Elektroauto: Welche Förderungen gibt es?

14.07.2021

Immer mehr Elektroautos rollen über deutsche Straßen, Tendenz weiter steigend. Wer mit einem strombetriebenen Auto liebäugelt, kann mit mehreren tausend Euro Förderung rechnen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

2020 war ein Rekordjahr: Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland stieg um 263 Prozent. Das entspricht einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr, wie aus Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervorgeht.

Um die Produktion anzukurbeln und mehr alternative Antriebe auf deutsche Straßen zu bringen, hatte die damalige Bundesregierung schon im Juli 2016 Bonuszahlungen für den Kauf eines E-Autos beschlossen. Aktuell wird die Anschaffung eines Fahrzeugs mit bis zu 9.000 Euro gefördert. Auch das Laden an der heimischen Wallbox wird mit bis zu 900 Euro bezuschusst. Weitere Anreize winken bei Steuer und Kfz-Versicherung. Wie Autofahrer von dieser Förderung profitieren – ein Überblick.

Alles rund um die Förderung

Wie viel Förderung gibt es bei der Anschaffung eines Elektroautos?

Die Bundesregierung fördert den Kauf von Elektrofahrzeugen mit einer Kaufprämie, dem sogenannten Umweltbonus, und einer zusätzlichen Innovationsprämie, teilt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit. Wer sich ein reines Elektro-Auto zulegt, kann mit einem Zuschuss in Höhe von maximal 9.000 Euro rechnen. Dabei teilt sich der Betrag in einen Eigenanteil in Höhe von 3.000 Euro, der vom Automobilhersteller gewährt wird, und einen Bundeszuschuss in Höhe von 6.000 Euro.

Der Bonus wurde bis zum Jahr 2025 verlängert. Zuvor war die Prämie bis Ende 2021 befristet.

Ausschlaggebend für die Höhe ist der Netto-Listenpreis. Die Förderung für ein reines Elektroauto mit einem Listenpreis von bis zu 40.000 Euro beträgt aktuell 9.000 Euro.

Ein Elektroneuwagen ab 40.000 Euro Listenpreis wird mit insgesamt 7.500 Euro bezuschusst.

Kostet der Neuwagen mehr als 65.000 Euro, gibt es keine Förderung.

Welche Elektrofahrzeuge sind förderfähig?

Die Bundesregierung fördert den Kauf von Neu- und Gebrauchtwagen sowie das Leasing eines Elektrofahrzeugs bis zum Jahr 2025.

Um die Förderung für einen Neuwagen zu erhalten, sind die erstmalige Zulassung und ein Netto-Listenpreis des Basismodells unter 65.000 Euro notwendig. Zudem muss sich das Automodell auf der Liste der förderfähigen Fahrzeuge befinden, die das BAFA bereitstellt. Die Erstzulassung darf dabei maximal ein Jahr zurückliegen. Gleichzeitig muss das Fahrzeug mindestens sechs Monate auf den oder die Antragstellenden erstzugelassen sein. Die Innovationsprämie, bei der sich der Bundesanteil am Umweltbonus verdoppelt, gibt es für Neuwagen, die nach dem 3. Juni 2020 zugelassen wurden.

Für Leasing-Fahrzeuge gelten gestaffelte Fördersätze – abhängig von der Dauer des Vertrages. Die volle Förderung erhalten Leasingverträge mit einer Laufzeit von mehr als 23 Monaten. Die Höhe des Zuschusses sinkt abhängig von der Geltungsdauer.

Förderfähig sind auch junge Gebrauchtwagen. Vorausgesetzt das Automodell befindet sich auf der Liste der förderfähigen Fahrzeuge. Hier gelten weitere Bedingungen. Zum Beispiel muss das E-Auto erstmalig nach dem 4. November 2019 oder später erstzugelassen sein und maximal 15.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Gleichzeitig darf es nur bis zu zwölf Monate erstzugelassen gewesen und nicht bereits vom BAFA-Umweltbonus gefördert worden sein. Achtung: Fahrzeughalter müssen den Antrag spätestens 12 Monate nach Zweitzulassung stellen.

Die Innovationsprämie (Verdopplung des Bundesanteils) gibt es, wenn die Erstzulassung nach dem 4. November 2020 erfolgte sowie die Zweitzulassung zwischen dem 3. Juni 2020 und dem 31. Dezember 2021 liegt. Weitere Einzelheiten dazu erhalten Interessenten beim BAFA.

Welche Vorteile gibt es bei Steuer und Versicherung?

E-Autos fahren bis zu zehn Jahre steuerfrei. Die Kfz-Steuerreform vom 17. September 2020 macht es möglich. Die Befreiung gilt bis 2030. Sollte während dieser Zeit ein Halterwechsel stattfinden, ist für den nächsten Besitzer innerhalb der verbleibende Zeit auch keine Steuer fällig. 

Steuervorteile können E-Autofahrer auch bei der privaten Nutzung eines Firmenwagens nutzen: Reine Elektroautos unter 60.000 Euro werden statt mit einem Prozent nur noch mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert.

Ähnliche Vorzüge winken bei der Kfz-Versicherung. Einige Anbieter offerieren für elektrifizierte Wagen günstigere Versicherungsprämien im Vergleich zu typklassengleichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Beim Abschluss einer Versicherung sollten Fahrzeughalter darauf achten, Akku- und Überspannungsschäden infolge eines Blitzschlages mitzuversichern. Außerdem sollte die Versicherung aufgrund der hohen Anschaffungskosten eines Elektroautos möglichst lange eine Neupreis- und Kaufpreisentschädigung zahlen. 

Mit welchen Förderprogrammen kann der Umweltbonus kombiniert werden?

Fahrzeughalter dürfen den Umweltbonus des BAFA seit dem 16. November 2020 mit weiteren Förderprogrammen kombinieren. Im Überblick:

  • Das Sofortprogramm Saubere Luft vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fördert Elektroautos für den Taxibetrieb, als Mietwagen und für Carsharing. 
  • Das Flottenaustauschprogramm Sozial und Mobil vom BMU unterstützt die Anschaffung von Elektromobilen im Gesundheits- und Sozialwesen. 
  • Die Förderrichtlinie Elektromobilität des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) richtet sich an handwerksunternehmen, die ihre Fahrzeugflotte auf batterieelektrische Fahrzeuge umstellen wollen. 
  • Die Förderrichtlinie Markthochlauf NIP2 des BMVI macht es möglich, mit erneuerbarem Strom betriebene Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff zu fördern.
  • Die Klimaschutzoffensive für den Mittelstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Betriebe, die ihren Fuhrpark auf emissionsfreie Fahrzeuge umstellen und auf klimafreundliche Technologien setzen.
  • Mit dem Programm Wirtschaftsnahe Elektromobilität – WELMO unterstützt das Land Berlin die Beschaffung und das Leasing von gewerblich genutzten, elektrisch betriebenen Fahrzeugen sowie die Errichtung von stationärer Ladeinfrastruktur im gewerblichen Umfeld. 
  • Die Klimaschutzförderrichtlinie Unternehmen des Landes Mecklenburg-Vorpommern fördert investive Maßnahmen, die der direkten oder indirekten Einsparung von Treibhausgasen dienen, wie Elektromobile.

Antragsverfahren Innovationsprämie (Umweltbonus)

Wie läuft das Antragsverfahren ab?

Quelle: BAFA

Förderung beantragen: So geht es!

Wo und wie beantragen Interessenten die Förderung für ein E-Auto?

Die Umwelt- beziehungsweise Innovationsprämie steht Privatpersonen, Unternehmen, Betrieben mit kommunaler Beteiligung, Stiftungen, Körperschaften und Vereinen zu. Das E-Auto muss bereits zugelassen sein.

Fahrzeughalter füllen den Antrag zur Förderung online aus. Das Verfahren ist vollelektronisch.

Wer einen Neuwagen fördern lassen möchte, benötigt folgende Unterlagen bei der Antragsstellung:

  • Rechnung des Neuwagens

Für die Förderung eines Gebrauchtwagens sind folgende Unterlagen notwendig:

  • Rechnung des Gebrauchtwagens
  • Gutachten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) als Nachweis über den Listenpreis des Neufahrzeugs oder eine Neufahrzeugrechnung
  • Erklärung über die maximale Laufleistung des Fahrzeugs von 15.000 Kilometern zum Erwerbszeitpunkt. Die BAFA stellt ein Formular bereit, das eine amtlich anerkannte Prüforganisation oder ein amtlich anerkannter Sachverständige bestätigen muss.

Um ein Leasingfahrzeug mit Elektroantrieb zu fördern, sind folgende Unterlagen erforderlich: 

  • Leasingvertrag
  • verbindliche Bestellung
  • Kalkulation der Leasingrate

Nachdem der Antragsteller das Formular ausgefüllt und alle Unterlagen hochgeladen hat, kann er eine „Erklärung der wahrheitsgemäßen Angaben” herunterladen. Diese muss er ausdrucken, unterschreiben und über das Upload-Portal wieder hochladen.

Wenige Minuten später erhält der Antragsteller eine E-Mail mit der Eingangsbestätigung, einer Vorgangsnummer und einem Link zum Upload-Portal.

Übrigens kann der Fahrzeughalter auch Dritte (zum Beispiel ein Autohaus) für das Verfahren bevollmächtigen. Dazu muss er eine Vollmacht ausstellen. Die Vertretung muss das Formular bei der Antragstellung als elektronisches Antragsformular hochladen.

Wie wird die Förderung ausgezahlt?

Der Käufer geht zunächst in Vorkasse. Erst nach Zulassung des gekauften Elektroautos kann der Fahrzeughalter den Förderantrag beim BAFA stellen. Aufgepasst: Die Zulassung darf maximal ein Jahr zurückliegen. Das BAFA prüft die Unterlagen und erteilt den Zuwendungsbescheid. Der Bundesanteil des Umweltbonus wird ohne vorherige Mitteilung auf das Konto überwiesen, das im Antragsformular angegeben wurde.

Das Geld fließt allerdings nur, wenn das Fahrzeug mindestens sechs Monate auf die Person zugelassen bleibt, die den Antrag stellt. Der Antragsteller muss also gleichzeitig der Fahrzeughalter sein.

Laden an der eigenen Wallbox

Wieviel Förderung gibt es für private Ladestationen?

Wenn Hauseigentümer oder Mieter eine private Ladestation errichten wollen, können sie dafür bis zu 900 Euro Förderung erhalten. Darin enthalten sind Kauf und Installation an privat genutzten Stellplätzen und Wohngebäuden.

Wichtig: Der Antrag muss vor der Installation gestellt werden.

Um die Förderung zu erhalten, dürfen Antragsteller für die Wallbox nachweislich nur Strom aus erneuerbaren Energien nutzen. Diese kann direkt aus der eigenen Photovoltaik-Anlage fließen oder über einen Energieversorger bezogen werden.

Ladestationen für gewerbliche Nutzungen sind von dieser Förderung ausgenommen. Das gilt zum Beispiel für Kundenparkplätze oder Ladestationen für Dienstwagen.

Wie beantragen E-Auto-Besitzer Förderung?

Bei der staatlichen KfW-Bank beantragen Interessenten online, dass sie eine Wallbox installieren möchten. Flattert ein positiver Förderbescheid in den Briefkasten des Antragstellers, hat dieser neun Monate Zeit für die Umsetzung.

Mit dem Förderbescheid in der Tasche sucht er sich einen Elektriker seiner Wahl und eine passende Wallbox aus. Die KfW listet auf ihren Internetseiten förderfähige Ladestationen mit einer maximalen Ladeleistung von 11 kW auf. Diese Leistung reicht in den meisten Fällen vollkommen aus, denn die Mehrzahl der Elektroautos kann im Bereich des Wechselstroms nicht mehr laden. Ist die Ladestation gekauft, muss ein eingetragener Installateur diese ans Netz anschließen.

Nun benötigt der Geförderte noch einen Ökostrom-Nachweis. Abschließend lädt er alle Rechnungen, Anträge und Nachweise bei der BAFA hoch und erhält eine Förderung von 900 Euro.

Zu guter Letzt: Der frisch gebackene Ladebox-Inhaber muss seinen Stromnetzanbieter darüber informieren, dass er Betreiber einer 11 kW-Ladesäule ist.