Der Maestro des Autodesigns: Giorgio Giugiaro

22.12.2020

60 Millionen gefertigte Autos basieren auf seinen Skizzen. Seiner Genialität sind Legenden wie der BMW M1, der Fiat Panda und der Golf I zu verdanken. Und auch noch im stolzen Alter von 82 Jahren feilt der Italiener an kühnen Zukunftsvisionen für die Straße.

Giorgio Giugiaro gehört zu den bekanntesten Designern der Zeitgeschichte, der schon viele Designikonen auf Rädern hervorgebracht hat. In seiner 60-jährigen Karriere hat der Spross einer Turiner Künstlerfamilie 500 Autostudien entworfen, wovon rund 300 auch in die Produktion gingen. Giugiaro begann seine berufliche Laufbahn mit 17 Jahren bei Fiat. 1959 wechselte er zum Studio Bertone, wo er Chefdesigner wurde. 1965 ging es zum Konkurrenten Carrozzeria Ghia. Ende der 1960er-Jahre wagte er mit seinem Unternehmen Italdesign den Sprung in die Selbstständigkeit.

Automobile Legenden made by Giorgio Giugiaro

Er war weltweit für fast alle namhaften Hersteller und einige Newcomer tätig. Auf seinem Zeichenbrett entstanden unter anderem der Lotus Esprit, der Fiat Panda, der Audi 80, der BMW M1, der VW Golf, Scirocco und Passat, der Lamborghini Gallardo, sogar der DeLorean DMC-12, dem futuristischen Flügeltürer aus der Filmreihe „Zurück in die Zukunft“. Für Bugatti formte er unter anderem den 18/3 Chiron und läutete damit das Comeback der Edelmarke ein. Nicht zu vergessen Italdesigns Starthilfen für asiatische Autobauer. Neben all den Engagements im Automobilsektor entwarf Giugiaro auch unzählige Gebrauchsgegenstände: Kameras für Nikon, Züge, Traktorenserien für Deutz, Sneaker, Haushaltsgeräte, Yachten, Uhren für Seiko, und, und, und.

Von Traktoren über Sneaker bis zur legendären Nikon – Giugiaro ist ein Alleskönner

Giugiaro nahm schon immer die Zukunft des Autos vorweg: Kleinwagen mit kompakter Karosserie, aerodynamische Formen für niedrigeren Kraftstoffverbrauch, Stadtautos und E-Autos für Car-Sharing-Programme sowie sportliche Modelle. Was ihm beim Design immer wichtig war: Ästhetik darf nicht dominieren, es geht vor allem um die Reduktion auf wesentliche Funktionen. Er gilt als „Meister der Geradlinigkeit“, der auf klare Linien und Flächen setzt. Wie ein zeitloser Origami-Künstler. Sein zeitloser Stil zeigte sich in den ewig langen Produktionszeiten. Der Fiat Panda lief über 20 Jahre lang vom Fließband. Das Ur-Design des Golf I mit der aufrechten C-Säule, den markanten Radläufen und der typischen Front mit dem schlanken Grill sowie den nach unten rausragenden Scheinwerfern stecken bis heute in jedem Golf.

„Wer keine Anziehungskraft schafft, hat seine Aufgabe nicht erfüllt.“

Giorgio Giugiaro

© Volkswagen AG

Der Altmeister baut weiter an der mobilen Zukunft

1999 wurde er zum „Car Designer of the Century“ (Autodesigner des Jahrhunderts) gewählt. Anfang der 2000er-Jahre waren die meisten berühmten Carrozzerie aus Italien nicht mehr am Markt, von großen Konzernen übernommen und nur noch verlängerte Werkbank der Industrie. Giorgetto Giugiaro ist zeitlebens unabhängig geblieben. Auch nach dem Verkauf an die Volkswagen AG  ist Italdesign auf dem freien Markt tätig und arbeitet mit Herstellern außerhalb des Konzerns zusammen. 2010 verkaufte Giugiaro die letzten Anteile an VW. Das Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern ist heute gemeinsam mit Lamborghini und Ducati Teil der Audi-Familie. Doch die Ruhepause war nicht von langer Dauer: Giugiaro startet im Alter von 77 Jahren zusammen mit seinem Sohn Sohn Fabrizio mit einem neuen Designstudio noch einmal durch: GFG Style. Der Firmenname setzt sich aus den Initialen der Gründer zusammen. Das Unternehmen arbeitet bislang vor allem für chinesische Auftraggeber und entwickelt Konzepte für Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

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