Rad-Reise durch Deutschland

31.03.2021

Der Frühling ist da! Und mit ihm Sonnenschein und Temperaturen, die nach draußen locken. Wegen der Corona-Pandemie ist Verreisen nicht möglich – es ist Zeit, die schönsten Ecken in Wohnortnähe mit dem Bike zu entdecken. Hier sind einige der schönsten Radtouren in den einzelnen Bundesländern.

Deutschland ist groß – und es gibt eine ganze Menge zu entdecken! Hier finden Sie ein paar Anregungen für Fahrradtouren – für mehr Informationen klicken Sie einfach jeweils auf die unterstrichenen Links im Text.

Baden-Württemberg – Bayern – Berlin – Brandenburg

Ein ausgedehntes Radwegenetz macht große Lust auf Touren im Ländle: Strecken entlang Kocher und Jagst, Neckar und Rhein rufen uns nach draußen. Spannend sind Thementouren wie der Salz-und-Sole-Radweg: Der 38 Kilometer lange Weg über Bad Wimpfen, Bad Friedrichshall und Bad Rappenau ist die perfekte Ganztagestour für die Familie. Eine Kaiserpfalz, ein Wasserschloss, Gradierwerk, Salinenpark und Sole-Bäder laden dazu ein, erkundet zu werden. Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, kann in Bad Wimpfen an der Tourist-Information und in Bad Rappenau am Solebad RappSoDie Strom tanken.

Passend zum religiösen Hintergrund des Osterfestes: Der Odenwald-Madonnen-Radweg. Die Gegend zwischen Tauberbischofsheim und Speyer wird das „Madonnenländchen“ genannt. Neben dem wunderschönen Kaiserdom zu Speyer und dem Wallfahrtsort Walldürne gibt es immer wieder Bildstöcke und Kreuze am Wegesrand zu entdecken. Wer es weltlicher mag, hält an der Eberstadter Tropfsteinhöhle oder dem erloschenen Vulkan namens Katzenbuckel.

Mit dem „Radl“ (bayerisch für Fahrrad) vorbei an Seen, Flüssen, über Buckelwiesen oder auf Almen und mit spektakulären Bergpanoramen – Bayern bietet für sportliche und gemütliche Radler, E-Biker und Moutainbiker ideale Touren, viele davon mit Pausenmöglichkeiten an Badeseen. Besonders schöne Flusslandschaften bietet der Isarradweg. Die Isar, in Teilen Deutschlands letzter Wildfluss, ändert ständig ihren Lauf. Deshalb gibt es auf der Strecke zwischen Mittenwald, Wallgau und München Spannendes in Flora und Fauna zu entdecken. In der Alpenregion Karwendel gibt es auch viele Touren mit Ladestationen fürs E-Bike.

„Dickes B. an der Spree, im Sommer tust du gut“, singt die Band Seeed. Erst recht im Frühling, wenn die vielen Bäume und kleinen Parkanlagen in der Hauptstadt das erste Grün tragen. Dann wird Berlin zu einer der schönsten Rad-Städte der Welt. Der 160 Kilometer lange Mauerweg führt meistenteils über den ehemaligen West-Berliner Zollweg oder den Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen. Hier lassen sich noch viele Spuren der Mauer finden, die die Stadt so lange in Ost und West geteilt hat. Wer das Gefühl haben möchte, zumindest doch ein bisschen zu verreisen, radelt ein Stück des Berlin-Kopenhagen-Radwegs von der S-Bahnstation Oranienburg entlang des Vosskanals, durch den Wald zum Bahnhof in Templin, vorbei am ehemaligen sowjetischen Militärlager bei Vogelsang.

Von der Tagestour bis hin zu einer Woche oder länger: In Brandenburg lassen sich die Osterferien hervorragend auf dem Rad verbringen. Ob Natur oder Kultur, Flüsse, Seen, Gartenstädte – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Auf der Lenzerwische-Tour lockt heute die romantische Flusslandschaft der Elbe, wo früher Sperrzäune entlang der innerdeutschen Grenze Flanieren und Radeln unmöglich machten. Und was wäre Brandenburg ohne Theodor Fontane! Auf dem Radweg um den Ruppiner See gibt es nicht nur zahlreiche schöne Blicke auf den See und Badestellen, sondern auch historische Spuren des Schriftstellers.

Bremen – Hamburg – Hessen – Mecklenburg-Vorpommern

Die Bremer lieben „Fiets jökeln“: Jeder vierte Weg in der schönen Hansestadt wird mit dem Bike zurückgelegt. Kein Wunder, dass hier besonders viele schöne Strecken zu Touren einladen. Wie die im Bremer Blockland zum Beispiel: Vermutlich wohnen hier mehr Kühe als Menschen, laut Bremen.de liegt die Quote Mensch / Kuh bei 400 zu 1700. Im hiesigen Biotop gibt es dagegen viele seltene Tiere und Pflanzen zu entdecken: bedrohte Vogelarten, Fische und Amphibien. Das Marschland wurde mit Deichen, Gräben und Sielen dem Fluss Wümme, der an Ebbe und Flut gebunden ist,  abgetrotzt.

Wer in und um Hamburg eine Radtour macht, hat es abwechslungsreich. Ob stellenweise naturbelassene Strecken entlang der Alster von Ohlsdorf bis zur Flussquelle in Henstedt-Rhen oder durch das Alte Land unter Obstbäumen von Horneburg nach Buxtehude – es wird nicht langweilig. Wer nicht ausschließlich in die Pedale treten will, wählt Routen, bei denen ein Teilstück mit der Fähre zurückgelegt werden kann oder wo sich eine Kultur-Pause anbietet: im Auswanderermuseum BallinStadt zum Beispiel auf der Tour von den Deichtorhallen zur Bunthäuser Spitze.

Familientaugliche Strecken durch idyllische Flusstäler entlang Rhein, Lahn und Main sowie Routen durch Mittelgebirgslandschaften, die sportlich herausfordern: Radfahren macht in Hessen jedem Spaß. Dazu bietet die Märchenstraße durch Spessart und Habichtswald im Lande der Brüder Grimm Strecken für große und kleine Romantiker:  vorbei am Dornröschenschloss Sababurg im Reinhardswald, mit Stippviste bei Rotkäppchen in der Schwalm und den Nibelungen im Odenwald. Und auch an Historie und Politik Interessierte sowie Techfreaks kommen nicht zu kurz. Am hessischen Teilstück des Radwegs Deutsche Einheit vorbei an Kassel, Marburg oder Gießen wird deutsche Geschichte auf Touchscreens lebendig – WLAN auf der Strecke inklusive.

Knapp 2000 Kilometer Küste laden zu Erkundungstouren ein: An Fjorde, Bodden, Steilküsten und Inseln führen Touren entlang des Ostsee-Radwegs. Zum Beispiel auf der Bummeltour von Wismar nach Stralsund, die sich gemächlich erleben lässt – ausreichend Pausen in den Seebädern und an den Stränden natürlich inklusive. Oder der Havel-Radweg, der in sechs Teilstücke gegliedert ist und von der Quelle des Flusses Havel bis zur Mündung führt. Den Großteil der Route kann man auf flacher Strecke direkt am Wasser entlang radeln. Eine Tour, die im Frühling besonders schön ist, weil sie durch Obstplantagen im Havelland führt. Die Bäume verwandeln die Strecke in ein duftendes Blütenmeer.

Auf dem Rennrad geht es natürlich noch schneller voran. © Hilde Demeester/Unsplash

Niedersachsen – Nordrhein-Westfalen – Rheinland-Pfalz – Saarland

Es sind in erster Linie Standorte der Autoindustrie wie Wolfsburg, Braunschweig oder Hannover, die in den Sinn kommen, wenn man an Niedersachsen denkt. Doch das Bundesland hat auch eine naturnahe Seite, die sich hervorragend mit dem Bike entdecken lässt. Vor allem passend in der Osterzeit – die sogenannte Hase-Tour entlang des Flusses Hase mit seiner wunderbaren Natur im Hasetal und spannenden Ausflugsmöglichkeiten: verwunschene Burgen, Dampflokstrecken und ein Wasserfall. Geschichtsinteressierte finden am Radweg Orte, die Frauenrechtlerinnen gewidmet sind. Zum Beispiel Mathilde Vaerting, die 1884 in Messingen geboren wurde, zur Dr. phil. promovierte und neue Unterrichtsmethoden entwickelte, um Mädchen für Mathematik zu interessieren. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten erhielt sie Publikations- und Ausreiseverbot. Ihr wurde mit dem Mathilde-Vaerting-Weg sogar ein eigener Radwanderweg gewidmet.

Über 4500 Kilometer Wege für Radtouren bietet allein das Münsterland in Nordrhein-Westfalen. Für jedes Interessengebiet, jede Kondition und jede Bikevorliebe findet sich hier eine passende Strecke. Auf der 100-Schlösser-Route zum Beispiel lässt sich eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte in wenigen Stunden unternehmen. Die Burgen, Schlösser und Herrensitze mit ihren prächtigen Parkanlagen sind manchmal nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Zu einer in Deutschland seltenen Sehenswürdigkeit bringt einen die Flamingo-Route: Durch Moore und Heiden mit blauen Moorfröschen und seltenen Pflanzen, Dörfer und Städte führt der Radweg in das Zwillbrocker Venn, wo sich die Vögel in der nördlichsten Flamingo-Brutkolonie Europas niedergelassen haben. Am besten kann man sie von März bis Juli beobachten, von eigens dafür eingerichteten Aussichts-Kanzeln. Nordrhein-Westfalen bietet aber noch viel mehr schöne Touren für Radfahrer, eine Übersicht finden Sie hier.

Rheinland-Pfalz ist zu jeder Jahreszeit schön, vor allem aber im Frühling, wenn die Obstbäume und an der Deutschen Weinstraße die Mandelbäume blühen. In allen zehn Regionen des Bundeslandes existieren Radwege, die jetzt in den Osterferien nach der langen Winter-schlecht-Wetter-Phase in die Natur locken. Durch das Glan- und Odenbachtal zwischen Lauterecken und Reipoltskirchen führt ein barrierefreier Radweg entlang träumerischer Ortschaften und schöner Natur. Der Schinderhannes-Radweg erinnert an Johannes Bückler, einen Räuber aus dem 18. Jahrhundert. Die Strecke führt über die Hunsrückhöhen auf der Trasse der ehemaligen Hunsrückbahn von Emmelshausen über Kastellaun nach Simmern.

Deutschlands kleinstes Flächenbundesland hat mit dem Saarland-Radweg einen Kurs von etwa 350 Kilometern Länge angelegt, der es umrundet. Er führt durch das Unesco-Biosphärenreservat Bliesgau durch sanfte Auenlandschaften. Auch das Erbe der Kelten ist hier zu sehen: In Otzenhausen lohnt sich ein Abstecher an den Keltischen Ringwall aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Interessant für Keramikfans: In Mettlach befindet sich die für ihr Porzellan berühmte Firma Villeroy & Boch. Und wer sich für Industriegeschichte interessiert, stoppt an der Hütte in Völklingen.

Sachsen – Sachsen-Anhalt – Schleswig-Holstein – Thüringen

Zehn Radfernwege und mehr als 60 regionale Hauptrouten laden im Freistaat Sachsen ein, in die Pedale zu treten. Darunter sind so unterschiedliche Themenwege wie der Froschradweg, der Krabat-Weg oder der Musikantenradweg. Der Froschradweg führt durch Sachsens einziges Unesco-Biosphärenreservat. Im Gebiet zwischen Königswartha, Uhyst, Mücka und Guttau leben seltene Frösche, Fischotter und Weißstörche. In zweisprachigen deutsch-sorbische Ortschaften können sorbische Bräuche und Kultur erlebt werden. Der sorbischen Sagengestalt Krabat ist eine eigene Strecke zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda gewidmet, der Krabat-Radweg. Auf der Strecke des Musikanten-Radwegs liegen wichtige Orte des traditionellen Instrumentenbaus im „Vogtländischen Musikwinkel“. Zum Beispiel warten in Erlbach über 30 Familienbetriebe, die Streich-, Zupf- und Blasinstrumente herstellen, auf die Ausflügler.

In Sachsen-Anhalt findet sich die höchste Dichte an Unesco-Weltkulturerbe-Stätten in Deutschland. Das Bauhaus Dessau, die Lutherorte Eisleben und Wittenberg, das Gartenreich Dessau-Wörlitz oder der Naumburger Dom sind nur einige, die auch mit dem Rad angefahren werden können. Einen Ausflug in die Bronzezeit ermöglicht der etwa 73 Kilometer lange Himmelsscheiben-Radweg: Der Fundort der Himmelsscheibe von Nebra (Mittelberg im Ziegelrodaer Forst), liegt ebenso auf der Strecke wie das Besucherzentrum Arche Nebra. Bis zum Endpunkt (Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale, wo sie ausgestellt ist), führt die Tour vorbei an Seen und durch malerische Natur.

Links geht es zur Nordsee und rechts an die Ostsee: 13 Radfernwege und viele regionale Bike-Strecken laden zu Touren ein. Dass der Wind hier manchmal mit Stärke vier oder mehr bläst, macht nichts – die Wege sind flach. Steilküsten, Marschlandschaften, Seen in der Holsteinischen Schweiz oder die Alte Salzstraße ­– die ehemalige Handelsstraße zwischen Lüneburg und Lübeck – sind nur einige der atemberaubenden Orte, die in Schleswig-Holstein mit dem Rad zu entdecken sind. Eine schöne, aber mittelschwere Tour, für die man eine gute Grundkondition braucht, ist die Strecke Ostseeblick mit einem herrlichen Blick vom Steilufer Runde von Scharbeutz. Der Fischerhafen Niendorf, Timmendorfer Strand und Travemünde sind einige Orte auf der Strecke.

Wer die sportliche Herausforderung mit dem Bike sucht, findet sie bei Touren im Thüringer Wald, wo es einige Höhenmeter zu überwinden gilt. Gemütlicher geht es auf einem der fünf Flussradwege oder auf Fahrten durch malerische Dörfchen oder vorbei an Blumenwiesen zu. Geologische Besonderheiten findet, wer den Harzrundweg wählt. 37 km davon führen durch die thüringische Region Südharz. Im Gegensatz zum Hochharz bewältigt diesen Teil auch, wer nicht ganz so sportlich ist oder kleine Kinder dabei hat. Salzquellen, Karsthöhlen, Erdfallsee sind einige der spannenden Entdeckungen, die auf der Route zwischen Rottleberode über Stempeda und Ilfeld zur Kleinstadt Ellrich zu finden sind.

Ob in der Gruppe oder allein – Radeln macht fit und verschafft Ihnen neue Eindrücke. © Riccardo Bresciani/Pexels

Wichtige Hinweise

Bitte beachten Sie bei allen Ausflügen, die Sie unternehmen, die geltenden Regeln der Corona-Verordnung. Details dazu finden Sie hier.

• Vorsicht vor dem „Mann mit dem Hammer“! So wird im Radsport ein plötzlicher Leistungseinbruch aufgrund von Kohlenhydratmangel genannt. Deshalb: regelmäßig essen und trinken nicht vergessen!

• In die Gaststätten kann aufgrund der geltenden Corona-Verordnungen derzeit nicht eingekehrt werden. Viele bieten aber Essen zum Mitnehmen an. Oder Sie packen ein leckeres Picknick für unterwegs ein. Tipps dafür, wie Sie sich während einer Tour gut versorgen, finden Sie hier – gestaffelt nach kurzen, mittleren oder längeren Fahrten.

Routenplanung leicht gemacht

Inzwischen ist die Planung eigener Radtouren dank Smartphone ziemlich einfach geworden: Google Maps beispielsweise bietet eine Routenführung für Radfahrer. Detaillierter geht es in speziellen Fahrrad-Routenplanern wie Komoot oder Naviki, die bereits Tourenvorschläge enthalten. Die Apps sind sowohl für Android als auch iOS in den jeweiligen Appstores erhältlich (teils mit kostenpflichtigen Zusatzfunktionen).

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