstehen. Die Frauen haben zudem weniger Atemwegs- und Augenprobleme und mehr Zeit, sich um ihre Kinder oder ein kleines Unternehmen zu kümmern.

Auch in Deutschland gibt es ein Projekt, in das die Klimakompensation fließen kann: die Renaturierung des Königsmoores, das in Schleswig-Holstein als Klimaschützer dient. Ein intaktes Moor speichert viele Tonnen CO2 aus abgestorbenen Pflanzenresten. Trocknen Moore aus, stoßen sie dagegen klimaschädliche Treibhausgase aus – allein in Deutschland mehr als 40 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Der Sonnentau wächst im Königsmoor. Er gehört zu den gefährdeten Arten und steht unter Naturschutz © Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein via myclimate
Der Sonnentau wächst im Königsmoor. Er gehört zu den gefährdeten Arten und steht unter Naturschutz © Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein via myclimate

Besucher können eigenen CO2-Fußabdruck ermitteln

Nicht nur die Aussteller, auch die Besucher der IAA MOBILITY 2021 können ihren CO2-Fußabdruck für ihre Anreise ermitteln. Zumindest, wenn sie mit dem Auto oder Flugzeug anreisen. Der Auto-Emissionsrechner von myclimate errechnet die direkten und indirekten Emissionen für die zurückgelegte Distanz. Emissionen, die bei der Fahrzeugherstellung, bei Wartung und Entsorgung anfallen, werden ebenso eingerechnet wie die Aufarbeitung von Treibstoff oder Strom und die Bereitstellung der Infrastruktur wie Straßen oder Tankstellen. Und wer den eigenen Besuch auf der IAA klimaneutral gestalten möchte, erfährt hier, wie viele CO2-Äquivalente die Reise verursacht hat. Werden sie durch Klimaschutzprojekte kompensiert, freut das die Umwelt – und die Menschen, denen ihr Leben dadurch erleichtert wird.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.

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