IAA Mobility Weekly: Exit vom harten Brexit

08.01.2021

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien dämpft die wirtschaftlichen Folgen des Brexits. Ein deutscher Bike-Hersteller will Diebe unkonventionell überlisten. In Schweden werden erste autonome fahrende Lkws erfolgreich getestet. Das und mehr im IAA-Weekly.

The Lead: Exit vom harten Brexit

Zum Ausklang des globalen Pannen-Jahres 2020 trauten sich dann doch noch ein paar zarte Lichtschweife als Stimmungsaufheller an den trüben Horizont: Die Europäische Union und die britische Regierung einigten sich auf ein Freihandelsabkommen. Die politische Dauersendung „Deal or no Deal” fand ihr überfälliges Ende, die pure Vernunft durfte doch noch siegen. Was folgte? Überall Erleichterung. Besonders bei den deutschen Autobauern. Hildegard Müller, Chefin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), erklärte im Handelsblatt: „Mit dem bekannt gewordenen Ergebnis ist das Risiko eines No-Deals ausgeräumt, und die Unternehmen können sich endlich auf die Umsetzung eines Freihandelsabkommens einstellen.”

Für die Automobilindustrie und die gesamte Mobilitätsbranche brachte der Heiligabend also zumindest eine kleine Bescherung. Großbritannien ist bekanntlich der wichtigste Absatzmarkt auf dem europäischen Kontinent. Immerhin sind im Jahr 2019 insgesamt 592.600 Fahrzeuge in das Königreich exportiert worden. Zudem unterhalten deutsche Hersteller mehr als 100 Produktionsstätten in England, Schottland, Wales und Nordirland. Dieses über Jahre gewachsene Gerüst drohte in der Brexit-Hängepartie zu erodieren. Seit dem Heiligabend erscheinen die Geschäftsbeziehungen nun wieder deutlich stabiler.

© Moeve Bikes
© Moeve Bikes

Innovation Update: Inkognito E-Bikes

Sie kosten mittlerweile ein halbes Vermögen, sind todschick lackiert und immer häufiger mit Elektromotor ausgestattet: Fahrräder sind beliebt wie nie. Auch bei Dieben.

Mit dem wachsenden Markt für hochpreisige Räder gedeiht der Handel mit gestohlenen Pedelecs. Versicherungen werben längst mit speziellen Policen für E-Bikes. Der niederländische Hersteller VanMoof verspricht sogar, jedes gestohlene Bike mithilfe von GPS-Tracking in die Obhut der Besitzer zurückzuholen. Die kühnen Fahrradjäger des Unternehmens reisten schon nach Casablanca, Marokko, um Diebesgut zurückzuerlangen.

Einen unkonventionellen Ansatz fährt der deutsche Hersteller Möve. Die Fahrradmanufaktur aus Mühlhausen präsentierte kürzlich das Modell E-Fly Airy, das als sogenanntes Inkognito Bike vor Dieben den „Bauch einzieht”. Auf dem ersten Blick wirkt der Drahtesel wie ein schlichtes Trekkingrad. Motor und Akku sind gut getarnt und kaum zu erahnen. Die leistungsstarke Batterie verbirgt sich im Unterrohr, während sich der Antrieb an der Hinterradnabe einnistet. Das soll das Bike vor diebischen Händen, die es speziell auf Elektrofahrräder abgesehen haben, schützen.

Zahl der Woche: 352

Immer mehr Elektroautos rollen über Deutschlands Straßen. Ingenieur-Büros des Landes vermelden regelmäßig neue Batterie-Innovationen. Sie halten immer länger durch und können von den Nutzern schneller geladen werden. Umso überraschender: Im vergangenen Jahr sank die durchschnittliche Reichweite der E-Autos von 377 (2019) auf 352 Kilometer. Aber kein Grund zur Sorge. Die sinkenden Reichweiten gehen auf das verstärkte Aufkommen von elektrischen Kleinwagen zurück, die sich bei der urbanen Bevölkerung einer besonderen Beliebtheit erfreuen. Die Batterien dieser Fahrzeuge sind aufgrund des geringeren Einsatzradius deutlich kleiner konzipiert. Modellübergreifend nimmt die Reichweite von Elektroautos jedoch stetig zu und auch die Reichweitenangst bei E-Autos lässt langsam nach.

Zitat der Woche: Grüne Busse

Kinder und Jugendliche, die sich vorfreudig oder verschlafen mit dem Tornister beladen in die Schulbusse stürzen – im Januar 2021 ist das eine beinahe verstaubte Erinnerung. Schulen und Kitas sind geschlossen. Gelernt wird zu Hause am Küchentisch. Die Schulbusse verstauben in den Garagen.

Im US-Bundesstaat New York droht den populären gelben Schul-Trucks dagegen ein anderes Ungemach als Einsamkeit: Gouverneur Andrew Cuomo will alsbald auf elektrische Varianten umsteigen und so gegen den Klimawandel anfahren. In einem Land, in dem zu normalen Zeiten täglich etwa 440.000 Schulbusse unterwegs sind, vielleicht der Anfang einer großen Veränderung.

 

„Die Elektrifizierung von Schulbussen im großen Maßstab ist ein wichtiger Schritt in unserem Kampf gegen den Klimawandel.“

Andrew Cuomo, Gouverneur New York

LinkedIn Top-Voice der Woche

Sascha Pallenberg, Tech-Blogger und begehrter Berater, gilt als einer der wichtigsten Influencer der europäischen Digitalszene.

Infrastruktur Update: Autonome Sattelschlepper

Immer dann, wenn der Asphalt im Hochsommer teerige Schlieren bekommt, ist die Beziehung am Tiefpunkt: Von den Ferien gestresste Autofahrer zürnen über den endlosen Schlauch von Lastkraftwagen, der eine ganze Spur verstopft. Die Berufskraftfahrer hingegen sorgen sich um pünktliche Lieferzeiten und suchen abends oft verzweifelt nach einem Rastplatz. Im Sommer wird es eng auf deutschen Fernstraßen. Über mögliche Lösungen wird hierzulande seit Äonen debattiert. In Skandinavien zeichnet sich mittlerweile das alltagstaugliche Potenzial einer smarten Idee ab: autonom fahrende Lkws. Die sollen nachts, wenn die Fahrbahnen verwaist sind, die Frachten von A nach B transportieren.

Das schwedische Unternehmen Volvo testet in einer fortgeschrittenen Phase das Modell „Vera”. Der autonom fahrende Sattelschlepper kommt ohne Fahrerkabine daher. Auf einer Teststrecke in der Nähe von Göteborg verbindet „Vera” ein Logistikzentrum mit einem Hafenterminal. Wie fortgeschritten die Ingenieure weltweit an der Entwicklung von sogenannten Level-5-Lkws arbeiten, bilanziert das Magazin Innovation Origins.

© Volvo
© Volvo

Schon gewusst, dass Carsharing auf dem Dorf funktioniert? Im Rhein-Hunsrück-Kreis (Rheinland-Pfalz) nehmen insgesamt 24 Gemeinden an einem Pionierprojekt teil. Sie bieten den Bewohnern insgesamt acht kostenlose Elektrofahrzeuge innerhalb eines Car-Sharing-Modells an. Damit wollen die Verantwortlichen der Gemeinden die Bürger an die E-Mobilität gewöhnen und eine Alternative zu Bus und Bahn etablieren. Die Begeisterung der Einheimischen ist groß, das Angebot wird eifrig genutzt. In manchen Orten registrierten sich bereits 60 Prozent der Führerscheininhaber auf der jeweiligen Plattform.