IAA Mobility Weekly: Space Taxi to the Sky

20.11.2020

Die teuerste Taxifahrt der Welt gelingt und hat sogar geopolitische Auswirkungen. Straßenatlanten sind bald um viele E-Ladesäulen reicher. Und Sting rüstet derweil E-Fahrräder mit Rasenmäher-Akkus aus. Das und mehr im IAA-Weekly.

© Nasa
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The Lead: Ein großer Schritt für die Space-Mobilität

Die längste Taxifahrt der Woche ist am späten Montagabend (amerikanische Ostküstenzeit) geglückt: Nach 27 Stunden Flug und über 400.000 Höhenmetern dockte der Raumtransporter „Crew Dragon” an der internationalen Raumstation ISS an. Das Space Taxi setzte die US-Astronauten Michael Hopkins, Victor Glover, Shannon Walker sowie den japanischen Raumfahrer Soichi Noguchi sicher und pünktlicher als jedes Berliner Fuhrunternehmen ab. Sechs Monate wird die Crew auf dem am weitesten entfernten Außenposten der Menschheit verbringen.

Hinter der Nachricht verbergen sich gleich mehrere interessante Details: Nach neun Jahren Pause war es die erste bemannte Raumfahrt, die wieder in den USA startete. Zuletzt war das Space Shuttle „Atlantis” im Jahr 2011 aus Cape Canaveral, Florida, mit Astronauten in den Orbit abgehoben.

Die zweite weltweit beachtete SpaceX-Mission des Jahres erhöht den Vorsprung von Elon Musks Mobilitätsunternehmen auf die konkurrierenden privaten Raumfahrtprojekte. Während SpaceX mit der „Crew Dragon” und der „Cargo Dragon” über zwei wiederverwendbare Raumschiff-Typen verfügt, steckt Mitbewerber Boeing mitten in der Entwicklungsphase seines CST-100 Starliner. SpaceX konnte zudem – mal wieder – die Wiederverwendbarkeit der Falcon-Trägerraketen nachweisen. Ein großer Schritt für die Space-Mobilität, ein kleiner für die Umwelt.

Am brisantesten sind die politischen Dimensionen des Manövers. Waren die USA zuletzt von der Technik des russischen Erzrivalen abhängig, um Astronauten und Fracht zur ISS zu bringen, gewinnt die Weltraumnation ihre Unabhängigkeit zurück. Und innenpolitisch sorgte der Erfolg für ein höchst seltenes Ereignis: Sowohl der voraussichtlich ausscheidende US-Präsident Donald Trump als auch sein designierter Nachfolger Joe Biden waren einer Meinung: Beide lobten die Mission. Das Projekt initiiert hatte übrigens der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der Boeing und SpaceX noch vor seinem Amtsende mit der Planung und dem Bau von Raumfähren beauftragte.

Infrastruktur: Topografie mal anders

Die Zugspitze ist der höchste Berg, das Zusammentreffen von Automobilindustrie, Industrieverbänden und Politik wohl der wichtigste Gipfel in Deutschland. Wurde beim ersten sogenannten „Autogipfel” im Frühling viel über Antriebsarten debattiert, ging es nun klar in Richtung erneuerbarer Energien. Die Förderung für reine Elektroautos (sollte Ende 2021 auslaufen) wurde gleich um vier Jahre bis 2025 verlängert. Klein- und Mittelklassewagen werden dabei am stärksten gefördert – der Staat schießt bis maximal 6.000 Euro pro Pkw zu. Auch eine „Abwrackprämie” für Lastwagen wurde verkündet. Der Kauf von Elektro-Lkw und Alternativen mit umweltfreundlicheren Dieselantrieben wird künftig stärker unterstützt.

Für den nachhaltigsten Schub für die E-Mobilität in Deutschland könnten die angekündigten Investitionen in die Ladesäulen-Infrastruktur sorgen. Bis Ende 2021 will die Bundesregierung 50.000 neue Ladepunkte im Land entwickeln, damit in Zukunft ein engmaschiges Ladenetz für E-Fahrer entsteht. 

Zitat der Woche: Voll in Ordnung

Dane Glasgow, Vice President Product Google Maps, verspricht den Nutzern seines Dienstes ein neues Tool für die Pandemie-Bekämpfung. Künftig will Google Maps den Usern darstellen (überall, wo Daten verfügbar sind), wie voll die öffentlichen Verkehrsmittel sind – und ob eine Mitfahrt mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden ist. Alle Neuerungen erklärt Glasgow in seinem Beitrag für den Google-Blog.

„Sie werden sehen, wie überfüllt ihre Bus-, Zug- oder U-Bahn-Linie ist.“

Dane Glasgow, Vice President Product Google Maps

Zahl der Woche: 20

Die verhältnismäßig geringen Reichweiten von Stromern und ihre langen Ladezeiten – diese zwei Herausforderungen fordern die Schaffenskraft der Ingenieure. Ein gemeinsames Projekt des deutschen Fraunhofer-Institut mit der The Netherlands Organisation for Scientific Research könnte diese Aufgaben lösen und die Akkutechnologie revolutionieren. Die bereits patentierte Technologie „Spatial Atom Layer Deposition” (SALD) soll Reichweiten von weit über 1.000 Kilometer garantieren. Fast noch spannender: Die neue Hightech made in Germany könnte die Ladezeiten für Elektrofahrzeuge auf unter 20 Minuten verkürzen. Was hinter der spacigen Idee steckt, erklärt das t3n-Magazin.

LinkedIn Top-Voice der Woche

Sie spricht über zukünftige Mobilitätsthemen wie Digital Customer Experience, Digitale Cultur und New Work Methoden.

Innovation Update: Every Akku you need

Apropos Akku: Auch Sting wird kreativ. Gemeint ist nicht der britische Pop-Barde, sondern Professor Martin Sting von der Technischen Hochschule Mittelhessen. Der Fahrradfan und Maschinenbauer rieb sich nach eigenen Angaben immer wieder an einem Problem: Ob Fahrrad, Bohrmaschine oder Rasenmäher – er musste immer mehrere Akkus für den Betrieb seiner Geräte einsetzen. Ersatzakkus für Pedelec und E-Roller? Schwer zu bekommen, teuer und wenig nachhaltig. Also entwickelte der Maschinenbauer mit seinen Schülern ein System, in dem ein Akku gleich mehrere Maschinen antreiben kann.

Was viele nicht wissen: Die Leistung eines Rasenmäherantriebs ähnelt der eines Pedelec-Motors. In mehrjähriger Detailarbeit konnte Martin Sting mit seiner Studentengruppe drei E-Roller und ein Pedelec mit den gleichen Akkus ausstatten. Die spezielle Halterung, die die Energiespeicher an der richtigen Position hält, produzierte das Team im eigenen Labor mit einem 3-D-Drucker. Die Plane der Tüftler aus dem hessischen Friedberg: Eine ressourcenschonende und preiswerte Akku-Alternative entwickeln. Laut einem Bericht der Hessenschau überlege Martin Sting nun, entweder die Gründung eines Start-ups anzustoßen oder die Anleitung zum Nachbauen kostenlos ins Internet zu stellen.

"Sicherheits-knurrt" - Copyright Sixt und Burger King

Schon gewusst ... dass es jetzt “Sicherheits-knurrte” gibt? Zumindest für die Werbung wurde diese Innovation vom Autovermieter Sixt und der Fast-Food-Kette Burger King erfunden. Der Grundgedanke ist simpel: Der plagende Hunger gilt als eine der häufigsten Ursachen für den Konzentrationsverlust am Lenkrad. Die Idee der Werber: Ein Sicherheitsgurt, der das Knurren der Mägen erkennt und den hungerleidenden Fahrern via Lautsprecher eine kurze Snackpause im nächsten Drive-in empfiehlt. Für den Werbedreh rüstete Sixt bereits einige Wagen mit der ulkigen Technik aus – und schickte seine Probanden direkt zum Kooperationspartner.