Ein Audi RS6 vor dem Autoscanner. © TWINNER GmbH

Morgen schon ein Einhorn? Die heißesten Start-ups im Mobility-Sektor

26.03.2021

Digitaler Autoscanner, Marktplatz für Mobilitätsdienste, autonome Shuttle – immer mehr Start-ups machen mit neuen Geschäftsmodellen und Technologien auf sich aufmerksam. Das sind Twinner, Otonomo und EasyMile.

Getrieben von der Leidenschaft, Mobilität neu zu gestalten, forschen und experimentieren weltweit hunderte Start-ups. Als Keimzelle neuer Ideen und Technologien sind sie für die Automobilindustrie Wettbewerb und Inspiration zugleich. Hier findet man den unbändigen Pioniergeist, der keine Mühen scheut, um neue Mobilitätsträger und innovative Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen. Doch nur die besten Ideen haben eine Chance. Hält eine Lösung oder Technologie dem Stresstest nicht stand, wird sie über kurz oder lang eingestellt – beispielsweise, wenn das Projekt nicht skalierbar ist oder absehbar nicht den gewünschten Erfolg bringt. Nachfolgend stellen wir drei heißgehandelte Kandidaten für die Zukunft vor.

Supercar Blondie "twinnt" einen von weltweit nur 75 McLaren Senna GTR.

Gamechanger im digitalen Fahrzeughandel: Twinner

Das Start-up Twinner aus Halle ist angetreten, die Bewertung und Verkauf von Gebrauchtwagen zu revolutionieren. Das junge Unternehmen um CEO Silvan Cloud Rath hat einen Autoscanner auf den Markt gebracht, der ein Fahrzeug nicht nur aus allen möglichen Winkeln automatisch fotografiert, sondern in wenigen Minuten einen digitalen Zwilling davon erstellt. Mit dem „Digital Twinn“ sieht der Kunde virtuell mehr, als wenn er persönlich vor dem Wagen steht. Jedes Fahrzeug wird sowohl Innen als auch Außen samt Unterboden digital dokumentiert. Aus den erfassten Bildern und Messdaten sowie zusätzlichen Informationen durch Big Data entsteht ein Profil, das alle Features, Reifenbeschaffenheit, Lackgüte, Schäden und Gebrauchsspuren aufzeigt. Diese Ergebnisse lassen sich per Klick einfach in Gebrauchtwagenbörsen oder in den Showroom der eigenen Website ausspielen. Damit sollen manuelle Sichtprüfungen, Fotografieren und Dateneingabe der Vergangenheit angehören.

Wie Otonomo den Verkehrsfluss in Städten optimiert.

Datenmarktplatz für Fahrzeugdienste: Otonomo

Täglich sind Millionen von modernen Fahrzeugen unterwegs, die über Sensoren und Steuergeräte fortlaufend Daten produzieren. Ein vernetztes Auto sendet schon heute pro Tag etwa 30 Gigabyte an Daten. Hochautomatisierte Fahrzeuge werden künftig schätzungsweise vier Terabyte an Daten produzieren. Allerdings mangelt es immer noch am Austausch dieser Daten. Silodenken und Kleinstaaterei unter Herstellern und Diensteanbietern erschweren die Vernetzung. Und so hinterlassen Feature wie die Parkplatzsuche, Staumelder oder regionale Wetterkarten oftmals einen enttäuschenden Eindruck beim Fahrer. Für die Qualität bestimmter Services ist es essenziell, dass Daten zwischen verschiedenen Akteuren ausgetauscht werden. Diese Herausforderung trieb Avner Cohen und Ben Volkow um, als sie 2015 Otonomo gründeten. Das israelische Start-up sammelt, aggregiert und analysiert Fahrzeugdaten, um sie über einen cloudbasierten Marktplatz Herstellern, Zulieferern, Versicherungen, Kommunen und Mobility-Start-ups zugänglich zu machen. Otonomo versteht sich als neutraler Makler, der Daten standardisiert und gesetzeskonform zur Verfügung stellt. Die Plattform ermöglicht damit den markenübergreifenden Austausch von Fahrzeugdaten über Ländergrenzen hinweg und bricht somit Datensilos geschlossener Flotten auf. Genutzt werden Daten von Otonomo aktuell für Dienste wie vorausschauende Wartung, die Lieferung von Waren ins Auto, für Versicherungstarife, Remote- und Concierge-Services, Kartendienste sowie für Verkehrsleitsysteme und Infrastrukturprojekte in Smart Cities.

Der EZ10 von EasyMile auf den Straßen Singapurs.

Autonome Shuttle für den Personen- und Güterverkehr: EasyMile

Weltweit wachsen die Metropolregionen, zugleich wird die Versorgung des ländlichen Raums mit Mobilitätsangeboten immer wichtiger. Für beide Herausforderungen bietet das Start-up EasyMile ein Transportsystem: den EZ10, einen autonom fahrenden Kleinbus mit Platz für bis zu 15 Passagiere. 2014 von Gilbert Gagnaire in Toulouse gegründet, sind die Robotaxis heute in über 30 Ländern unterwegs. Continental ist Investor und Entwicklungspartner des Unternehmens. Auf der IAA 2019 konnten Besucher am Conti-Stand mit dem Robo-Taxi CUbE fahren. Dabei handelt es sich um eine Entwicklungsplattform für fahrerlose Fahrzeuge des Zulieferers, die auf dem EZ10 von EasyMile basiert. In Städten sollen die emissionsfreien und flexibel einsetzbaren Shuttle-Busse die Luftqualität verbessern und den Verkehrsraum entlasten. Eaysmile hat ebenfalls den autonomen Elektroschlepper TractEasy für Industriegelände, Logistikzentren und Flughäfen entwickelt. Jüngster Coup: Das Münchner Start-up Sono Motors kooperiert mit dem französischen Hersteller. Auf Basis des EZ10 soll ein Kleinbus mit Solartechnologie entstehen. Damit wird ein neues Energiekonzept für elektrische und fahrerlose Shuttles getestet. Der EZ10 fährt serienmäßig mit einer Akkuladung bis zu 16 Stunden lang und muss etwa sechs Stunden an einer Ladestation Strom tanken. Die Ladezeit könnte mit der neuen Solartechnologie drastisch verkürzt werden.

Auf der IAA 2021 steht innovative Mobilität in allen Facetten im Mittelpunkt: Intelligente Verkehrslösungen, visionäre Denkweisen, Automobile und gesamte Mobilitätskette. Alles was Mobilität von morgen formt und erlebbar macht. Seien Sie dabei!