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So finden Sie den richtigen Fahrradhelm

30.07.2021

Ein Fahrradhelm muss nicht teuer sein, um den Kopf vor einem Aufprall zu schützen. Doch vermeintlich fehlender Komfort und mangelnde „Coolness“ sind oftmals Vorwände, auf ihn zu verzichten. Moderne Exemplare bieten nicht nur viel, sondern sehen dabei auch noch gut aus. Wir erklären, warum es sich gerade jetzt lohnt, einen Fahrradhelm zu kaufen.

Sicher, aber unbeliebt: Der Fahrradhelm hat einen schlechten Ruf. Einer Umfrage zufolge stört die meisten Radfahrer:innen, dass er unbequem ist, man drunter schwitzt, er unschön aussieht und die Frisur zerstört. Rund ein Fünftel der Teilnehmer der Befragung schämen sich sogar insgeheim für ihn.

Debatten um eine Helmpflicht bleiben meist ergebnislos

Dennoch: Ein Helm, das dürfte auf der Hand liegen, reduziert das Risiko schwerer und tödlicher Kopfverletzungen. Seit geraumer Zeit wird darüber diskutiert, ob eine Helmpflicht sinnvoll ist – bislang jedoch ohne Ergebnis. Studien zeigen, dass diese dazu führen kann, dass deutlich mehr Menschen einen Helm tragen – aber auch, dass weniger Menschen Fahrrad fahren. Die Aussicht einen Kopfschutz tragen zu müssen, verdirbt augenscheinlich die Lust am Pedalieren.

Doch das Image des Fahrradhelms beruht häufig auf überholten Klischees: Moderne Kopfschützer sind keine schweren Riesen-Styropor-Tropfen in hässlichen Farben mehr, die schief auf dem Kopf sitzen – sie sind echte Hightech-Produkte.

Funktionsweise des Fahrrad-Airbags. © Hövding

Der innovativste Helm ist kein Helm

Eine der größten Innovationen im Bereich Fahrradhelm ist kein Helm, sondern ein Airbag und ist für alle diejenigen, die ihren Kopf schützen, aber nichts auf ihren Kopf setzen wollen. Der Airbag heißt Hövding, kommt aus Schweden und ist wie ein dicker Schal, der um den Hals getragen wird. Bei einem Unfall wird der Airbag aktiviert, das Luftkissen legt sich innerhalb von 0,1 Sekunden um Hals und Kopf. Der ADAC hat in einem großen Helmtest den Hövding im Labor geprüft und einen Stuntman mit hoher Geschwindigkeit gegen eine offene Autotür fahren lassen. Die Bilder sind eindrucksvoll und zeigen, was technisch möglich ist. Der ADAC attestiert einen „sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen“, sieht aber auch Schwächen. Denn einige Fragen bleiben offen: Funktioniert der Airbag wirklich bei jedem Unfall? Gibt es Unfälle, die der Hövding nicht als solche erkennt?

Ein offensichtlicher Schwachpunkt beim Hövding ist sicher das hohe Gewicht. Mit ca. 800 Gramm tragen Radfahrer deutlich mehr als bei herkömmlichen modernen Helmen. Und mit 300 Euro ist der Hövding auch nicht billig. Dazu kommt: Einmal ausgelöst, kann er nicht wiederverwendet werden. Dafür bleibt im Sommer der Kopf frei, der Fahrtwind kann durchs Haar wehen. Andererseits muss man die Wärme eines Winterschals um den Hals in Kauf nehmen.

Mehr Luft

Wenn es doch lieber der klassische Helm sein soll: Viele Modelle werden mit stoßfesten Materialien unter Anwendung neuester Fertigungsmethoden hergestellt und ermöglichen Formen mit größeren Luftschlitzen. Der Abus Viantor QUIN überzeugt zum Beispiel mit vier Luftein- und 14 Luftauslässen. Helme um 100 Euro besitzen auch allesamt gute Einstellmöglichkeiten, sodass sich der Kopfschutz individuell an die Kopfform anpassen lässt. Aber auch für 50 Euro gibt es bereits gute Exemplare – diese lassen sich jedoch nicht einstellen, sind sperriger und nicht so luftig.

Richtigen Helm finden: Das empfiehlt der ADAC

Der ADAC empfiehlt den Helm vor dem Kauf anzuprobieren, damit auch wirklich nichts wackelt. Selbst der günstigste Helm schützt den Kopf vor den Folgen von Stürzen, nur muss er richtig sitzen.

Um eine möglichst gute Sichtbarkeit zu gewährleisten, sollte der Helm mit einer LED-Beleuchtung und reflektierenden Elementen ausgestattet sein. Sinnvoll ist auch ein helles Design in auffälligen Farben.

Nach einem Sturz muss der Helm auf jeden Fall ersetzt werden: Es können nicht sichtbare Schäden entstanden sein. Dadurch ist die Schutzfunktion des Helms teilweise oder vollständig beeinträchtigt.

Smarte Fahrradhelme mit Notruf-Funktion

Ein Punkt, bei dem sich die teureren Modelle von den günstigeren abheben, ist ein eingebauter Notruf. Die smarten Fahrradhelme von Specialized, Uvex oder Abus bieten das an. Jeder Anbieter hat hier sein eigenes System, im Grunde funktionieren sie aber alle ähnlich: Ein Sensor am Helm registriert extreme Beschleunigungen, die sogenannten g-Kräfte, und sendet per Bluetooth ein Signal an das verbundene Smartphone. Dann startet ein Countdown, der Radfahrer:innen die Möglichkeit gibt zu reagieren. Wenn man noch in der Lage dazu ist, kann man den Vorgang abbrechen – zum Beispiel nach einem leichten Sturz. Wenn das nicht mehr möglich ist, sendet das Smartphone einen Notruf an hinterlegte Kontakte mit den genauen GPS-Daten. So muss niemand mehr Angst haben, alleine im Nirgendwo liegen bleiben zu müssen. Es gibt auch die Möglichkeit die Notruf-Funktion nachzurüsten. Die Firma Tocsen hat sich hier eine smarte Lösung überlegt.

Gute Helme sind auch mit der sogenannten Mips-Technologie ausgestattet. Mips ist die Abkürzung für Multi Directional Impact Protection System und soll die schädlichen Rotationskräfte reduzieren, die bei einem Aufprall entstehen können. Der Clou der Technologie: Die Mips-Schale im Helm lässt Bewegungen von 10-15 mm zu und absorbiert damit den Aufprall. Es gibt von allen großen Herstellern eigene Ansätze, die in dieselbe Richtung gehen. Trek und Bontrager beispielsweise haben WaveCel entwickelt, der Hersteller Leatt das System 360 Turbines und POC hat die SPIN-Technologie.

Ein Helm mit Technik von Tocsen. © Tocsen

In den vergangenen Jahren ist also viel passiert: Wo Fahrradhelme früher nur den Kopf geschützt haben, rufen sie heute sogar um Hilfe. Aber vor allem muss sich heute keiner mehr wegen eines hässlichen Helms schämen oder übertrieben schwitzen. Und wer wirklich keine Lust auf eine Kopfbedeckung hat, greift einfach zum Airbag.

(Aufmacherfoto: © ABUS)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.