IAA MOBILITY Weekly: Ohne Chaos ins neue Jahr

17.12.2020

Lockdown und Reisebeschränkungen bescheren Autofahrern staufreie Weihnachten. Ladesäulen sollten im nächsten Jahr wie Spargel sprießen. Fahrradhersteller rutschen mit Zuversicht und großen Zielen ins neue Jahr. Das letzte IAA MOBILITY Weekly 2020.

The Lead: Staufreie Weihnachten

Vor den festlichen Tagen sind die Verkehrsadern Europas normalerweise etwas verstopft. Es geht langsam voran. Glück hat der, der in einem bequemen Auto sitzt und zu seiner Familie fahren darf. Vorfreude ist ein rasch wirkendes Seelenbalsam, wenn sich neben Pkws auch Stress staut.

Doch dieses Jahr ist alles anders.Vor den Feiertagen könnten selbst hochfrequentierte Autobahnen so leergefegt sein wie bei einem Weltmeisterschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft. Der ADAC erwartet nur in Ausnahmesituationen Staus, ansonsten überall fließenden Verkehr. Der Auto Club Europa prognostiziert lediglich für den 27. Dezember einen wahrnehmbaren Anstieg des Verkehrsvolumens auf Fernstraßen.

Leerer sollen auch die Waggons der Deutschen Bahn sein. Diese setzt vor den Feiertagen zahlreiche Extrazüge ein, um deutschlandweit die Fahrgastzahlen pro Zug zu verringern. Das soll Ansteckungsrisiken minimieren.

Ob Bahn, Fernbus oder Auto – wer reisen muss und schnell und sicher ankommen will, hat dieses Jahr einige Möglichkeiten. Rentiere gehören aber nicht dazu. Das liegt am Poronkusema, einer unter finnischen Züchtern geläufigen Maßeinheit. Sie beschreibt eine Wegstrecke von circa 7,5 Kilometern. Nach dieser Distanz müssen Rentiere spätestens das kleine Geschäft verrichten. Das können sie aber nicht während des Laufens. Heißt: Alle 7,5 Kilometer Stop and Go für Verkehrsteilnehmer, die auf neun Rentierstärken setzen und besonders zu Weihnachten schwer beladen sind.

Ausblick Infrastruktur: Sprießen wie Spargel

Es wirkt beinahe, als wären sie unachtsam verkleckert worden, so unscheinbar stehen Ladesäulen mancherorts vor dem Supermarkt oder neben dem Trottoir. Ende November gab es laut Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) 32.110 öffentliche Ladepunkte in Deutschland. Eigentlich viel zu wenige. Zuletzt wuchs die Anzahl von Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen nämlich rasant. Allein im bisherigen Jahresverlauf zählt der VDA 312.141 neu angemeldete E-Autos. Für eine Million E-Fahrzeuge braucht es Fachverbänden zufolge knapp 70.000 Ladepunkte und 7.000 zusätzliche Schnellladesäulen. Davon ist Deutschland weiter entfernt als von einer weißen Weihnacht.

Eine ernste Angelegenheit! Die mangelnde Ladeinfrastruktur ist für viele potenzielle E-Fahrer ein starkes Argument gegen den Wechsel zu einem Stromer. Fahrer, die längere Touren unternehmen möchten, können häufig nicht die kürzeste Route wählen. Stattdessen müssen sie sich anhand von sogenannten Charging Maps von Ladepunkt zu Ladepunkt navigieren.

Durch das Förderprogramm der Bundesregierung sollen Ladesäulen aber alsbald sprießen wie der Spargel im Frühling. Die Investition in Lade- und Schnellladesäulen wird massiv subventioniert. Im E-Ladenetz-Ranking[2]  können Interessierte für ihren Zulassungsbezirk die Dichte des öffentlich zugänglichen Ladenetzes online abrufen.

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Michael Lohscheller, Geschäftsführer von Opel, möchte Opel zu einer “electric brand” formen.

Die Zahl des Jahres: 1.000.000

Das Corona-Jahr 2020 war ein Jahr der Krise, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Es war aber auch eine Zeit des Durchbruches: zumindest für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Elektro- und Hybridfahrzeuge waren gefragt wie nie zuvor. Doch bei diesem Rekordhoch wird es nicht bleiben – denn Verbände erwarten im kommenden Jahr noch einen viel drastischeren Beliebtheitsanstieg der E-Mobilität. So können sich laut einer Studie des Stromanbieters E.ON. 64 Prozent der deutschen Autofahrer den Erwerb eines Elektroautos vorstellen. Viele dieser Interessenten werden im kommenden Jahr voraussichtlich zuschlagen – ein Absatz von bis zu 500.000 Stromern wird prognostiziert. Bewahrheiten sich die Erwartungen, könnten spätestens 2022 mehr als eine 1.000.000 elektrisch-angetriebene Fahrzeuge in Deutschland unterwegs sein. Eine durchbrochene Schallmauer.

Zitat des Jahres: Richtung zeigen

Die IAA zieht von Frankfurt nach München, mitten in das Herz Bayerns. Im Heimatbundesland der Hersteller BMW und Audi präsentiert die IAA Mobility im September 2021 die Zukunft der nachhaltigen Mobilität. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) erwartet einen Ort, an dem Innovationen für die nachhaltige Mobilität sicht- und greifbar werden:

„Die IAA wird nicht nur tolle Autos präsentieren, sondern auch zeigen, in welche Richtung es gehen wird.“

Dr. Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident

Ausblick Innovation: Neuheiten sind für alle da

Über Jahrzehnte prägten Flugzeuge, Autos, Züge und Ozeanriesen die Nachrichten, wenn es um Mobilitätsinnovationen ging. Immer weiter, höher, schneller. Ein Fahrrad blieb dagegen ein Fahrrad mit Lenker, Pedalen und Sattel. Doch durch das steigende Interesse an der innerstädtischen Mikromobilität steigen auch die Investitionen für Drahtesel. Der europäische Fahrradmarkt könnte bereits zeitnah auf 30 Millionen verkaufte Räder pro Jahr wachsen – das wären 47 Prozent mehr Absatz als vor der Krise.

Vor allem in Deutschland schreiben Hersteller von Pedelecs Rekordzahlen. So steigerte das niederländische Unternehmen VanMoof seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 324 Prozent. Die Motorradschmiede Harley-Davidson reagierte bereits auf die steigende Nachfrage und bringt ebenfalls E-Bikes auf den Markt. Plötzlich scheint eine Harley für jeden erschwinglich. Auch andere Innovationen wie Flugtaxis und autonom fahrende Busse erleben wesentliche Fortschritte. Die Mobilität könnte noch vielschichtiger, flexibler, spektakulärer und umweltfreundlicher werden, als es sich Visionäre vor einigen Jahren erträumten. Wie innovativ genau, zeigt sich spätestens bei der IAA Mobility vom 7. bis 12. September 2021.

Schon gewusst, dass dieses Jahr die Weihnachtstrucks von Coca Cola in der Garage bleiben? Neben den Weihnachtsmärkten wurden die beliebten Touren der fahrenden Reklametafeln weltweit abgesagt. Aus Sicherheitsgründen, wie der Getränkekonzern mitteilte. Im kommenden Jahr sollen die Trucks aber wieder durch die Landschaften mäandern. Was bis dahin bleibt: Der traumvolle Singsang von Melanie Thornton und Clips aus der YouTube-Konserve. Auch schön.

 
© Coca Cola
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