Lohnt sich der Umstieg aufs E-Auto?

16.07.2021

Die Verkaufszahlen zeigen: E-Autos werden immer beliebter. Aber wie steht es mit den Anschaffungskosten? Die wichtigsten Dinge, die man bei einem Kauf berücksichtigen sollte.

Benziner, Diesel, Hybrid oder Stromer? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen beim Autokauf. Dabei nimmt die Zahl der weltweit zugelassenen E-Autos stetig zu, wie das aktuelle E-Mobility-Ranking der IAA zeigt. Weltweit gibt es mittlerweile rund 10 Millionen E-Autos, die meisten von ihnen in China (4,2 Millionen). Bei den Neuzulassungen sieht es dagegen etwas anders aus: Im vergangenen Jahr führte Europa die Liste mit rund 1,37 Millionen E-Autos an, dahinter China mit rund 1,2 Millionen. Auf Platz drei liegt derzeit die USA mit etwas über 300.000 neuzugelassenen E-Fahrzeugen.

In Europa macht der deutsche Elektro-Markt mit rund 395.000 Einheiten den größten Anteil aus. Dennoch – geht es um den Kauf eines Elektroautos, bleiben viele Fragen offen: Wie groß sind die Preisunterschiede? Wie steht es um staatliche Prämien und steuerliche Begünstigungen? Und wie viel Geld bekommt man für sein E-Auto, wenn man es nach einigen Jahren wieder verkaufen möchte? Einen Überblick gibt es hier.

Anschaffungskosten

Bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs wandert der Blick für gewöhnlich zuerst Richtung Preis. Hier gilt: Generell sind Neuwagen im Elektrosegment noch immer teurer als vergleichbare Diesel oder Benziner – für gewöhnlich beträgt der Unterschied mehrere Tausend Euro. Ein Grund dafür sind die vergleichsweise niedrigen Stückzahlen in der Elektro-Produktion, die zu geringeren Skaleneffekten führen. Ein anderer Grund sind die Batterien. Sie sind so etwas wie das Herzstück des Elektroautos und machen aufgrund ihrer aufwendigen Produktion einen wesentlichen Anteil des Kaufpreises aus. Doch die Entwicklung der Batterien machte zuletzt große Fortschritte, weshalb ihre Herstellungskosten gesunken sind. Lagen sie 2010 noch bei etwa 600 Euro pro Kilowattstunde (kWh) Energie, waren es 2020 nur noch rund 100 Euro. In manchen Preisklassen können E-Autos damit schon mit ihren Verbrenner-Geschwistern mithalten.

Bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs wandert der Blick für gewöhnlich zuerst Richtung Preis - das gilt auch für E-Autos. © Annie Spratt on Unsplash

Oberklasse oder Kompaktwagen?

Je teurer das Auto, desto kleiner der Preisunterschied zwischen Elektroantrieb und Verbrenner. Der Grund: Bei teureren Fahrzeugen wie Sportwagen, Limousinen oder großen SUV fallen die Kosten für die Batterie nicht so stark ins Gewicht. Vielmehr kann es hier sogar vorkommen, dass die elektrische Variante abzüglich der Prämien und der geringeren Betriebskosten auf lange Sicht günstiger ist (ADAC-Vergleichstest siehe unten). Wer für seinen nächsten Autokauf also eine größere Anschaffung plant, sollte sich die Angebote genau anschauen.

Prämien und Steuervorteile

Viele Länder fördern den Erwerb von E-Autos finanziell. In China beispielsweise gab es bis Ende 2020 rund 2.000 Euro vom Staat, inzwischen sind es rund 1.600. Auch in Norwegen bekommen E-Auto-Käufer hohe Vergünstigungen; so fällt beispielsweise die Steuer auf den Kaufpreis fast vollständig weg, dazu winken hohe Steuervorteile. In den USA sollen künftig insgesamt 100 Milliarden Dollar in Kaufzuschüsse fließen, einzelne Bundesstaaten fördern E-Autos schon länger. In Deutschland gibt es die Umweltprämie. Mit ihr bekommen Käufer bis zu 9.000 Euro beim Kauf eines neuen, förderfähigen E-Autos geschenkt. Die Kosten dafür übernehmen Hersteller und Staat, wobei manche Hersteller den Umweltbonus sogar noch aufrunden, sodass mehr als 9.000 Euro möglich sind. Der Umweltbonus gilt noch bis 2025 und ist nicht der einzige Nachlass, den es für Stromer gibt: E-Autos sind auch in Sachen Kfz-Steuer deutlich günstiger. Die ersten zehn Jahre sind sie von der Abgabe sogar komplett befreit. Danach werden nur 50 Prozent für sie fällig.

Laut ADAC-Test langfristig günstiger als seine Verbrenner-Geschwister: Der Opel Mokka-e. © Opel

Kfz-Versicherung

Genauso wie bei Verbrennern werden in Deutschland auch bei E-Autos die Kfz-Versicherungskosten anhand des Unfallrisikos des Versicherungsnehmers errechnet. Ausschlaggebend dafür sind vor allem der jeweilige Fahrzeugtyp, die regionalen Gegebenheiten und das individuelle Unfallrisiko des versicherten Fahrers. Beim Fahrzeugrisiko fiel die Einstufung von E-Autos bisher moderat aus, da die Erfahrungswerte für E-Autos im Verkehr noch gering sind. Sollten sich die statistischen Unfallzahlen für E-Autos auch künftig als niedrig herausstellen, wäre hier sogar mit weiteren Kostenvorteilen zu rechnen. Moderne Technik und leistungsstarke Assistenzsysteme könnten das begünstigen.

Betriebskosten

Bei den laufenden Betriebskosten können E-Autos mit klaren Kostenvorteilen punkten. Bezüglich des Treibstoffs hängen die Einsparpotentiale allerdings stark vom jeweiligen Fahrverhalten und den Lademöglichkeiten ab. Wer an der heimischen Wallbox lädt, dürfte für gewöhnlich deutlich unter den normalen Spritkosten liegen. Auch bei vielen Arbeitgebern oder öffentlichen Ladesäulen vor Einkaufszentren oder Hotels sind die Preise gering. In Schnellladeparks oder an öffentlichen Ladesäulen von fremden Anbietern kann es jedoch auch mal teurer werden. Der vom ADAC verwendete Durchschnittspreis pro Kilowattstunde liegt bei 36 Cent.

Bei der Wartung und Pflege ist die Sache eindeutig. E-Autos verfügen über deutlich weniger Bauteile und sind deshalb weniger pflegeintensiv und günstiger: kein Ölwechsel, keine Abgasuntersuchung, keine Verschleißteile wie Getriebe, Keilriemen oder Zündkerze. Dazu kommt, dass E-Autos aufgrund ihrer Fähigkeit zur Rekuperation, also der Energierückgewinnung über den Motor, seltener bremsen müssen – was wiederum die Bremsen schont. Insgesamt muss das E-Auto seltener in die Werkstatt, was das Portemonnaie schont.

Der ID.3 von Volkswagen kann auf lange Sicht laut ADAC-Test gegenüber dem Golf (1.5 eTSI 2.0 TDI) mit Kostenvorteilen Punkten. © Volkswagen

Wiederverkaufswert

Auch E-Autos verlieren im Laufe ihrer Nutzung an Wert. Wieviel, lässt sich bisher jedoch kaum beziffern. Auch hier fehlen ausreichende Daten, da der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos noch sehr klein ist. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass die Preise für Gebrauchtwagen in Zukunft eher gering ausfallen werden. Grund hierfür sind ihrer Einschätzung nach die hohen Förderungen, die auf Neuwagen gewährt werden und somit die Nachfrage nach Gebrauchten drücken. Ein Effekt, der noch etwas länger anhalten dürfte. Die derzeitigen Förderungen in Deutschland zum Beispiel laufen erst 2025 aus.

Langfristige Kostenvorteile?

Anschaffungskosten, Umweltbonus, Kfz-Steuer, Betriebskosten und Wiederverkaufswert – rechnet man alle Kosten zusammen, können sich E-Autos gegenüber ihren Verbrenner-Geschwistern durchaus sehen lassen. Das zeigt auch eine aktuelle Untersuchung des ADAC, die die Kosten von ausgewählten Modellen und verschiedenen Herstellern vergleicht. Das Ergebnis: E-Autos (und Plug-In-Hybride) fahren oft überraschend günstig – dank Umweltbonus manchmal sogar günstiger als Verbrenner.

Als Grundlage für den ADAC-Kostenvergleich wurde eine durchschnittliche Haltedauer von 5 Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern veranschlagt. Die Kosten werden in Cent pro Kilometer angegeben. Im herstellerinternen Kostenranking gibt es dabei einige Elektro-Gewinner, wie den ID.3 Pro (43,7 Cent pro Kilometer), der seine beiden Verbrenner-Brüder, den Golf 1.5 eTSI (51,7 Cent pro Kilometer) und den Golf 2.0 TDI (55,6 Cent pro Kilometer) klar unterbietet. Bei Renault setzt sich der vollelektrische Zoe (39,4 Cent) ebenfalls gegen den Verbrenner-Clio (41,3 Cent) durch. Und auch bei Opel ist der Mokka als e-Edition (44,7 Cent) etwas günstiger als in der Benziner- oder Diesel-Variante (46,4 bzw. 44,8 Cent). Anders bei Kia: Hier ist der e-Niro (46,5 Cent) etwas teurer als die Verbrenner-Option (45,4 Cent). Alle Ergebnisse des Vergleichs gibt es hier.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.