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Foto: © Volkswagen AG

Welcher Autohersteller wird wann elektrisch?

23.07.2021

Eine Vielzahl an Autobauern stellt ihre Produktion um, verlagert ihr Entwicklungsbudget auf E-Mobilität. Ein Umdenken manifestiert sich. Doch nicht alle sehen den E-Motor als alleinige Alternative. Für viele ist auch der Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen eine Zukunftstechnologie. Ein Überblick über die zielstrebigen Pläne der wichtigsten Hersteller.

Verbrenner, Hybrid, Wasserstoff oder batterieelektrisch: Die Frage nach dem Auto-Antrieb der Zukunft ist immer noch offen, auch in Europa. Mehr als anderthalb Jahre nach Vorstellung des European Green Deal hat die EU-Kommission ihr bereits im Vorfeld viel diskutiertes „Fit for 55“-Paket präsentiert. Damit legt die Kommission dar, wie Europa bis 2030 seine CO2-Emissionen um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern soll. Europa soll so zum ersten klimaneutralen Kontinent bis 2050 werden. Mit weitreichenden Auswirkungen: Die deutsche Autobranche investiert bis 2025 mehr als 150 Milliarden Euro in klimaneutrale Antriebe, Elektromobilität und die Digitalisierung des Verkehrs.

Durch die Verschärfung des Flottengrenzwertes für 2030, der eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von Neuwagen um 55 Prozent im Vergleich zu 2021 vorsieht, müssten laut Berechnungen des VDA bis Ende des Jahrzehnts in der ganzen EU knapp zwei Drittel der Neuwagen E-, Hybrid- oder Brennstoffzellen-Antriebe haben. Bei den leichten Nutzfahrzeugen wird eine Verschärfung der CO2-Reduktion von 31 Prozent auf 50 Prozent bis 2030 vorgeschlagen. Mit dem für 2035 vorgesehenen Flottengrenzwert von 0g schlägt die Kommission faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren vor – auch für Hybride und leichte Nutzfahrzeuge. Die Frage bleibt: Ist bis dahin ein kompletter Umstieg auf E-Mobilität zu schaffen, inklusive einer Ladeinfrastruktur? Dies wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit weiterhin ein Diskussionsthema bleiben. 

Der Weg zur Massenproduktion des Elektroautos ist übrigens keine gradlinige Erfolgsgeschichte. Am Ende des 19. Jahrhunderts lieferten sich Verbrennungs-, Elektro- und Dampffahrzeuge ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone der Massentauglichkeit, wobei es zwischenzeitlich sogar mehr E-Fahrzeuge als Benziner gab. Doch der Vorsprung hielt nicht lange: Ford verkaufte ab 1908 sein berühmtes Modell T als Verbrenner und besiegelte damit den Niedergang des massenhaft produzierten Elektroautos. Von da an waren diese mehr als 100 Jahre lang in einer Nische, aus der sie seit einem guten Jahrzehnt wieder herausdrängen und Fahrt aufnehmen. Die jüngste Geschichte war aber auch von Versuchen und Rückschlägen geprägt. Daimler hatte zum Beispiel die Produktion des E-Smarts 2015 gestoppt – mangels Nachfrage. Und Opel hatte bereits 2012 den Ampera auf Grund geringer Verkaufszahlen vom Markt genommen.

Vom Vorreiter zur Nische zum Aufstieg

Elektroautos haben einen holprigen Aufstieg hinter sich. Doch plötzlich, gefühlt über Nacht, haben sich in Deutschland die Grundvoraussetzungen geändert. Tesla hat bewiesen, dass Autos auch ohne Benzin- oder Dieselantrieb Spaß machen und Unternehmen damit wirtschaftlich erfolgreich sein können. Aber auch die staatliche Förderung in Deutschland und anderen Ländern, wie zum Beispiel Norwegen, bestärken viele Autohersteller in ihrem Umdenken. Die Ladeinfrastruktur ist in Deutschland noch nicht auf dem Niveau anderer Länder, wird aber aktuell mit hohem Aufwand ausgebaut. Ob jedoch bis 2035 das von der EU-Kommission gesetzte Ziel erreicht werden kann? Die großen Autohersteller gehen teils recht unterschiedliche Wege, um die Klimaziele zu erreichen:

Daimler

Der Daimler-Konzern hat mit seiner Mercedes-Benz-EQ-Serie ein hochwertiges Flaggschiff für Elektromobilität im Haus, unter anderem bekommt auch die luxuriöse S-Klasse mit dem EQS ein elektrisches Pendant. Im Rahmen eines Investorentags im Juli 2021 hat Daimler seine Planungen für den Umstieg auf die Elektromobilität vorgestellt: Neue Plattformen und Batterie-Fabriken sollen ermöglichen, dass Mercedes-Benz noch vor Ende des Jahrzehnts vollelektrisch werden kann, „wo immer die Marktbedingungen es zulassen“. Ab 2022 will Mercedes-Benz in allen Segmenten, in denen die Marke aktiv ist, batterieelektrische Fahrzeuge anbieten. 2025 sollen drei neue E-Plattformen debütieren. Die Smart-Modelle sind seit 2020 noch mit E-Antrieb erhältlich.

Mercedes EQS. © Daimler

Audi

Ab 2026 will der Ingolstädter Hersteller keine neuen Modelle mehr mit Verbrennungsmotor auf den Markt bringen – auch keine Hybride. Modelle, die dann schon auf dem Markt sind, sollen weiter produkziert werden – zu Beginn der Dreiißigerjahre sollen dann nur noch rein batterieelektrische Fahrzeuge verkauft werden. Bekannte Modelle wie der A3 und der A4 sollen keine direkten Nachfolger bekommen, sondern neu entwickelt und umbenannt werden. 

Volvo

Der schwedische Anbieter hatte bereits Mitte 2017 vermeldet, dass seine Zukunft dem Elektroantrieb gehört. Schrittweise wird seitdem der Verbrenner ab- und der E-Antrieb aufgebaut. Ab 2030 bietet Volvo, das zum chinesischen Unternehmens Geely gehört, ausschließlich Elektrofahrzeuge an, fünf Jahre vorher soll die Hälfte der verkauften Fahrzeuge rein elektrisch sein. Dazu bietet die Schwestermarke Polestar ausschließlich Hybrid- und Elektrofahrzeuge an. Volvos Chief Technology Officer Henrik Green sagt: „Es gibt keine langfristige Zukunft mehr für Autos mit Verbrennungsmotor.“ Konsequenter kann eine Abkehr kaum sein.

Der Anfang vom Ende des Verbrenners: Volvos konsequente E-Auto-Strategie begann mit dem Volvo XC40 Recharge. © Volvo

Volkswagen

Zugegeben: Es ist einfacher für Volvo mit knapp 700.000 Autos im Jahr, die Produktion umzustellen, als für den Wolfsburger Konzern mit seinen zahlreichen Marken. Dennoch gibt Volkswagen Vollgas und forciert einen radikalen Wandel in Richtung E-Mobilität. Konzerntochter Audi brachte 2019 das rein elektrische SUV e-tron auf den Markt, und Ende 2020 folgte das erste komplett neu entwickelte E-Auto auf einer eigens dafür geschaffenen technischen Plattform bei Volkswagen: Der ID.3 gilt als der neue Käfer und schneidet im Preis-Leistungs-Verhältnis besser ab als die Konkurrenz. Künftig will die Marke Volkswagen keine „komplett neue Motorenfamilie“ auf Basis des Verbrennungsprinzips mehr herausbringen, sondern nur die bestehenden Motoren weiterentwickeln. Audi fährt dieselbe Strategie. Die Signale werden immer konkreter. So kündigte der Vorstand für Marketing der Marke Volkswagen, Klaus Zellmer, auf Linkedin an: " ... zwischen 2033 und 2035 steigen wir dann in Europa aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aus. In den USA und China etwas später. In Südamerika und Afrika wird es aufgrund der noch fehlenden politischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen noch ein gutes Stück länger dauern". Die englische Luxustochter Bentley will wie Volvo ab 2030 nur noch E-Autos produzieren, und auch die Tochtermarken Skoda und Seat planen neue Elektro-Modelle, die im Rahmen einer großen Offensive zum Teil schon in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen. Konzernchef Herbert Diess machte deutlich: „Die schärferen CO2-Grenzwerte führen zwangsläufig zu einem Ende des Verbrennungsmotors.“

Gelingt VW mit ID.3 der Umschwung in Sachen Elektromobilität? Wird der ID.3 der neue Käfer? © Volkswagen

Ford

Auch der amerikanische Konzern will bis 2030 komplett auf E-Fahrzeuge umsteigen. Dazu hat Ford eine Kooperation mit Volkswagen geschlossen und nutzt die Plattform des ID.3 für seine E-Fahrzeuge. Schon jetzt gibt es zahlreiche Plug-in-Hybriden und der legendäre Mustang erhält künftig Unterstützung durch den SUV Mach-E.

Jaguar Land Rover

Das britische Traditionsunternehmen, das seit 2008 unter dem Dach des indischen Tata-Konzerns steht, geht das Thema offensiv an. Im Februar dieses Jahres kündigte Jaguar-Land Rover-Chef Thierry Bolloré an, ab 2036 nur noch Elektroautos zu bauen. Schon jetzt umfasst das Angebot den rein elektrischen SUV Jaguar I-Pace sowie Plug-in-Hybride für fast jede Fahrzeuglinie. Im weiteren Verlauf wird Land Rover von 2024 bis 2030 sechs rein elektrische Modelle einführen und Jaguar wird ab 2025 nur noch elektrisch fahren.

 

BMW

2010 begann die Elektro-Revolution mit einem Paukenschlag. Mit dem hybriden i8 und dem rein elektrischen i3 stellten die Münchner kreative Design-Lösungen für die Zukunft des Fahrens bereit. Doch die Autos blieben weitgehend Nischenprodukte. Vor allem scheiterten die Münchner seinerzeit an der geringen Reichweite, den recht hohen Preisen und an der fehlenden Ladeinfastruktur. Die Submarke BMW i bekommt aber seit 2020 mehr Zug, zum Beispiel mit dem iX3-SUV. Weitere Modelle wie der der i4 und der iX folgen. 2023 will BMW in 90 Prozent der heutigen Marktsegmente mindestens ein vollelektrisches Modell auf der Straße haben. 2030 sollen mindestens 50 Prozent des weltweiten Absatzes aus vollelektrischen Fahrzeugen bestehen. Auch die BMW-Tochter Mini treibt den E-Antrieb voran. Ab 2030 wird Mini komplett elektrisch sein. 

Renault

Der französische Konzern ist mit dem elektrischen Kleinwagen Zoe früh auf den Elektro-Zug aufgesprungen. Bis 2025 will Renault 14 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen – mindestens sieben davon sollen rein elektrisch sein, die anderen mindestens als Hybrid. Für leichte Nutzfahrzeuge sind auch Wasserstoffantriebe geplant. Auch die Tochtermarke Dacia hat mit dem Spring mittlerweile ein günstiges E-Fahrzeug im Angebot.

Toyota

Toyota galt lange als Hybrid-Pionier, ein Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren ist in absehbarer Zeit nicht geplant. Erste E-Fahrzeuge sind auf dem Markt, außerdem entwickelt Toyota als einer von wenigen Herstellern Autos mit Brennstoffzellen-Antrieb. In den kommenden 30 Jahren werden Toyota-Kunden aus einer breiten Palette aus Antriebsarten wählen können. Es sei „noch zu früh, um sich nur auf eine Option zu konzentrieren“, erklärte Shigeki Terashi, Manager bei Toyota. Stattdessen sollen Kunden die Wahl haben: Es werde auch weiterhin Hybrid-Fahrzeuge und Autos mit Brennstoffzellen bei Toyota geben.

Hyundai-Kia

Die Südkoreaner haben kürzlich eine eigene Plattform für E-Fahrzeuge entwickelt und bringen die ersten Modelle aktuell auf den Markt – bieten aber ebenso Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge an. Einen konkreten Abschied von Verbrennungsmotoren haben sie aber nicht angekündigt.

Fiat

Nach dem Zusammenschluss von Fiat Chrysler und dem französischen PSA-Konzern (Citroën, Peugeot) zu Stellantis soll auch Fiat zu einer reinen E-Marke werden. „Zwischen 2025 und 2030 wird unsere Produktpalette schrittweise rein elektrisch. Dies wird eine radikale Veränderung für Fiat sein“, kündigte Fiat CEO Olivier François an.

(Aufmacherfoto: © Volkswagen AG)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft.

Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.