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@ Daimler

Das Auto als Gesundheitscoach

Es misst den Blutdruck, schaltet bei Stress die Massagesitze an und greift im medizinischen Notfall eigenständig ein: Das Auto der Zukunft soll zum Gesundheitsmanager werden – Vernetzung macht’s möglich.

Egal wo es zwickt, das Auto von morgen hilft: Es legt an anstrengenden Tagen entspannte Musik auf und startet die Meditations-App. Warnt bei Bluthochdruck, stellt zur Video-Sprechstunde beim Hausarzt durch, bremst im Notfall hinterm Steuer autonom ab und ruft den Rettungsdienst. An Lösungen wie diesen arbeiten Hersteller und Zulieferer quer durch die Automobilbranche heute schon. In Zukunft könnten sie Standard werden und das Angebot an Assistenzystemen ergänzen. „Automotive Health“ nennt es sich, wenn Gesundheitsdienste im Automobil einziehen und das Auto zum Gesundheitscoach machen.

Gesundheit wird digital

Eine schlüssige Entwicklung, denn: Gesundheit und Wellness sind Megatrends, ihre Digitalisierung ist ein Wachstumsmarkt. Im Jahr 2019 belief sich der Umsatz auf dem weltweiten Digital-Health-Markt laut Statista auf rund 106 Milliarden US-Dollar – bis 2026 könnte das Marktvolumen auf rund 640 Milliarden US-Dollar anwachsen. Gleichzeitig wird der Schritt hin zum vollautomatisierten Fahren neue Freiheiten, aber auch Anforderungen an das Erlebnis Autofahren mit sich bringen – und den Fahrern schlicht mehr Zeit verschaffen. Die ließe sich künftig bestens mit einer Onlinesprechstunde beim Kardiologen oder einer kleinen Auszeit vom Alltag füllen.

Das Auto eignet sich gut für ein Fitness- und Gesundheits-Monitoring, weil als ein privater und zugleich vernetzter Raum ist @ AUDI AG
Das Auto eignet sich gut für ein Fitness- und Gesundheits-Monitoring, weil als ein privater und zugleich vernetzter Raum ist @ AUDI AG

Rollendes Sprechzimmer

Für seinen Job braucht der automobile Gesundheitsmanager der Zukunft dabei vor allem eines: Daten. Diese sollen im Auto selbst oder über vernetzte Dienste erhoben und von künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden. Sensoren am Lenkrad oder im Sitz könnten etwa Vitaldaten messen und so Aussagen über den aktuellen körperlichen Zustand der Person auf dem Fahrersitz ermöglichen. Mit der fortschreitenden Vernetzung kann das Auto auch auf mehr und mehr Daten etwa von Fitnesstrackern zugreifen.

Technisch ist heute schon vieles machbar im Feld der „Automotive Health“. Beispiel: das Kamerasystem des israelischen Start-Ups ContinUse Biometric. Es misst während der Fahrt unter anderem Puls und Blutdruck des Fahrers oder der Fahrerin.  Eine KI analysiert die Ergebnisse in einer eigenen Cloud und kann so Aussagen etwa über das Stresslevel treffen – quasi ein Medizin-Check on the road.

Ingenieure, Physiotherapeuten und Psychologen haben zusammengearbeitet, um das Auto zum Gesundheitscoach zu machen @Daimler
Ingenieure, Physiotherapeuten und Psychologen haben zusammengearbeitet, um das Auto zum Gesundheitscoach zu machen @Daimler

Rundum gesund

Auch die Automobilhersteller tüfteln an Systemen, die das Fahrerlebnis und den Innenraum auf den körperlichen Zustand des Fahrers anpassen. Mit dem Projekt „Audi Fit Driver“ hat Audi vor geraumer Zeit mit der  Entwicklung des empathischen Fahrzeugs begonnen, das sich auf seinen Fahrer einstellt, um jede Fahrt möglichst stressfrei zu gestalten. Mercedes hat in einem Showcar schon vor Jahren einen Ausblick auf die Vision des Autos als „Health Hub“ gezeigt. Auch BMW hat in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet mit einem Forschungsprojekt zu einem Nothalteassistenten, der medizinische Notfallsituationen beim Fahren erkennt, das Auto dann autonom zum Stehen bringt und sofort einen Notruf absetzt – nur drei Beispiele von vielen aus der Branche. Noch bremsen zwar Faktoren wie die Frage nach der Datensicherheit, gesetzliche Vorgaben und auch die Reife einzelner Technologien, aber die Zeichen stehen auf „Automotive Health“. Die Zukunft könnte also ziemlich entspannt werden – und im Idealfall rundum gesund.

Aufmacherfoto: @ Daimler

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.