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Fahrradreifen für die Zukunft

16.06.2021

Reifen ist nicht gleich Reifen, Schlauch ist nicht gleich Schlauch: Dank spannender Innovationen können die wohl wichtigsten Teile des Fahrrads deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Unter anderem haben die Tubeless-Technik und die Digitalisierung dafür gesorgt, dass ihre Leistungsfähigkeit extrem gestiegen ist.

Wenn man auf dem Fahrrad dahingleitet, die Sonne ins Gesicht scheint, die Landschaft vorbeizieht und der Rückenwind extra Anschub gibt, dann haben Reifen und Schlauch ein großen Anteil am Vorankommen. Schwere Reifen mit viel Profil bremsen das Rad ungemein. Ein leichte Kombination aus Laufrad, Schlauch und Reifen mit geringem Rollwiderstand scheinen das Fahrrad anzuschieben. Dabei fing alles ziemlich schwer an:

Vom Holzrad zum Gummireifen

Die ersten Fahrräder vor 135 Jahren waren noch mit Holzrädern unterwegs, ebenso wie die ersten Autos, die wie Pferdekutschen aussahen. Charles Goodyear, John Dunlop und Édouard Michelin trugen um das Jahr 1900 dazu bei, dass an Fahrrädern heute Gummireifen Standard sind. Ihre Namen verbinden wir mit den wichtigen Reifen-Produzenten. Zur selben Zeit entwickelte Continental als erster deutscher Hersteller den Fahrrad-Luftreifen.

100 Gramm merken nicht nur Profis

Die beiden bekanntesten und beliebtesten Reifenarten sind mittlerweile der Drahtreifen und der Faltreifen. Bei einem Drahtreifen ist die Gummimischung mit Drähten zum Schutz vor Durchschlägen versehen. Der Faltreifen ist eine Weiterentwicklung, bei dem die Drähte durch dünne, leichte, aber stabile Kevlarfäden ersetzt werden. Das spart Gewicht. Zwar handelt es sich meist um nur knapp 100 Gramm, aber der Reifen gehört wie das Laufrad zur rotierenden Masse am Fahrrad: Je schneller diese in Bewegung gebracht wird, desto schneller und spritziger fährt sich das Fahrrad. Und das merken nicht nur Profis.

Je nach Einsatzzweck müssen Fahrradreifen eine Menge aushalten. © Schwalbe

Fahrrad sucht Schlauch

Der Drang nach Gewichtsreduktion hat eine spannende Innovation hervorgebracht: Den Tubeless-Reifen. Hier gibt es keinen Schlauch, die Luft wird allein vom Reifen gehalten. Durch die fehlende Reibung des Schlauchs am Mantel ist der Rollwiderstand geringer. Aber das erfordert natürlich mehr vom Material und ist oft teurer in der Anschaffung. Continental empfiehlt die Tubeless-Technologie auch nur für Mountainbikes, weil hier die Reifen voluminöser sind als bei Stadt- oder Rennrädern und die Montage dadurch einfacher gelingt. Zudem ermöglichen sie die Fahrt mit unter 2 Bar Reifendruck, was bei Geländefahrten von Vorteil ist. Zum Vergleich: Rennräder werden gern mit 8 Bar und mehr gefahren. Außerdem sind Tubeless-Reifen pannensicherer: In sie wird eine spezielle Dichtmilch gefüllt, die bei einem kleinen Durchstich das Loch schnell wieder schließt. Einer der Nachteile an diesem Setup ist, dass die Dichtmilch in regelmäßigen Abständen erneuert werden muss.

Der Schlauch wird noch leichter – und digital

Angetrieben von der Tubeless-Technologie wurden Fahrradschläuche weiterentwickelt. Zum Beispiel gibt es den normalen Continental MTB Schlauch aus Kautschuk auch in einer „light“-Version, die 100 Gramm leichter ist. Hersteller experimentieren auch mit anderen Werkstoffen, um die Konkurrenz weiter zu unterbieten und immer mit dem Ziel, das Gewicht zu reduzieren. Michelin bietet zum Beispiel Rennradschläuche aus Latex an, mit maximal 82 Gramm Gewicht. Ähnlich verhält sich der im vergangenen Jahr vom deutschen Schlauch-Experten Schwalbe herausgebrachte Aerothan. Das Leichtgewicht unter den Schläuchen wiegt je nach Ausführung nur 41 Gramm. Der österreichische Hersteller Tubolito hat einen Schlauch aus Thermoplast, einem Kunststoff, in auffälliger orangener Farbe herausgebracht, der 33 Gramm leicht ist und trotzdem robust sein soll.

© Tubolito

Eine weitere Innovation, die die Österreicher mit vorangetrieben haben, ist die Digitalisierung der Druckmessung. Tubolito hat einen Schlauch im Programm, der mit einem leichten NFC-Chip versehen ist, wie man ihn von Bankkarten kennt. Der NFC-Chip wird von einer App ausgelesen und zeigt den genauen Reifendruck an. Nicht ganz so unauffällig ist der Airspy von SKS aus dem Sauerland. Hier übermittelt ein Ventilaufsatz Echtzeitdaten an ein App, sodass der Druck während der Fahrt angezeigt werden kann. Ein kleiner Vorteil gegenüber dem Tubolito.

Man könnte meinen, der Reifen ist nur das, was das Rad vom Untergrund trennt. Doch in den letzten Jahren haben so viele Innovationen den Sport vorangetrieben. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Erfindungen in dem Tempo weitergehen.

(Aufmacherfoto: © Schwalbe)

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