E-Roller: Auf zwei Rädern lautlos durch die Stadt

15.03.2021

Elektrische Motorroller werden immer beliebter. Kein Wunder, denn sie fahren lautlos, sind umweltfreundlich und lassen sich durch smarte Lösungen und digitale Vernetzung leicht mit anderen teilen.

Der laue Sommerwind weht durchs Gesicht, keine Gasse ist zu eng. Motorroller bieten viel Freiheit zu einem bezahlbaren Preis. Das macht sie immer beliebter: Zwischen 2019 und 2020 hat sich die Zahl der Neuzulassungen bei den sogenannten Leichtkraft-Rollern in Deutschland laut Industrie-Verband Motorrad mehr als verdoppelt. Und immer mehr davon fahren elektrisch.

Vorteile liegen auf der Hand

In der Stadt können die E-Roller ihre Vorteile ausspielen: Sie sind wendig, benötigen wenig Platz und kommen damit zügig durch den Verkehr – und das auch noch ohne lautes Knattern. Gut für die Umwelt sind sie außerdem: Während der Fahrt stoßen sie keine Emissionen aus und benötigen aufgrund ihres Gewichts von rund 70 Kilo nur wenig Energie. 100 Kilometer Reichweite kosten im Schnitt weniger als einen Euro. Auch im Unterhalt sind die Roller günstig. Mangels vieler mechanischer Teile ist der Verschleiß gering, und durch die Energierückgewinnung (Rekuperation), bei der die Akkus beim Verzögern aufgeladen werden, ist der Einsatz der Bremse seltener nötig. Einzig die Batterien benötigen etwas Pflege und dürfen beispielsweise nicht tiefenentladen werden. In der Versicherung kostet ein E-Roller etwa 20 Euro im Jahr, TÜV und Steuern entfallen bei den Versionen mit 45 km/h Spitze.

E-Roller bieten viele Freiheiten, um die Städte zu entdecken. © Kumpan electric

Verschiedene Modelle für unterschiedliche Bedürfnisse

Besonders weit verbreitet sind E-Roller, die mit Versicherungskennzeichen und bis zu 45 km/h Spitzengeschwindigkeit unterwegs sind. Für sie braucht man einen Moped- oder einen Autoführerschein. Im Stadtverkehr mit viel Stop-and-Go reicht die Höchstgeschwindigkeit in der Regel aus. Wer es flotter mag, kann mit dem Führerschein der Klasse A1 bis zu 80 km/h schnell fahren und damit auch Autobahnen und Kraftfahrstraßen nutzen. Wer noch schneller fahren will, benötigt einen Motorradführerschein.

Das Angebot ist groß

Inzwischen gibt es zahllose Hersteller, die ihre Roller unter Strom setzen – vom Günstig-Modell aus dem Discounter für unter 1000 Euro, das mit altmodischem Blei-Vlies-Akku und simpler Technik daherkommt, bis hin zum schicken und vernetzten Stadtflitzer wie der E-Vespa von Piaggio. Der italienische Traditionshersteller hat die Zeichen der Zeit verstanden und auch seinen Klassiker im charmanten Retrolook unter Strom gesetzt.

Beliebt bei den deutschen Kunden sind die Modelle des chinesischen Unternehmens Niu: Sie setzen nicht auf Retro-Elemente, dafür auf herausnehmbare Lithium-Ionen-Akkus und eine Vernetzung mit dem Smartphone.

Starten per Karte: Bei einigen Modellen ist kein Schlüssel mehr nötig. © Unu Motors

Roller werden immer vernetzter

Digitalisierung wird in der Branche immer wichtiger: Der Berliner Start-up Unu hat im vergangenen Jahr einen neuen Roller auf den Markt gebracht, der auf seinem Display Navigationsanweisungen vom Handy anzeigen kann und über einen digitalen Schlüssel verfügt: Gestartet wird per Knopfdruck, per App lässt sich der Roller auch an Freunde verleihen – via Schlüssel-Freischaltung.

Solche technischen Möglichkeiten lassen sich auch geschäftlich nutzen: Hersteller Govecs beispielsweise setzt auf Telematikboxen, um Städten ein komplettes System fürs E-Roller-Sharing anzubieten – um auf kleinere Städte zum Mitmachen zu animieren, ebenso wie der deutsche Hersteller Kumpan. Das geht mit klassisch angetriebenen Rollern nicht so einfach.

Der Sharing-Markt boomt

Wer sich keinen Roller kaufen kann oder will, hat in 26 deutschen Städten und Gemeinden die Möglichkeit, Sharingdienste zu nutzen. Der Markt dafür boomt weltweit: Laut Sharing-Report von Unu stieg die Zahl der Sharing-Roller um 58 Prozent auf 104.000, die Zahl der registrierten Nutzer sogar um 80 Prozent 9 Millionen. In Deutschland war das Wachstum noch stärker, um 67 Prozent auf 7000 – Platz 5 weltweit.

Der Markt ist dynamisch: Während sich die Bosch-Tochter Coup aus wirtschaftlichen Gründen vom „hart umkämpften Sharing-Markt (mit) gleichzeitig hohen Kosten“ zurückzog und seine Roller an den Berliner Anbieter Tier verkaufte, hat Anbieter Emmy weitere Millionen von Investoren eingesammelt und plant, 1500 neue Roller auf die Straßen zu bringen. Hersteller Unu wiederum stoppte seine Sharing-Pläne und fokussiert sich nun wieder auf den Endkundenmarkt. Gleichzeitig gehen auch in kleineren Städten wie Bad Homburg im Taunus Sharingdienste an den Start.

Immer mehr übergreifende Apps wie Jelbi in Berlin oder MVGO in München integrieren die Roller und machen sie damit zu einem Teil der intermodalen Mobilität in den Städten.

(Aufmacherfoto: © Trinity Electric Vehicles)

Smartphone aus der Tasche holen, Roller per App mieten, der Helm ist im Topcase – Roller-Sharing funktioniert sehr einfach. © Emmy Sharing

Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Lithium-Ionen-Akkus sind aktuell die beste Wahl. Sie haben keinen „Memory“-Effekt und geben ihre Leistung gleichmäßig ab. Am besten geeignet sind herausnehmbare Akkus: Sie kann man zum Laden ins Haus oder die Wohnung nehmen. Außerdem kann man sie im Winter einlagern.

Hier kommt es stark auf Ihr individuelles Fahrverhalten an. 30 Kilometer pro Ladung sollten es aber schon sein. Aber Vorsicht: Die Angaben in den Prospekten entsprechen nicht immer genau der Realität, Kälte und andere Einflüsse sorgen dafür, dass die Reichweite schneller schrumpft. Daher fahren Sie mit einer Angabe von 50 Kilometern auf Nummer sicher.

Nicht zu unterschätzen, wenn Sie zu zweit fahren wollen. Entsprechend sollten Sie auch die Motorleistung wählen.

Achten Sie auf einen Markenmotor (Bosch ist weit verbreitet). 2000 Watt Leistung sind sinnvoll, um an der grünen Ampel schnell vom Fleck zu kommen. Bei häufigen Fahrten zu zweit ist auch mehr angebracht.

Je nach Akkugrößen, gibt es bei vielen Rollern kein Staufach für den Helm. Ziehen Sie ggf. den Kauf eines Topcase in Betracht.

Haben Sie einen Fachhändler in der Nähe, der den Roller durchcheckt? Einige Hersteller bieten auch einen Vor-Ort-Service an.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.