Bike-Sharing: Flexibilität auf zwei Rädern

Seit Jahren wächst das Angebot für Bike-Sharing-Modelle in deutschen Innenstädten. Diese sollen die urbane Mikromobilität fördern, Pendler flexibler machen und nebenbei CO2-Emissionen reduzieren. Nutzer profitieren außerdem von günstigen Tarifen und sind auf geliehenen Rädern sicherer unterwegs als auf eigenen Bikes.

2020 war ein gutes Jahr für das Fahrrad. Weltweit stiegen die Verkaufszahlen rasant. Mancherorts so gravierend, dass viele Hersteller kaum mit der Produktion hinterherkamen. Besonders E-Bikes, sogenannte Pedelecs, gewannen flächendeckend an Beliebtheit. Sogar Rocker entdeckten ihre Liebe zum alternativen Zweirad. Der Motorradhersteller Harley Davidson launchte im Herbst eine Pedelec-Kollektion, die sogar die hartgesottenen Fans der röhrenden Asphalthobel mit Sportlichkeit und Design begeisterte. Andere bekannte PS-Schmieden zogen nach und kreierten ebenso Elektroräder für das höhere Preissegment.

Trotz des Booms von Eigen-Bikes und des Hypes um mietbare Elektroroller wuchs der Markt für das sogenannte Bike-Sharing ungehemmt weiter. Im Vergleich zum Jahr 2015 hat sich der globale Umsatz mittlerweile fast verfünffacht. Bis Ende 2021 sollen, so vermuten es Branchenexperten, die Wettbewerber weltweit sieben Milliarden Euro mit flexiblen Fahrradverleihsystemen erwirtschaften können.

In Deutschland, wo das Bike-Sharing zunächst eine Sache der Metropolen München, Berlin und Hamburg war, sprießen die Verleihstände mittlerweile vielerorts in den Innenstädten. Bike-Sharing-Anbieter haben längst auch kleinere Städte wie Lüneburg oder Marburg erschlossen. Sogar auf Urlaubsinseln wie Sylt und Usedom ist das Ausleihen von Fahrrädern problemlos möglich.

Was ist Bike-Sharing?

Beim Bike-Sharing können Radfahrer an öffentlichen Punkten ein Fahrrad unkompliziert ausleihen und zu günstigen Tarifen so lange benutzen, wie sie möchten. Besonders häufig finden sich Ausleihstationen in der Nähe von Knotenpunkten des Nah- und Fernverkehrs wie Bahnhöfen und Fernbushaltestellen.

Die Interessenten können die Räder über einen Fahrradcomputer, ein Terminal oder eine Smartphone-App (mittlerweile mit Abstand am verbreitetsten) ein Bike übernehmen. Je nach Infrastruktur und Anbieter geben die Fahrer ihr Bike nach dem Gebrauch an beliebigen Orten zurück. Meistens sind für die Abgabe jedoch konkrete Sammelpunkte vorgesehen.

Mittlerweile gibt es in den meisten deutschen Stationen Leihstationen für Räder.

Warum ist Bike-Sharing beliebt?

Bike-Sharing gilt als umweltschonendste und zugleich günstigste Alternative in der urbanen Mikromobilität. Im Durchschnitt kostet die erste halbe Stunde lediglich einen Euro. Für Besitzer von Jahresabonnements ist das Ausleihen noch preiswerter. Einige Anbieter nehmen sogar erst dann Geld, wenn die Fahrer das Bike länger als 30 Minuten bewegen.

Die Bike-Sharing-Dienste können sich die günstigen Konditionen leisten, weil die Betriebskosten für Leihfahrräder deutlich niedriger sind als für andere Mietangebote wie E-Roller- und Pkw-Flotten. Außerdem fördern viele Städte den Ausbau dieser Form der Nahmobilität. So wollen sie den Verkehr in hoch frequentierten Zonen besser lenken.

Die Benutzer profitieren beim Bike-Sharing von einer hohen Flexibilität. Auch müssen sie sich anders als bei eigenen Rädern nicht vor Diebstählen oder Vandalismusschäden fürchten. Viele Fahrradbesitzer sind beim täglichen Pendeln oder auf Dienstreisen auf flexible Angebote angewiesen. Das eigene Gefährt ist in eng bemessenen Zugwaggons nicht nur sperrig, sondern erhöht auch die Ticketkosten im öffentlichen Fern- und Nahverkehr.

Wissenschaftler aus San Jose, Kalifornien, veröffentlichten im Jahr 2016 interessante Forschungsergebnisse. Sie ermittelten, dass Nutzer von Bike-Sharing-Angeboten deutlich seltener verunfallten als “normale” Fahrradfahrer.

Viele Leihräder sind voluminöser, schwerer und besitzen breitere Reifen. Das macht die Gefährte zwar träger, das Fahren auf den emissionsfreien Choppern aber auch deutlich sicherer. Außerdem bieten Dienste ihre Leihräder hauptsächlich in verkehrsberuhigten Zonen wie Innenstädten an. Auch das erhöht die Sicherheit der Fahrradfahrer.

Worauf sollten Nutzer achten?

Die Qualität und Quantität der Angebote unterscheidet sich von Stadt zu Stadt erheblich. Zahlreiche Anbieter wie die Deutsche Bahn (Call a Bike) oder Nextbike decken die urbanen Milieus der Metropolen mit ihren Bikes engmaschig ab. Sie bieten vielerorts Mietstationen an, an denen Nutzer ihre Räder bequem ausleihen und wieder abgeben können. Alleine in Hamburg gibt es etwa 1.500 Sammelpunkte für Leihräder.

 

In anderen Städten ist das Angebot an Miet- und Abgabestationen deutlich geringer. Das macht die Benutzung von Leihrädern komplexer und teurer, weil die Fahrer ihre Bikes erst auf dem Rückweg zurückgeben können. Allerdings haben einige Unternehmen Tagespreisbremsen eingeführt. Viel teurer als 15 Euro pro Tag wird ein Bike-Sharing-Angebot nur in den seltensten Fällen.

Mancherorts ist es auch möglich, Fahrräder ähnlich wie Streetscooter an beliebigen Punkten in sogenannten Flexzonen abzugeben. Bei anderen Diensten genügt es, wenn die Nutzer ihr Leihrad an Hauptstraßen oder Kreuzungen zurücklassen. Der Check-out via App und das sichere Verriegeln des Bikes ist dafür verpflichtend.

Viele Unternehmen bieten beim Abschluss von Jahresverträgen deutlich günstigere Stunden- und Tagestarife. Bike-Sharing-Nutzer sollten jedoch prüfen, ob die favorisierten Marken an allen relevanten Reisezielen eigene Stationen unterhalten. Erst dann lohnen sich die Sonderangebote langfristig.

Übrigens: Je nach Anbieter schwankt auch der Komfort der Drahtesel. So bieten einige Unternehmer moderne Mehrgangfahrräder mit LED-Lichtern und Korb, während andere lediglich sogenannte Singelspeed-Bikes unterhalten. Diese können Nutzer nur in einem Gang fahren.

Bike-Sharing-Nutzer können die meisten Bikes via Smartphone-App ausleihen.

Wie funktioniert Bike-Sharing Schritt für Schritt

  1. Registrierung / die App herunterladen
    Die meisten Dienste machen das Ausleihen der Räder sehr bequem. Am einfachsten können sich Nutzer mit dem Smartphone via QR-Code oder mithilfe einer SMS-Verifizierung ein Bike sichern. Zuvor müssen sich Interessenten die jeweilige App herunterladen und eine Bezahlmethode wie Paypal oder Kreditkarte hinterlegen und die Authentizität der Daten nachweisen. Dafür ziehen manche Anbieter schon vor der ersten Leihe eines Bikes kleinere Beträge vom Konto ab.
     
  2. Das Fahrrad ausleihen
    Je nach Fahrradmodell wird das gewünschte Leihfahrrad via App, Fahrradcomputer oder Termin ausgewählt. Die Bikes sind diebstahlgesichert und im gesperrten Zustand nicht fahrtüchtig. Über eine Code-Eingabe oder das Scannen eines QR-Codes via Smartphone entriegeln die Fahrer das Schloss. Ab diesem Moment ist das Fahrrad steuer- und bewegbar. Das Leihgerät erfasst nun die Nutzungsdauer und damit den am Ende fälligen Preis.
     
  3. Das Leihfahrrad wieder abgeben
    Je nach Reglement stellen die Nutzer das Fahrrad an einer Bike-Sharing-Station oder in einem vom Anbieter festgelegten Bereich wieder ab. Wichtig ist es, sich via App, Terminal oder Fahrradcomputer auszuchecken. Je nach System müssen die Bike-User das Fahrrad auch manuell mit einem am Leih-Bike angebrachten Schloss verriegeln. Die Bezahlung erfolgt automatisch über die gewünschte Abrechnungsmethode.