Nur noch elektrisch?

07.04.2021

„Nur noch elektrisch“ ist keine Floskel mehr. Eine Vielzahl an Autobauern stellt ihre Produktion um, verlagert ihr Entwicklungsbudget. Ein Umdenken manifestiert sich. Doch nicht alle sehen den E-Motor als alleinige Alternative. Für viele ist auch der Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen eine Zukunftstechnologie. Ein Überblick über die zielstrebigen Pläne der wichtigsten Hersteller.

Der Weg zur Massenproduktion des Elektroautos ist keine gradlinige Erfolgsgeschichte. Am Ende des 19. Jahrhunderts lieferten sich Verbrennungs-, Elektro- und Dampffahrzeuge ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone der Massentauglichkeit, wobei es zwischenzeitlich sogar mehr E-Fahrzeuge als Benziner gab. Doch der Vorsprung hielt nicht lange: Ford verkaufte ab 1908 sein berühmtes Modell T als Verbrenner und besiegelte damit den Niedergang des massenhaft produzierten Elektroautos. Von da an waren diese mehr als 100 Jahre lang in einer Nische, aus der sie seit einem guten Jahrzehnt wieder herausdrängen und Fahrt aufnehmen. Die jüngste Geschichte war aber auch von Versuchen und Rückschlägen geprägt. Daimler hatte zum Beispiel die Produktion des E-Smarts 2015 gestoppt – mangels Nachfrage. Und Opel hatte bereits 2012 den Ampera auf Grund geringer Verkaufszahlen vom Markt genommen.

Vom Vorreiter zur Nische zum Aufstieg

Elektroautos haben einen holprigen Aufstieg hinter sich. Doch plötzlich, gefühlt über Nacht, haben sich in Deutschland die Grundvoraussetzungen geändert. Tesla hat bewiesen, dass Autos auch ohne Benzin- oder Dieselantrieb Spaß machen und Unternehmen damit wirtschaftlich erfolgreich sein können. Aber auch die staatliche Förderung in Deutschland und anderen Ländern, wie zum Beispiel Norwegen, bestärken viele Autohersteller in ihrem Umdenken. Die Ladeinfrastruktur ist in Deutschland noch nicht auf dem Niveau anderer Länder, wird aber aktuell mit hohem Aufwand ausgebaut. Das alles gepaart mit einem stärkeren Umweltbewusstsein führte dazu, dass mehrere Hersteller eine konsequente Abkehr vom Verbrennungsmotor angekündigt haben.

Volvo

Der schwedische Anbieter hatte bereits Mitte 2017 vermeldet, dass seine Zukunft dem Elektroantrieb gehört. Schrittweise wird seitdem der Verbrenner ab- und der E-Antrieb aufgebaut. Ab 2030 bietet Volvo, das zum chinesischen Unternehmens Geely gehört, ausschließlich Elektrofahrzeuge an, fünf Jahre vorher soll die Hälfte der verkauften Fahrzeuge rein elektrisch sein. Dazu bietet die Schwestermarke Polestar ausschließlich Hybrid- und Elektrofahrzeuge an. Volvos Chief Technology Officer Henrik Green sagt: „Es gibt keine langfristige Zukunft mehr für Autos mit Verbrennungsmotor.“ Konsequenter kann eine Abkehr kaum sein.

Der Anfang vom Ende des Verbrenners: Volvos konsequente E-Auto-Strategie begann mit dem Volvo XC40 Recharge. © Volvo

Volkswagen

Zugegeben: Es ist einfacher für Volvo mit knapp 700.000 Autos im Jahr, die Produktion umzustellen, als für den Wolfsburger Konzern mit seinen zahlreichen Marken. Dennoch gibt Volkswagen Vollgas und forciert einen radikalen Wandel in Richtung E-Mobilität. Konzerntochter Audi brachte 2019 das rein elektrische SUV e-tron auf den Markt, und Ende 2020 folgte das erste komplett neu entwickelte E-Auto auf einer eigens dafür geschaffenen technischen Plattform bei Volkswagen: Der ID.3 gilt als der neue Käfer und schneidet im Preis-Leistungs-Verhältnis besser ab als die Konkurrenz. Künftig will die Marke Volkswagen keine „komplett neue Motorenfamilie“ auf Basis des Verbrennungsprinzips mehr herausbringen, sondern nur die bestehenden Motoren weiterentwickeln. Audi fährt dieselbe Strategie. Die englische Luxustochter Bentley will wie Volvo ab 2030 nur noch E-Autos produzieren, und auch die Tochtermarken Skoda und Seat planen neue Elektro-Modelle, die im Rahmen einer großen Offensive zum Teil schon in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen. Konzernchef Herbert Diess machte deutlich: „Die schärferen CO2-Grenzwerte führen zwangsläufig zu einem Ende des Verbrennungsmotors.“

Gelingt VW mit ID.3 der Umschwung in Sachen Elektromobilität? Wird der ID.3 der neue Käfer? © Volkswagen

Ford

Auch der amerikanische Konzern will bis 2030 komplett auf E-Fahrzeuge umsteigen. Dazu hat Ford eine Kooperation mit Volkswagen geschlossen und nutzt die Plattform des ID.3 für seine E-Fahrzeuge. Schon jetzt gibt es zahlreiche Plug-in-Hybriden und der legendäre Mustang erhält künftig Unterstützung durch den SUV Mach-E.

Jaguar Land Rover

Der angeschlagene britische Traditionsmarke, seit 2008 unter dem Dach der indischen Tata-Gruppe, sucht die Flucht nach vorn. Im Februar dieses Jahres hat  Jaguar-Land Rover-Boss Thierry Bolloré angekündigt, dass ab 2030 nur noch Elektroautos gebaut werden. Bereits jetzt ist unter anderem das rein elektrische SUV I-Pace im Angebot. Das Portfolio wird künftig ausgedünnt, aber konsequent elektrisch angetrieben sein.

BMW

2010 begann die Elektro-Revolution mit einem Paukenschlag. Mit dem hybriden i8 und dem rein elektrischen i3 stellten die Münchner kreative Design-Lösungen für die Zukunft des Fahrens bereit. Doch die Autos blieben weitgehend Nischenprodukte. Vor allem scheiterten die Münchner seinerzeit an der geringen Reichweite, den recht hohen Preisen und an der fehlenden Ladeinfastruktur. Die Submarke BMW i bekommt aber seit 2020 mehr Zug, zum Beispiel mit dem iX3-SUV. Weitere Modelle wie der der i4 und der iX folgen. Auch die BMW-Marke Mini treibt den E-Antrieb voran. Ab 2030 wird Mini komplett elektrisch sein. 

Daimler

Der Daimler-Konzern hat mit seiner Mercedes-Benz-EQ-Serie ein hochwertiges Flaggschiff für Elektromobilität im Haus, unter anderem wird auch die luxuriöse S-Klasse ein elektrisches Pendant bekommen. Auf den Verbrenner will man in Stuttgart aber noch nicht komplett verzichten.  Nur die Smart-Modelle sind seit 2020 noch mit E-Antrieb erhältlich.

Die Modelle von Smart fahren nur noch mit Elektro. © Smart

Renault

Der französische Konzern ist mit dem elektrischen Kleinwagen Zoe früh auf den Elektro-Zug aufgesprungen. Bis 2025 will Renault 14 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen – mindestens sieben davon sollen rein elektrisch sein, die anderen mindestens als Hybrid. Für leichte Nutzfahrzeuge sind auch Wasserstoffantriebe geplant. Auch die Tochtermarke Dacia hat mit dem Spring mittlerweile ein günstiges E-Fahrzeug im Angebot.

Toyota

Toyota galt lange als Hybrid-Pionier, ein Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren ist in absehbarer Zeit nicht geplant. Erste E-Fahrzeuge sind auf dem Markt, außerdem entwickelt Toyota als einer von wenigen Herstellern Autos mit Brennstoffzellen-Antrieb. Dazu Deutschlandchef Alain Uyttenhoven: „Wir halten eine binäre entweder-oder-Betrachtung für falsch. Toyota sagt nicht, dass eine Technologie die einzige Lösung ist.“

Hyundai-Kia

Die Südkoreaner haben kürzlich eine eigene Plattform für E-Fahrzeuge entwickelt und bringen die ersten Modelle aktuell auf den Markt – bieten aber ebenso Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge an. Einen konkreten Abschied von Verbrennungsmotoren haben sie aber nicht angekündigt.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft.

Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.