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Gebrauchte E-Autos: Was Sie beim Kauf beachten müssen

26.08.2021

Mit den steigenden Verkaufszahlen von neuen E-Autos wächst auch der Markt für elektrische Gebrauchtwagen. Welche Modelle zu empfehlen sind und worauf es beim Kauf eines gebrauchten Stromers ankommt, erfahren Sie hier.

Ob Kleinwagen, SUVs oder Kombis – die Modellpalette bei den Elektro-Neuerscheinungen wächst weiter an, genauso wie der Gesamtbestand an elektrischen Fahrzeugen auf deutschen Straßen. Anfang 2021 waren es über 700.000 Stück, womit Deutschland an der europäischen Spitze lag (Gesamtzulassungen EU 3,2 Millionen, USA 1,7 Millionen, China 4,2 Millionen). Das macht sich auch zunehmend auf dem Gebrauchtmarkt bemerkbar, wo es rund zehn Jahre nach der Markteinführung der ersten Autos mit Lithium-Ionen-Batterie ein immer breiteres Elektro-Angebot gibt. Neueste Technologie zu kleinen Preisen – klingt nach einem guten Geschäft. Doch beim Kauf von elektrischen Gebrauchtwagen gibt es, wie auch bei anderen Gebrauchtkäufen, ein paar Dinge zu beachten. Die wichtigsten Tipps, Fragen, Vorteile und Risiken im Überblick:

Welches Modell passt zu mir?

Wichtig für den Kauf eines Elektro-Autos ist neben Standardfragen nach Leistung oder verfügbarem Platzangebot auch die Frage nach der Reichweite – und daran geknüpft das Thema Laden: Was ist die längste Strecke, die man im Alltag zurücklegen möchte? Gibt es genug Platz für eine Wallbox zu Hause oder besteht die Möglichkeit, während der Arbeit zu laden? Je nachdem wie die Antworten hier ausfallen, sollten Sie auf gewisse Mindestwerte bei der Reichweite, Ladeleistung und Schnellladefähigkeit achten. Sind diese Mindestanforderungen festgelegt, kann das „Scannen“ des Gebrauchtwagenmarktes beginnen.

Seit 2011 auf der Straße: Der Nissan Leaf gehört zu den Dauerbrennern der E-Mobilität. © Nissan

Die Vorteile von gebrauchten E-Autos

Elektroautos werden immer beliebter, was bei Neuwagen zu einer großen Nachfrage und damit zu längeren Wartezeiten führt. Corona-Lieferengpässe tun ihr Übriges. Anders auf dem Gebrauchtmarkt, wo man seinen Lieblingsstromer mit etwas Glück sofort finden und mitnehmen kann. Und das zu immer niedrigeren Preisen: Die Umweltprämien für neue E-Autos, die vor kurzem noch einmal bis 2025 verlängert worden, haben auch auf dem Gebrauchtmarkt aufgrund der Konkurrenzsituation zu einem echten Preisrutsch geführt. Um sich einen Überblick über die aktuellen Marktpreise zu verschaffen, können Vergleichsportale helfen. Darüber hinaus bietet der ADAC auch einen ständig aktualisierten Preisrechner im Internet an, bei dem Sie einfach die Daten ihres Wunschmodells eingeben können. Der Rechner zeigt Ihnen einen marktüblichen Preis an.

Eine Fahrzeugbesichtigung ist Pflicht!

Ist ein passendes E-Auto gefunden, führt an einer physischen Besichtigung kein Weg vorbei. Wichtig: Ein vertrauenswürdiger Verkäufer spricht offen über mögliche Beschädigungen des Fahrzeugs, setzt sein Gegenüber nicht unter Druck und erscheint in eigener Person zum vereinbarten Termin. Als Käufer empfiehlt es sich eine zweite, sachkundige Person mitzunehmen, da vier Augen immer mehr sehen als zwei.

Der Volkswagen e-Up: Ein beliebter Elektro-Kleinwagen, der auf dem Gebrauchtmarkt ohne lange Wartezeiten zu haben ist. © Volkswagen

Kontrollgang am Fahrzeug: Augen auf bei den Bremsen

Bei der Kontrolle des Fahrzeugs gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie auch beim Verbrenner: Karosserie nach Kratzern und Beulen absuchen, Auffälligkeiten unter dem Fahrzeug checken, unter die Motorhaube schauen, Reifendruck und Profil prüfen, Bremsen kontrollieren und den Innenraum genau ansehen. Grundsätzlich gibt es im Motorraum und unter dem Fahrzeug wesentlich weniger zu inspizieren als bei Verbrennern, da E-Autos hier deutlich weniger Bauteile aufweisen. Bei den Bremsen lohnt es sich dennoch etwas genauer hinzuschauen, da sie bei E-Autos aufgrund der Rekuperationsfähigkeit und der damit verbundenen geringeren Nutzung eher zu Korrosionen neigen. Das gilt insbesondere für die hinteren Bremsen, weshalb manche Modelle hier auch statt Scheiben- auf Trommelbremsen setzen. Darüber hinaus kann der Moment auch gleich genutzt werden, um den Verkäufer nach Unfallschäden zu fragen und ein Blick in das Serviceheft, Zulassungsbescheinigung und auf die Fahrgestellnummer zu werfen.

Probefahrt mit Reichweitentest

Weist der Wagen im Stand keine für sein Alter untypischen Mängel auf, geht es zum nächsten Schritt über: der Probefahrt. Neben dem üblichen Überprüfen von auffälligen Fahrgeräuschen bietet diese eine gute Möglichkeit, sich ein erstes Bild vom Zustand der Batterie zu verschaffen. Hier sollte klar sein, dass die vom Hersteller offiziell angegebene WLTP-Reichweite für gewöhnlich nicht mit der im Realbetrieb übereinstimmt. Grund dafür sind Unterschiede beim Stromverbrauch, die maßgeblich vom Fahrverhalten, den Wetterbedingungen, der Außentemperatur und der Nutzung von Heizung, Klimaanlage und Infotainment abhängen.

Einen guten Eindruck zu den realen Stromverbräuchen und Reichweiten von neuen Elektro-Autos liefert der ADAC Ecotest. Bei gebrauchten Batterien gilt, dass die Reichweite mit zunehmender Lebensdauer nachlässt – kleinere Einbußen sind hier normal. Dabei ist für den Verschleiß der Batterie vor allem die Anzahl und die Intensität der Ladevorgänge entscheidend, wobei sich erstere für gewöhnlich im Infotainment anzeigen lassen. Ähnlich wie beim Verschleiß bei einem Verbrenner können bei einem E-Auto die Ladevorgänge ab einer Laufleistung von über 200.000 Kilometern zu merkbaren Leistungsverlusten führen. Einige Hersteller gewähren ihren Kunden allerdings eine Garantie. Bei Volkswagen beträgt sie zum Beispiel 70 Prozent nutzbare Mindestkapazität nach acht Jahren Nutzung bzw. bis zu 160.000 Kilometern Fahrleistung. Wer sicherstellen will, dass eine Batterie nicht übermäßig beansprucht wurde, sollte auf Prüfprotokolle achten.

Batteriewartung ist der Goldstandard

Die Batterie ist das Herzstück des Elektro-Autos. Entsprechend sorgsam sollte man auch mit ihr umgehen und ihren Gesundheitszustand ("State of health", kurz SOH) möglichst genau dokumentieren. Verkäufer, die für Wartungen und Checks regelmäßig in ihre Herstellerwerkstatt gefahren sind, können das mit einem Prüfprotokoll und einem Scheckheft tun. Sollten die fehlen, gilt es bei der Probefahrt umso genauer auf die Leistungsfähigkeit der Batterie zu achten. Apropos: Damit Batterien auch bei kälteren Temperaturen ihre Leistung möglichst gut erbringen können, sind Wärmepumpen von großem Vorteil. Bei neuen E-Autos werden sie von immer mehr Herstellern serienmäßig verbaut, ältere Modelle können häufig aber auch nachgerüstet werden. Ein deutlicher Pluspunkt beim Gebrauchtwagenkauf.

Auch gebrauchte E-Autos erhalten die Elektro-Förderung

Der Kauf von gebrauchten E-Autos und Plug-In-Hybriden kann vom Staat genauso bezuschusst werden wie bei Neuwagen. Die maximale staatliche Fördersumme für gebrauchte E-Autos beträgt 6.000 Euro – es gibt jedoch einige Förderbedingungen: zum Beispiel, dass noch keine Förderung für das Fahrzeug beantragt wurde, es nicht mehr als 15.000 Kilometer gefahren wurde und die Erstzulassung nicht älter als 12 Monate ist.

Ebenfalls auf dem Gebrauchtmarkt zu kriegen, wenn auch in etwas geringerer Stückzahl: Der Volkswagen ID.3. © Volkswagen

Beliebte Elektro-Gebrauchtwagen

Gebraucht ist nicht immer gleich gebraucht, was sich vor allem bei sogenannten Jahreswagen zeigt. Das sind Fahrzeuge, deren Erstzulassung nicht länger als ein Jahr zurückliegt und die häufig aus den Fahrzeugspools von Autoherstellern oder großen Unternehmen kommen. Sie sind von der Qualität eines Neuwagens nicht weit entfernt und bieten Käufern neueste Technologien und aktuelle Modelle. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Modelle, die schon deutlich länger auf dem Markt sind und bei denen große Preisnachlässe als Gebrauchte möglich sind. Zu diesen Modellen gehören unter anderem der Renault Zoe, der Nissan Leaf, der Volkswagen eUp und der Smart EQ Fortwo. Etwas höherpreisiger liegen der BMW i3, das Tesla Model 3 und der eGolf von Volkswagen, wobei diese Modelle teilweise auch mit deutlich aufwändigerer Ausstattung unterwegs sind. Weitere Informationen zur Preisentwicklung auf dem Gebrauchtmarkt können bei der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) in Erfahrung gebracht werden.

(Teaserfoto: © Volkswagen; Aufmacherfoto: © BMW)

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