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IAA MOBILITY Weekly: Mit elektrischer Power auf der Überholspur

04.12.2020

Schumi is back! Mick Schumacher könnte nicht nur die Einschaltquoten der Formel 1 steigern, sondern auch wichtige Pionierarbeit leisten. In Australien will ein Unternehmen E-Flugzeuge als smarte Mobilitätslösung für Rettungsansätze anbieten, während in New Jersey LED-Lampen Bakterien und Viren bekämpfen.

The Lead: Mit Schumi in die Zukunft

Um die Jahrtausendwende war der Sonntagnachmittag Schumi-Zeit. Über zehn Millionen deutsche Motorsportfans stierten ab 14 Uhr beinahe hypnotisiert die Glotze an. Egal, ob Porschefahrer oder Matchbox-Pilotin – sonntags saßen fast alle im selben Ferrari.

Im kommenden Frühjahr könnte sich dieses Kammerspiel in den deutschen Wohnstuben wiederholen. Mick Schumacher, der Sohn von Michael, wird dann in der Formel 1 debütieren. Das US-amerikanische Rennteam Haas F1 gibt, wie im Laufe der Woche bekannt wurde, dem Legendenspross sein erstes Cockpit in der Formel 1. Das zuletzt erschlaffte Interesse an der Rennserie könnte hierzulande wieder anschwellen. Schumachers machen eben Quote. Zumal Mick am Wochenende Formel-2-Meister werden könnte. Das Talent scheint dem 21-Jährigen in den Fahrersitz gelegt.

Mick Schumacher ©HaasF1Team

Der Blick zur Formel 1 lohnt sich aber auch für Fans der Elektromobilität. Denn die Ingenieure der Rennställe denken häufig visionär voraus. Von 2009 bis 2013 fuhren die Sportwagen beispielsweise mit dem sogenannten KERS. Das Kinetic Energy Recovery System speicherte die Bremsenergie. Auf langen Geraden konnten die Fahrer die recycelte elektrische Power für den Extraschub (10 Prozent mehr Leistung) auf der Überholspur einsetzen. Mittlerweile nutzen die Piloten das noch effizientere Energy Recovery System (ERS). Dieses Wissen, das Wissenschaftler und Ingenieure während der Hatz nach Weltmeistertiteln sammeln, fließt regelmäßig in die Entwicklung normaler Pkws ein. Die Formel 1 ist also nicht nur ein Sportevent, sondern auch eine Glaskugel in die Mobilitätszukunft - und damit ein kleines bisschen IAA.

Infrastruktur: Nicht mehr Down Under, sondert weit oben

Kängurus, Koalas und Co. Während Deutschland, die USA und Japan den meisten Fame für ihre innovativen Mobilitätslösungen bekommen, assoziieren viele Menschen Australien lediglich mit dem kristallblauen Meer, dem RTL-Abendprogramm und einer einmaligen Tierwelt. Das Land Down Under ist aber trotz des Mangels an einheimischen Automarken sowohl am Boden als auch in der Luft eine erfolgreiche Mobilitätsnation. Die nationale Airline Qantas gilt als sicherste Fluggesellschaft der Welt.

Beim Fliegen sind die Australier tatsächlich innovativer Vorreiter: Notärzte können bei Schlangenbissen oder Känguru-Kollisionen schon bald mit elektrischen Flugzeugen zu ihren Einsätzen aufbrechen. Der AMSL Aero Vertiia soll Patienten schneller und sicherer als Helikopter ins Hospital transportieren. Das senkrechtstartende Flugzeug soll Tür-zu-Tür-Transporte über große Distanzen ermöglichen. Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 300 km/h kann das elektrische Flugzeug 250 Kilometer zurücklegen. Ein zusätzlicher Wasserstoffantrieb bietet 800 weitere Kilometer Reichweite. 2023 soll der Vertiia auf den Markt kommen.

Zahl der Woche: 300

Die Mobilitätswende verläuft rascher, als es selbst die optimistischsten Experten vorausgesagt hatten. Nach Zahlen der Deutschen Energie Agentur (Dena) besaß jeder fünfte Pkw, der zwischen Januar und Oktober zugelassen wurde, einen alternativen Antrieb. Besonders beliebt: Hybride. Insgesamt wurden 130.740 Fahrzeuge mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor zugelassen. Ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 300 Prozent.

Zitat der Woche: Marsmenschen

Der Mars scheint nah. Und das nicht nur in Form eines Schokoriegels in der Quängelzone vor Supermarktkassen. Der rote Planet fasziniert Raumfahrer und Hollywood-Regisseure seit vielen Jahren. Und ein Geschäftsmann, der sich momentan an Höhenflüge gewöhnt, will einen der großen unerfüllten Menschheitsträume am liebsten erfüllen, bevor halb Deutschland wieder Formel 1 guckt: Die Rede ist von SpaceX-Gründer Elon Musk. Der stellte auf einem Medientermin in Berlin seine stellaren Pläne vor:

„In sechs Jahren wird es uns möglich sein, Menschen auf den Mars zu bringen. Wenn wir etwas Glück haben, klappt es vielleicht schon in vier Jahren.“

Elon Musk, SpaceX-Gründer

Innovation Update: Mit LEDs gegen Bakterien

Noch vor einem Jahr galt der Öffentliche Nahverkehr als eine der sichersten Alternativen für urbane Mobilität. Wer nicht gerade einen grantigen Berliner Busfahrer während des Feierabendverkehrs erwischte oder zu früh am Neujahrsmorgen Bus und Bahn bestieg, kam sicher und unbefleckt von A nach B. Dann kam Corona. Plötzlich gelten die öffentlichen Vehikel als fahrende Virenschleudern – das Ischgl auf Rädern sozusagen.

Auch wenn Impfstoffe gegen den Corona-Virus nahen – im Falle möglicher Folgepandemien braucht es innovative Ideen. In New Jersey, USA, testet die lokale Verkehrsgesellschaft gleich mehrere Hightech-Lösungen für die langfristige Sicherheit im Nahverkehr.

So könnte antimikrobielles Licht aus LEDs die Anzahl von Bakterien und Viren auf Oberflächen wie Sitzpolstern und Haltestangen merklich reduzieren. Ein dreistufiges Lüftungssystem soll die Luft filtern und reinigen. Auf diese Weise will das staatliche Mobilitätsunternehmen seine Insassen künftig stärker vor Aerosolen schützen. Zudem testet New Jersey Transit eine Technik, die mithilfe von Videoerkennung Passagierzahlen erfasst und die Ergebnisse für mobile Apps aufbereitet.

© OSRAM
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Schon gewusst … dass es bald ein Brettspiel für Elektroauto-Fans gibt? Der Münchner Tobias Wagner, leidenschaftlicher E-Fahrer und Unternehmer, hat „E gewinnt” erfunden. Bei dem Strategiespiel treibt es die Kontrahenten quer durch Europa, sechs unterschiedliche Elektrofahrzeuge können die Zocker als Figur wählen. Der Erfinder startete für die Idee kürzlich ein Crowdfunding, insgesamt 20.000 Euro wollte Wagner für die Entwicklung seiner Spielidee einsammeln. Dieses Ziel hat er erreicht – 24.000 Euro kamen bei der „Finanzierungsrunde” zusammen.