Die 10 besten Mobilitäts-Exponate im Deutschen Museum München

24.06.2021

Für die Besucherinnen und Besucher der IAA MOBILITY lohnt sich auch ein Abstecher ins Deutsche Museum. Hier kann man einzigartige Meilensteine technischer Innovation bestaunen. Wir haben uns die zehn besten zum Thema Mobilität herausgesucht.

Das Verkehrszentrum des Deutschen Museums ist nur wenige U-Bahn-Haltestellen vom Haupthaus entfernt. „Hier wird das Gefühl der Mobilität vermittelt“, sagt Pressesprecher Gerrit Faust. „Der fließende Verkehr, der zur Betrachtung quasi eingefroren ist, mit Autos, Fahrrädern und Zügen, zeigt die Entwicklung der Fortbewegung und des Reisens.“ Eine alte Fahrradwerkstatt gibt es hier ebenso zu sehen wie Mobilitätskonzepte für morgen.

Im Deutschen Museum wird mehr ausgestellt, als ein Mensch an einem Tag aufnehmen kann. Wer nur einen halben Tag Zeit hat, dem hilft unsere Liste der zehn besten Exponate zur Mobilitätsgeschichte.

Patent-Motorwagen Nr.1

Hiermit fing alles an: Der Patent-Motorwagen Nr.1 von Carl Benz gilt als das erste funktionierende Auto der Welt und markierte den Beginn einer Mobilitätsrevolution – auch wenn er technisch und auch preislich noch kein Objekt für die Massen war. Das übernahm später das Ford Model T. Circa 25 Exemplare des Patent-Motorwagens wurden gebaut, drei davon gibt es heute noch. Eins davon steht im Deutschen Museum.

© Deutsches Museum

Baker Electric Roadster „Victoria“

Was viele nicht wissen: Zur Anfangszeit des Automobils gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, welcher Antrieb sich durchsetzt – batterieelektrisch oder mit Verbrennungsmotor. Bevor für viele Jahrzehnte die Autos hauptsächlich mit Benziner und Diesel fuhren, baute die US-amerikanische Firma Baker schon Anfang des 20. Jahrhunderts Hunderte Elektroautos im Jahr – wie etwa den Baker Electric Roadster „Victoria“.

© Deutsches Museum
© Deutsches Museum

Rumpler Tropfenwagen

Auf der Automobilmesse 1921 in Berlin wurde ein ganz außergewöhnlicher Wagen vorgestellt: Mit seiner extrem aerodynamischen Form war der Rumpler Tropfenwagen seiner Zeit weit voraus. Aufgrund technischer Probleme war er kein kommerzieller Erfolg, galt aber 50 Jahre nach dem Bau des letzten Wagens immer noch als Vorbild in Sachen Aerodynamik: Unter dem Eindruck der Ölkrise testeten Ingenieure den Tropfenwagen 1979 im Windkanal und attestierten ihm einen „sensationell“ geringen Luftwiderstand.

Büssing ZU 550

Der Erfinder und Unternehmer Heinrich Büssing baute 1903 nicht den ersten Lkw, aber möglicherweise den seinerzeit besten. Viele bekannte Marken produzierten in den Anfängen erfolgreiche Nutzfahrzeuge, darunter Porsche, Daimler und Benz. Doch niemand baute einen kostengünstigeren Lkw als Büssing, dessen Lastwagen mit seiner eigens entwickelten Federung Fahrer und Fracht beim Bremsen vor Unfällen schützte.

© Deutsches Museum

Auto-Union-Rennwagen

Nicht zu verwechseln mit den Silberpfeil von Mercedes-Benz ist der Auto-Union-Rennwagen. Beim genauen Hinsehen erkennt man den Unterschied: Beim Silberpfeil ist der Motor vorn, beim Auto-Union-Rennwagen in der Mitte, direkt hinter dem Fahrer, der im vorderen Teil des Autos sitzt. So ist es noch heute in der Formel 1. Der Rennwagen geht auf Entwürfe von Ferdinand Porsche zurück und sollte den vier sächsischen Herstellern Audi, DKW, Horch und Wanderer, die sich zur Auto-Union zusammenschlossen, Aufmerksamkeit verschaffen.

© Deutsches Museum

Die Laufmaschine

Zwei Räder zu einem einspurigen Fortbewegungsmittel zu verbinden, das nur angetrieben wird durch die Muskelkraft des Fahrers – das war die Idee von Karl Friedrich Freiherr Drais. Seine revolutionäre Laufmaschine von 1817 gilt als die Initialzündung für die Entwicklung des modernen Fahrrads. Die klobig und schwerfällig wirkende Laufmaschine (auch Draisine genannt), die heute im Deutschen Museum zu sehen ist, wiegt so viel wie heute ein Hollandrad und soll so schnell wie Pferd gewesen sein . Wer heute Kinder auf einem Laufrad sieht, weiß, dass das nicht übertrieben ist. 

© Deutsches Museum

Motorrad von Hildebrand und Wolfmüller

Die Brüder Heinrich und Wilhelm Hildebrand waren nicht die ersten, die einen Motor an ein Fahrrad schraubten. Aber sie waren die ersten, die für ihre Erfindung 1893 den Begriff „Motorrad“ verwendeten. Ein Jahr später schlossen sich die Brüder mit den Mechanikern Alois Wolfmüller und Hans Geisenhof zusammen und produzierten ihre Erfindung in Serie. Das Motorrad war beliebt und begehrt, die Firma wuchs auf über 800 Mitarbeiter an, musste aber bereits nach einem Jahr Konkurs anmelden: Die Technik war viel zu anfällig, sodass viele Käufer ihr Geld zurück haben wollten.

© Deutsches Museum

Erste E-Lok von Siemens und Halske

Bedingt durch die industrielle Revolution in Deutschland zogen immer mehr Menschen in die Metropolen. Berlin zählte kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts circa zwei Millionen Einwohner – und die mussten sich in der Stadt bewegen. Die Pferdestraßenbahnen kamen an ihre Grenze, die Dampflokomotiven waren ungeeignet für den Stadtverkehr. Die 1879 von Siemens und Halske vorgestellte elektrisch angetriebene Lokomotive veränderte den ÖPNV in Europas Städten nachhaltig und prägt ihn bis heute.

© Deutsches Museum
© Deutsches Museum

Puffing Billy

Schon früh wurden in Bergwerken Bahnschienen verlegt. Meist waren die Schienen aus Holz und Pferde zogen die Wagen in den Minen. Um 1800 herum wurden die Holzschienen durch Eisenschienen ersetzt. Um effizienter zu arbeiten und größere Mengen schneller zu transportieren, ließ William Hedley 1813 eine Dampflokomotive bauen. Erste Erfindungen dieser Art hatte es bereits wenige Jahre zuvor gegeben, aber sie hatten sich als nicht praxistauglich erwiesen. Nahezu parallel verliefen dann mehrere Versuche im englischen Kohlenrevier rund um Newcastle upon Tyne erfolgreich. Die bekannteste und langlebigste Lokomotive war die sogenannte Puffing Billy. Sie wurde bereits rund 100 Jahre später, im Jahr 1904, für das Deutsche Museum nachgebaut und steht dort heute noch.

Die Dampflok S3/6

Wenn man sich eine Dampflok vorstellt, dann kommt die S3/6 dem Idealtypus sehr nahe. Sie war eine der erfolgreichsten und ausgereiftesten Loks, die je gebaut wurden. 1951 stellte ein Exemplar noch einen Langstreckenrekord für seine Art auf: Es fuhr 820 Kilometer von Hamburg nach München. 1954 kam es ins Deutsche Museum, wo es heute noch steht. Die letzte S3/6 wurde 1969 ausgemustert – das Zeitalter der Dampfloks näherte sich dem Ende.

© Deutsches Museum

Den revolutionären Sprung veranschaulichen

Die zehn ausgewählten Highlights eint etwas: Sie alle veranschaulichen einen revolutionären Wandel in der Technologiegeschichte. Pressesprecher Faust: „Uns ist es wichtig, dass wir sowohl die technischen und die gesellschaftlichen Aspekte der Mobilität zeigen und erlebbar machen – und nicht unbedingt nur das ästhetisch wertvollste Auto ausstellen. Obwohl wir so etwas natürlich auch haben.“

Von den geschichtlichen Entwicklungen auf die Zukunft schließen will Faust dennoch nicht. Daraus Trends abzuleiten, sei schwierig. Dazu hat der Sprecher des Deutschen Museums ein passendes Zitat von Gottlieb Daimler, einem der Gründerväter der heutigen Daimler AG, parat. Daimler soll gesagt haben: „Die weltweite Nachfrage an Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten, allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren“. Fehler passieren auch den erfolgreichsten Erfindern.

Die IAA MOBILITY wandelt sich von einer reinen Autoshow zur internationalen Mobilitätsplattform mit vier Säulen: Dem Summit, der Conference, der „Blue Lane“ und dem innerstädtischen Open Space. Unter dem Motto „What will move us next“ steht sie für die digitale und klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Vom 7. bis 12. September 2021 kommen die Auto-, Fahrrad- und Tech-Industrie auf der IAA MOBILITY in München zusammen.

Der Ticketverkauf hat begonnen. Profitieren Sie bis zum 27. Juni von den Crazy Early Bird Rabatten! Alle Ticketarten und Preise finden Sie hier.