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Alles E-Bike, oder was?!

17.02.2021

Fahrrad plus Batterie und E-Motor gleich E-Bike – so die geläufige Meinung. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich bei Elektrofahrrädern große Unterschiede. Wo sie liegen und worauf Sie beim Kauf achten müssen, erfahren Sie hier.

Ob auf dem Weg zur Arbeit, bei Tagesausflügen oder im Gelände – immer mehr Menschen setzen beim Fahrradfahren neben ihrer Muskelkraft auf einen unterstützenden E-Motor. Entsprechend groß ist mittlerweile auch die Auswahl an E-Modellen: Vom Citybike über das Trekkingrad bis zum Rennrad oder Mountainbike ist heute so gut wie alles erhältlich. Für die Händler ein lukratives Geschäft, das ihnen Jahr für Jahr neue Rekordabsätze beschert. 2020 stieg der Absatz aufgrund von Corona sogar noch einmal deutlich an. Bereits zur Jahreshälfte kratzte er mit 1,1 Millionen verkauften E-Bikes am Vorjahresrekord (1,3 Millionen). Vielerorts waren die Fahrradläden vollständig leergekauft und das, obwohl es bei Elektrofahrrädern mitunter große Unterschiede gibt.

Elektro-Rad ist nicht gleich Elektro-Rad

Ein großer Akku am Rahmen, zwischen den Pedalen ein E-Motor und am Lenker in der Regel ein kleines Display – rein äußerlich gleichen sich die meisten Elektrofahrräder stark. Das spiegelt sich auch in unserer Umgangssprache wider, wo in den meisten Fällen schlicht von „E-Bikes“ die Rede ist. Doch rechtlich gibt es große Unterschiede: Hier wird zwischen drei Fahrzeugklassen unterschieden, von denen nur eine wirklich als Fahrrad gewertet wird – die sogenannten Pedelecs (Pedal Electric Cycle). Die beiden anderen Fahrzeugklassen, S-Pedelecs und E-Bikes im engeren Sinne, werden aufgrund ihrer deutlich höheren Motorleistung als Krafträder eingestuft. Der Unterschied zwischen den als Pedelec oder S-Pedelec bezeichneten Rädern und E-Bikes im engeren Sinn liegt in der Funktionsweise. Während Pedelecs den Fahrer nur dann unterstützen, während er auch selber in die Pedale tritt, kann er oder sie mit einem E-Bike auch Gas geben, ohne dabei zu treten. E-Bikes besitzen dafür einen entsprechenden Drehgriff oder Knopf. Für die drei Fahrzeugklassen gelten folgende Vorschriften:

© Stromer

Pedelecs: Unkomplizierte Alltagshelfer

Pedelecs sind rechtlich mit Fahrrädern gleichgestellt, weshalb man für ihre Nutzung weder Helm, Zulassung, Kennzeichen noch Führerschein braucht. Ihre Tret-Unterstützung verringert sich mit zunehmendem Tempo und ist bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h abgeregelt. Bei den meisten Modellen lässt sich der Unterstützungsgrad in mehreren Stufen einstellen, die maximale zugelassene Motorleistung beträgt jedoch 250 Watt. Zum Vergleich: Durchschnittliche Radfahrer bringen in etwa eine Leistung von 100 Watt aufs Pedal – Profis, die sich über steile Bergpässe quälen, um die 400 Watt. Kurzfristige Spitzenleistungen können allerdings auch deutlich höher liegen. Für einen durchschnittlichen Radler dürfte der Sieg bei der Tour de France also selbst mit einem Pedelec schwierig werden, für den alltäglichen Gebrauch sind die unterstützenden Elektroräder jedoch bestens geeignet. Das zeigt sich auch auf den Radwegen, wo die allermeisten Elektrofahrräder Pedelecs sind.

© Cube

Schnelle Pedelecs: Mehr Leistung, mehr Vorschriften

Wem die 250 Watt eines normalen Pedelecs als Tret-Unterstützung noch nicht reichen, kann mit einem sogenannten S-Pedelec aufrüsten. Damit sind bis zu 500 Watt Leistung möglich, was den unterstützenden Elektrorädern auch den Spitznamen S-Klasse eingebracht hat. Die Funktionsweise der S-Pedelecs ist die gleiche wie bei den normalen Pedelecs – ihre Tret-Unterstützung wird jedoch erst ab einer Geschwindigkeit von 45 km/h abgeregelt. Dazu kommt, dass die hochgetunten Drahtesel nach Straßenverkehrsgesetz zur Fahrzeugklasse der Kleinkrafträder zählen und damit eine Reihe von Vorschriften mit sich bringen. So ist für den Gebrauch der S-Pedelecs sowohl eine Zulassung als auch ein Kennzeichen und ein Führerschein der Klasse AM nötig. Damit müssen Fahrer ein Alter von mindestens 16 Jahren haben, einen Helm tragen und dürfen ausschließlich auf der Straße fahren.

© Stromer

E-Bikes im engeren Sinn: Beschleunigung per Knopfdruck

„Richtige“ E-Bikes sind so etwas wie die modernen Nachfahren der Mofas: Ausgestattet mit einem Drehgriff zum Gasgeben und der zusätzlichen Option, mit Tretkraft zu unterstützen. Wie ihre Verbrenner-Vorfahren sind auch sie eine Art Vorstufe zum E-Roller oder Motorrad und im Straßenverkehr nur selten anzutreffen. Wer sie fahren möchte, benötigt eine Zulassung und ein Kennzeichen – verkehrsrechtlich sind E-Bikes als Krafträder eingestuft. Auch müssen Fahrer eine Prüfung ablegen, wobei die Art der Fahrerlaubnis variierten kann: Für Elektromofas mit einer Maximalleistung von 500 Watt reicht eine Mofa-Prüfbescheinigung, da sie ihren E-Antrieb bereits ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h abstellen. Danach muss der Fahrer selber treten. E-Bikes, die dagegen bis 45 km/h Gas geben können, machen einen Führerschein der Klasse AM nötig. Der Betrieb ist ausschließlich auf der Straße erlaubt.

(Aufmacherfoto: © ST3)

© lifePR

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.