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Holodeck statt Tastenwüste

02.07.2021

Augmented Reality, Virtual Reality, künstliche Intelligenz – was früher in Filmen Science Fiction war, wird im Automotive-Bereich zunehmend Realität. Frei schwebende Bedienelemente, ob für Soundsystem, Klimaanlage oder Navigation – Hologramme haben es zwar bisher noch nicht in Serie geschafft, aber auf Branchentreffs und Messen bereits Besucher begeistert.

Nein, wir reden hier nicht von Kratzern im Lack, die falsche Pflege oder falscher Gebrauch einer Poliermaschine ins Auto fräsen und die auch Hologramme genannt werden. Wir sprechen hier von jener Technologie, die wir in Filmen und Serien wie Star Trek bewundert haben – virtuelle Welten auf Holodecks etwa, oder der künstlich intelligente Holodoc, der Kranke ganz unterschiedlicher Spezies heilt. In unserer Welt könnten Hologramme im Auto schon bald die bisherigen Bedienelemente ersetzen: Sie schweben frei im Raum, und wenn man sie berührt, wählen sie eine Playlist, regeln die Musik lauter oder drehen die Heizung auf.

Die Leuchtkugel wenden sich der Person zu, die den Intelligent Personal Assistant angesprochen hat. © BMW
Die Leuchtkugel wenden sich der Person zu, die den Intelligent Personal Assistant angesprochen hat. © BMW

Schwebende Leuchtkugeln

Einen Schritt in die Richtung hat BMW in diesem Frühjahr mit dem weiterentwickelten Intelligent Personal Assistant gemacht: Der Assistent kann kontextbezogen agieren und die Situation im Fahrzeug berücksichtigen, während er mit den Insassen kommuniziert. Im Video der „all-new BMW iDrive“ Weltpremiere zeigt der Münchner Hersteller und IAA MOBILITY-Aussteller den weiterentwickelten Intelligent Personal Assistant. Er zeigt sich in Form von Leuchtkugeln auf dem Display, die im Raum zu schweben und intelligente Konversation zu führen scheinen – ganz wie wir es aus Science-Fiction-Filmen kennen. Doch auch wenn die Kugeln unterschiedlicher Größen und verschiedener Helligkeit sich nicht frei im Interieur bewegen, sondern im Zentralbildschirm des Cockpits zu sehen sind ­– visualisiert wird hier eine menschenähnliche Reaktion, die den Dialog mit der künstlichen Intelligenz ganz natürlich wirken lässt. Die Kugeln bewegen sich, wenn der Intelligent Personal Assistant auf Ansprache durch die Insassen reagiert. Nach dem Shy-Tech-Prinzip visualisiert sich die Animation nur dann, wenn der Intelligent Personal Assistant gerufen wird. Das neue iDrive wird im BMW iX eingesetzt, der ab Ende 2021 verfügbar sein soll.

Immaterielles User-Interface

Doch auch frei schwebende Bedienelemente wurden bereits entwickelt. Den HoloActive Touch hat BMW schon 2017 auf der CES Las Vegas als Bestandteil der Studie BMW i Inside Future gezeigt: ein User-Interface mit einer völlig immateriellen Bedienoberfläche. Quasi ein im Raum schwebender Touchscreen, der eine haptische Rückmeldung gibt, wenn man ihn berührt – ein Kribbeln, das sich fast so anfühlt wie das Wummern einer Bassbox in der Disco. HoloActive Touch diente auch der Steuerung der Services von BMW Connected.

Ähnlich wie beim Head-up-Display wird durch geschicktes Spiegeln das Bild der Anzeige erzeugt – mit frei konfigurierbaren Schaltflächen neben dem Lenkrad auf der Höhe der Mittelkonsole. Die Handbewegungen des Fahrers oder der Fahrerin – vor allem die Position der Fingerspitzen – werden von einer Kamera erfasst. Sobald der Finger die virtuelle Fläche berührt, wird eine verknüpfte Funktion ausgelöst ­– zum Beispiel die Services von BMW Connected.

Der HoloActive Touch von BMW in der Studie BMW i Inside Future ist quasi ein im Raum schwebender Touchscreen. © BMW
Der HoloActive Touch von BMW in der Studie BMW i Inside Future ist quasi ein im Raum schwebender Touchscreen. © BMW

Würfelförmige Playlisten in der Luft

Auch Volkswagen hat ein Holografie-Modul entwickelt. Es wurde in das Azubi-Showcar Golf GTI Aurora eingebaut und auf dem Wörthersee-Treffen 2019 gezeigt. Im Fahrzeug: eine 3.000 Watt starke Boombox, deren Soundsystem über ein Hologramm bedient wird. Dieses schwebt oberhalb der Hardware, die im Kofferraum verbaut ist. Frei in der Luft hängende Würfel enthalten Playlisten. Der Lautstärkeregler ist frei in den Raum projiziert. Start-, Stopp- und Pause-Tasten sehen so aus, wie man sie von der heimischen Stereoanlage kennt – nur schweben auch sie in der Luft. Auch hier reicht ein Fingertipp, um eine Funktion zu aktivieren. Man braucht keine 3-D-Brille, um die Hologrammflächen zu sehen, und keine speziellen Sensorhandschuhe oder Joysticks, um sie zu bedienen.

Wie genau das System funktioniert, hat Volkswagen nicht verraten, nur so viel: Das schwebende Bild entsteht mittels Software-Algorithmen und visuellen Technikbausteinen und ist eine eigenentwickelte patentierte Volkswagen-Technologie.

Das Tolle daran: Man kann das Modul mit wenigen Handgriffen herausnehmen, es zum Beispiel neben das Auto stellen und wie ein DJ-Pult nutzen, das die Soundanlage des Fahrzeugs steuert.

um Wählen der Playlist reicht ein Fingertipp auf die schwebenden Würfel © Volkswagen AG
Zum Wählen der Playlist reicht ein Fingertipp auf die schwebenden Würfel © Volkswagen AG

Hologramme passen zum Interieur-Trend

Der Trend im Automobil-Interieur: weg von Knöpfen und Reglern. Touchscreens haben das Cockpit erobert. Nutzt man beispielsweise das Prinzip Shy Tech, sind Schalter nur dann zu sehen, wenn die Hand über die Stelle streift, an der sie sich befinden. Anzeigen werden zunehmend ins Head-up-Display auf der Windschutzscheibe projiziert. Der Innenraum wirkt reduziert, aufgeräumt, minimalistisch. Hologramme setzen den Trend fort: Sie erscheinen, wenn sie gebraucht werden. Wenn nicht, sind sie nicht zu sehen.

Hologramme und Holografie sind als Teil der Augmented Reality keine Science Fiction mehr – als holografisch-optische Bauelemente (HOE) beispielsweise in Head-up-Displays. In Kampfflugzeugen werden sie schon seit den 1940er Jahren genutzt, mittlerweile auch in der zivilen Luftfahrt. So können Piloten ihre Kopfhaltung beibehalten, weil alle relevanten Informationen in ihr Sichtfeld projiziert werden.

Das Dresdner Unternehmen SeeReal Technologies entwickelte ein Hologramm für ein Head-up-Display. © Volkswagen AG
Das Dresdner Unternehmen SeeReal Technologies entwickelte ein Hologramm für ein Head-up-Display. © Volkswagen AG

Hersteller und Tech-Firmen arbeiten zusammen

Volkswagen beteiligt sich am Dresdner Start-up SeeReal Technologies, das Verfahren zur Darstellung von dreidimensionalen Bildern entwickelt, die ohne Hilfsmittel wie 3-D-Brillen oder Head-Mounted-Displays angesehen werden können und 3-D-Display-Lösungen auf den Markt bringen. Auch Hologramm-Telefonie, freischwebende Computerspiele oder Filme sind in absehbarer Zukunft denkbar. Und vielleicht kreieren wir bald unsere eigenen Holodecks im Auto – oder rufen einfach den Holodoc, wenn den Kleinen während der Fahrt mal langweilig wird.

(Aufmacherfoto © Volkswagen AG)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.

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