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Foto: © Ionity

Wer lädt am schnellsten?

19.05.2021

Wer mit seinem E-Auto regelmäßig längere Strecken fährt, weiß: Für einen möglichst zügigen Ladevorgang ist die maximale Ladeleistung nur ein Faktor unter vielen. Was am Ende wirklich zählt ist die „real nachgeladene Reichweite“. Ein aktuelles Ranking gibt darüber Aufschluss.

Laden ist nicht das Gleiche wie Tanken – das leuchtet ein. Doch was genau unterscheidet das Aufladen einer Batterie vom Auffüllen eines Tanks mit Kraftstoff? Welche technischen Hürden stehen einem schnellen Ladevorgang im Weg und welche Elektro-Modelle beherrschen die Disziplin des Schnellladens am besten? Ein aktuelles Ranking des Ingenieurdienstleisters P3 gibt darüber Auskunft. Der sogenannte „P3 Charging Index“ wurde erstmals 2019 angefertigt und geht nun in die zweite Runde. Das Ranking zeichnet sich durch einen besonders realitätsnahen Vergleich aus, da es nicht nur maximale Ladeleistungen auflistet, sondern die real geladenen Reichweiten verschiedener Elektro-Modelle ermittelt. Mit dieser Kenngröße stellt das Ranking die Energiemenge, die innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne nachgeladen wird, in ein Verhältnis zum durchschnittlichen Realverbrauch des Fahrzeugs.

Dabei macht das Ranking eine Reihe von Annahmen, um die Praxis möglichst realitäts- und nutzernah abzubilden. So wurde die vorgegebene Ladezeit zum Beispiel auf 20 Minuten angesetzt, was beim Schnellladen als gängige Zeiteinheit gilt – quasi die „normierte Kaffeepause“. Um die Ladeleistung innerhalb dieser 20 Minuten zu messen, wurde von den zwölf teilnehmenden Elektro-Modellen eine Ladekurve angefertigt. Die Ladekurve beginnt bei zehn Prozent Akkustand (State of Charge, SoC) und endet bei 80 Prozent. Aus dieser Ladekurve werden zwei Werte errechnet: Die durchschnittliche Ladeleistung über die gesamte Ladekurve (10 - 80 Prozent SoC) und die geladene Energiemenge innerhalb der ersten 20 Minuten (Start bei 10 Prozent SoC). Die nachgeladene Energiemenge wird anschließend über den Realverbrauch der Fahrzeuge (nach ADAC Ecotest) in die real geladene Reichweite umgerechnet und bildet die Basis des Index. Die durchschnittliche Ladeleistung ist dagegen kein Bestandteil des Index, wird jedoch als zusätzliche Information mitangegeben.

Für die Messung der Ladekurven wurden die zwölf teilnehmenden Fahrzeuge an handelsübliche Schnelllader angeschlossen, die eine maximale Ladeleistung von 350 kW ermöglichen. Ihre maximalen Ladeleistungen konnten die Fahrzeuge dabei oft nur kurze Zeit halten. Der Grund: Das Schnellladen stellt für die Autos eine hohe Belastung dar und erhitzt die Batterien mit zunehmender Ladedauer immer stärker. Entscheidend für einen schnellen Ladevorgang ist deshalb vor allem die Fähigkeit der Batterie, die Belastung mit entsprechenden Management- und Kühlsystemen aufzufangen. Wie gut sie darin ist, lässt sich an den Ladekurven ablesen. Das abschließende Ranking gibt die real geladene Reichweite einmal nach zehn Minuten und einmal nach den vollen 20 Minuten an, um abzubilden wie sich die Ladeleistung im Zeitverlauf ändert.

Platz 1: Mercedes EQS

Bestplatzierter des Charging Index 2021 ist der Mercedes-Benz EQS. Die vollelektrische S-Klasse aus Stuttgart erzielt in den veranschlagten 20 Minuten eine real geladene Reichweite von 266 Kilometern. Ein Grund für das gute Ergebnis ist die überdurchschnittlich große Batterie des EQS mit fast 770 Kilometern Reichweite. Sie erleichtert es dem Auto, seine Ladeleistung über die 20 Minuten konstant hochzuhalten. Dabei erreicht der EQS eine Spitzenleistung von über 200 kW und einen Durchschnittswert von 164 kW (gemessen von 10 bis 80 Prozent SoC). Am Ende des Ladevorgangs hatte die Batterie einen Akkustand von 62 Prozent (gestartet bei 10 Prozent). Mit seinem ersten Platz beweist der EQS seine besonders hohe Langstreckentauglichkeit als Reiselimousine.

Lange Silhouette, lange Reichweite - der Mercedes EQS. © Daimler

Platz 2: Tesla Model 3 Long Range

Mit 221 real nachgeladenen Kilometern geht der zweite Platz des Charging Index an das Model 3 LR von Tesla. Das Mittelklassefahrzeug punktet mit einer maximalen Ladeleistung von etwa 250 kW, die im zeitlichen Verlauf jedoch stetig abfällt und damit letztlich bei einem Durchschnittswert von 146 kW landet. Bei der Zehn-Minuten-Marke lag das Model 3 damit noch auf Platz eins, nach den vollen 20 Minuten war der erstplatzierte Mercedes EQS jedoch vorbeigezogen. Am Ende des 20-minütigen Ladevorgangs war der Ladestand des Akkus von zehn auf genau 70 Prozent geklettert. Eine Kaffeepause, die sich gelohnt hat.

Das Tesla Model 3 Long Range. © Tesla

Platz 3: Volkswagen ID.3 Pro S

Knapp, aber dennoch kurz hinter dem Model 3 landet der ID.3 mit einer real geladenen Reichweite von 220 Kilometern. Der Kompaktstromer in seiner größten Batterievariante verfügt über eine Akkukapazität von 550 Kilometern (WLTP) und eine maximale Ladeleistung von 125 kW. Über die gesamte Ladekurve (10 bis 80 Prozent SoC) kommt das Fahrzeug auf einen Durchschnittswert von 102 kW. Ein guter Wert, der nur noch vom dem besonders geringen Verbrauch des ID.3 getoppt wird. Laut ADAC Ecotest schneidet der ID.3 hier unter allen Teilnehmer nämlich am besten ab.

Der ID.3 Pro S - ein Kompaktstromer mit starker Leistung am Schnelllader. © Volkswagen

Platz 4: Porsche Taycan Turbo S

2019 lag der Porsche Taycan noch auf Platz eins, in diesem Jahr belegt er mit einer real geladenen Reichweite von 217 Kilometern den vierten Platz. Blickt man allein auf die Ladeleistung, ist der Taycan jedoch noch immer führend: Die Maximalleistung von 270 kW und der Durchschnittswert von 184 kW sind nach wie vor ungeschlagen. Im P3 Charging Index reicht es dennoch nur für Platz vier, da der Elektro-Sportwagen naturgemäß mit einem hohen Verbrauch ins Rennen geht. Im Vergleich zu den anderen Modellen verringert das die real geladene Reichweite. Der Akkustand des Taycan liegt nach 20 Minuten bei 77 Prozent.

Hochgeschwindigkeit auf der Straße und an der Ladesäule: Der Porsche Taycan Turbo S. © Porsche

Platz 5: Tesla Model S P100D

Mit 197 Kilometern real geladener Reichweite und einem Indexwert von 0,66 belegt das Tesla Model S den fünften Platz im Schnelllade-Ranking. Besonders auffällig bei der Elektro-Limousine: Mit 99 Kilometern in den ersten zehn und 98 Kilometern in den zweiten zehn Minuten lädt das Model S am konstantesten. Ein Beleg für das hervorragende Lademanagement des Fahrzeugs, das seinen 100 kWh großen Akku insgesamt auf einen Ladestand von 57 Prozent gebracht hat.

Das Model S P100D von Tesla. © Tesla

Starke Ergebnisse konnten auch die restlichen Teilnehmer des Rankings aufweisen. Auf den Plätzen sechs bis zwölf finden sich die folgenden Modelle: Audi e-tron 55 (187 Kilometer), Tesla Model X 100D (185 Kilometer), Mercedes EQA 250 (180 Kilometer), BMW iX3 (173 Kilometer), Volkswagen ID.4 Pro (171 Kilometer), Polestar 2 LR (163 Kilometer) und Ford Mach E LR (155 Kilometer).

(Aufmacherfoto: © Ionity)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.