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Der Camper als Fahrradanhänger – geht das überhaupt?

13.08.2021

Camping ist im Trend. Fahrradfahren auch. Wer sich von der Masse abheben will, kombiniert beides. Wer richtig im Trend liegen will, spannt einen kleinen Wohnwagen hinter sein Rad und radelt damit in den Urlaub. Fahrrad-Camping nennt sich das und ist erst seit wenigen Jahren in dieser Form bekannt. Ob das mehr Komfort bietet als ein Zelt, liegt im Auge des Betrachters. Spannend ist allemal.

„Es kamen immer genug Leute vorbei, mit denen man sich unterhalten konnte.“ Der Camping-Anhänger ist nichts für Urlauber, die ihre Ruhe auf dem Campingplatz suchen. Da sind sich Ronja und Lennard sicher. Sie haben für den WDR einen Mini-Wohnwagen für das Fahrrad getestet und ihr Fazit fällt positiv bis zurückhaltend aus. Zumindest hat die beiden die Außenwirkung ihres Anhängers nicht gestört.

 

Erst E-Bikes machen Bike-Camping möglich

Fahrrad-Camper oder Mini-Wohnwagen scheinen eine neue trendige Nische zu sein, die in der letzten Zeit immer mehr Beachtung geschenkt bekommt. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Viele Menschen machen in ihrer Heimat Urlaub, steigen aufs Rad und entdecken die direkte Umgebung. Aber erst die gestiegene Popularität von E-Bikes macht das Bike-Camping möglich. Denn etwas schwer und sperrig sind die Anhänger, das war auch der Kritikpunkt vom Testpaar Ronja und Lennard: Eine Alpenüberquerung empfiehlt sich nicht. Kürzere Touren bis zu 40 km im flachen Land sind das Terrain der Bike-Camper. Auch darf man nicht vergessen, dass Modelle wie der innovative „Wide Path Camper“ 1,75 m hoch sind und wie ein Bremsschirm wirken, vor allem bei Gegenwind. Auch Wurzeln und unebene Wege verlangen viel Können von Radfahrern.

Was kosten die Fahrrad-Camper?

Der „White Path Camper“ ist innen im aufgebauten Zustand sehr geräumig und groß. Er ist fast drei Meter lang und zwei Erwachsene können dort gut an einem kleinen Tisch sitzen und essen. Zum Schlafen wird der Tisch eingeklappt und ein 90x200 cm großes Bett entsteht. Der „White Path Camper“ ist die Erfindung des Dänen Thomas Møller Pedersen, kostet 4.000 Euro und gehört zu den größeren Mini-Wohnwagen.

Wide Path Camper

Andere Modelle sind kompakter, aber ähnlich teuer: Den „Mody“ gibt es in unterschiedlichen Ausführungen ab 5.000 Euro. Der „Mody Tourer“ ist für guten Straßenbelag und am besten wahrscheinlich im Holland-Urlaub aufgehoben. „Mody Trekking“ und „Mody Outdoor“ sind eher für das Grobe gebaut, also Feld- und Waldwege. Jede der drei Version ist auch in Carbon erhältlich, dann aber für ab 7.000 Euro. Kein Pappenstiel, aber Camping-Urlaub konnte schon immer teuer sein.

Der „Mody“ würde sich im Gegensatz zu seinem dänischen Konkurrenten super im Windkanal schlagen. Er ist schnittig gebaut und ähnelt einem Wassertropfen. Gelenkig müssen Bike-Camper aber sein: Über eine kleine Tür an der Seite kriecht man wie in eine Höhle hinein.

Mody

Luxuszelt im Fahrradanhänger

Für maximalen Platz und minimalen Windwiderstand ist der B-Turtle wohl die beste Wahl. Die Erfindung aus Österreich ist aber kein Mini-Wohnwagen, sondern ein Zelt in einer Fahrrad-Anhängerbox. Der weiße Aluminiumkasten sieht aus wie ein herkömmlicher Gepäck-Anhänger und kann mit einer Kupplung am Hinterrad befestigt werden. Mit ein paar Handgriffen entsteht aus der Box ein Luxuszelt mit komfortablen 130x200 cm Liegefläche und geräumigem Vorzelt. Der B-Turtle ist wind- und wasserfest und soll wohl auch Sturmböen aushalten. Hier wird klar, was der Vorteil gegenüber Bike-Packing mit dem Zelt ist: Mehr Komfort, mehr Platz und trotzdem haben Fahrradfahrer keinen Klotz am Bein. Billig ist der B-Turtle aber auch nicht: Bei 3.000 Euro geht’s los.

Mini-Wohnwagen aus Holz

Wem die vorgestellten Fahrrad-Camper zu teuer sind, der kann seine eigenen Wohnwagen für das Fahrrad auch „einfach“ selber bauen. Handwerkliches Geschick und ein technisches Verständnis braucht man dafür auf jeden Fall. Die Vielzahl an Varianten, die Bastler im Internet preisgeben, zeigt aber die Machbarkeit. Das schönste und innovativste Exemplar hat der in Kalifornien lebende Künstler Jay Nelson gebaut. Sein Camper mit dem Namen „Golden Gate“ wurde mit Fahrradkomponenten gebaut, fährt aber mit einem kleinen elektrischen Motor, der dem eines E-Bikes ähnelt. Nelsons Vehikel sieht so aus, als ob er einem Lastenrad ein Holz-Kokon aufgesetzt hat. Im Inneren entpuppt sich der Camper als Raumwunder mit großen Fenstern, die viel Licht hereinlassen. Leider kann man den Camper in Nelsons Webshop nicht bestellen. Ein spannendes Konzept ist es aber allemal. Es lässt auch vermuten, dass es in Zukunft weitere neue Ideen den Camping-Urlaub geben wird. Frei nach dem Motto: Zelten kann ja jeder.

(Aufmacherfoto: © Wide Path Camper)

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.