IAA MOBILITY Weekly: Länder der unbegrenzten Mobilitätsmöglichkeiten

13.11.2020

In den USA feiern die Liberalen den Wahlsieg von Joe Biden – davon könnte die Mobilitätsindustrie auf beiden Seiten des Atlantiks profitieren. In Spanien baut ein Hersteller von Motocross-Maschinen jetzt Mountainbikes. Und im niederländischen Brainport fahren Busse bald autonom.

The Lead: E wie Euphorie?

Ausgerechnet Detroit. Das Herz der US-amerikanischen Automobilindustrie schlug bei der jüngsten US-Wahl für den Demokraten Joe Biden. Im Wayne County, in dessen Zentrum „Motown” liegt, haben über 587.000 Bürger (68,1 Prozent) für den Herausforderer gestimmt. Ein Kantersieg, der dafür sorgte, dass der zuletzt republikanische Bundesstaat Michigan demokratisch wurde – und den „Car Guy” voraussichtlich ins Weiße Haus hieven wird.

Bidens Sieg, prognostizieren Experten, könne die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und den USA stabilisieren – politisch und wirtschaftlich. Das „Brücken bauen”, wie VDA-Präsidentin Hildegard Müller schreibt, scheint wieder möglich. Doch wie ist die Stimmung in den USA, konkreter im Wirtschaftszweig der E-Mobilität?

Die Gemütslage wirkt euphorisch. Während Trump den Klimawandel anzweifelte und unter anderem Förderprogramme für Elektroautos einkassierte, soll Biden Medienberichten zufolge massive Investitionen planen. So seien bis zum Jahr 2030 Ausgaben in Milliardenhöhe für die Infrastruktur vorgesehen. Unter anderem könnten 500.000 Ladestationen für Elektroautos in den USA entstehen und ausgesetzte Förderprogramme für die E-Mobilität zurückkehren. Börsenspezialisten empfehlen bereits, nicht nur verstärkt in alternative Energieprojekte zu investieren – sondern auch in Mobilitätsunternehmen.

Evolution der Woche: spanische E-Mountainbikes

Wroooom! Der spanische Motorradhersteller GASGAS war bisher bekannt für seinen knatternd-brachialen Sound und den Geruch von Adrenalin. Weltweit schätzten Fahrer das Röhren von Trial- und Enduro-Maschinen. Jetzt versucht es der Hersteller mit leiseren Alternativen – emissionsfreien E-Fahrrädern. Insgesamt zwölf nachhaltig produzierte Bike-Modelle will das Traditionsunternehmen ab Frühling 2021 zusätzlich anbieten. Über den Motor des stärksten Exemplars, das GASGAS Enduro Cross 11.0, schwärmen bereits Mountainbiker. Das „Fahrrad” lässt mit seinem 630-Wattstunden-Akku und dem Yamaha PW-X2-Motor aufhorchen.

Zitat der Woche: Mehr bewegen

„Die Gespräche seien nicht beeindruckend gewesen”, ätzte Tesla-Boss Elon Musk im vergangenen Frühjahr über Bill Gates. Der hatte den Frevel begangen und sich zuvor öffentlich als Fan und Fahrer des E-Porsche Taycan geoutet. Gates lässt sich von der Kritik aber nicht beirren – und schreibt stattdessen lesenswerte Essays über die Mobilität der Zukunft.

„Unser Ziel ist es nicht, die Menschen dazu zu bringen, sich weniger zu bewegen. Wir wollen, dass mehr Menschen und Güter reisen können.“

Bill Gates, Microsoft-Gründer und Philanthrop

Zahl der Woche: 284

Über 1.000 E-Fahrzeuge summen bald über die griechische Insel Astypalea. Der gesamte Verkehr auf dem Eiland wird künftig fast ausschließlich elektrisch fließen. Autos mit klassischen Antrieben sollen die Insel dagegen verlassen. Dafür bekommen die Einheimischen diverse Mobilitätsangebote – einen Schwarm von E-Scootern, E-Bikes und Carsharing-Angeboten. Der staatliche Fuhrpark wird ebenso ausgetauscht. Das Projektteam – ein Joint Venture von Volkswagen und dem griechischen Staat - entwickelt für die Insel die notwendige Infrastruktur mit Ladesäulen. Den notwendigen Strom wollen die Verantwortlichen regenerativ gewinnen. 284 Sonnentage im Jahr sowie die kräftigen Winde auf dem Meer machen also bald mobil. Was das Ziel der emissionsfreien „Truman-Show” für E-Mobilität ist, sagt VW-Chef Herbert Diess.

LinkedIn Top-Voice der Woche

Auf ihrem Kanal berichtet sie über Künstliche Intelligenz, Chatbot-Technologien oder Quantum Computing und andere technologische Innovation in der Verkehrswirtschaft – Themen, die Jeschke schon als Professorin an der RWTH Aachen beschäftigten.

Innovation Update: Ein Hafen für autonomen Nahverkehr

Einer der erfolgreichsten europäischen Technologie-Parks verbirgt sich im niederländischen Hinterland. Über 5.000 Firmen aus der Hightech- und IT-Branche haben sich im Eindhovener „Brainport” angesiedelt – unter anderem das Mobilitätsunternehmen Lightyear, das ein solargetriebenes Elektrofahrzeug entwickelt.

Der öffentliche Nahverkehr in Eindhoven wird künftig ebenso innovativ sein wie die ansässigen Unternehmen: Alsbald werden autonom und elektrisch fahrende Busse die Standorte des Brainports auf einer „One-Billion-Euro-Line“ verbinden. Die unterschiedlich großen Fahrzeuge, sogenannte Pods, können sich mit modernster Sensortechnik über übliche Verkehrsstraßen manövrieren. Das macht das System unabhängig von der Schiene. Bis zum Jahr 2030 sollen die Pods schrittweise die Straßen Eindhovens erobern und als weltweites Vorbild für innerstädtische Mobilität dienen. Die niederländische Regierung fördert das Projekt mit einer Milliarde Euro.

Schon gewusst, dass es in Europa etwa 5.300 Prozent mehr Ladesäulen gibt als noch vor zehn Jahren? 2010 zählte Europa gerade mal 3.201 Charging Points. 2019 waren es nach Zahlen des Statistik-Portals “Statista” 170.149.  Dennoch viel zu wenig – klagen etliche Fahrer von Elektroautos in Deutschland.  Aktuell werden in Deutschland mehr als 12.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride pro Woche neu zugelassen, aber nur 200 weitere Ladepunkte installiert. Die Folge: Eine öffentliche Ladesäule kommt auf etwa 13 E-Autos. Sollte der Ausbau nicht erheblich beschleunigt werden, dann müssen sich bis Ostern 2021 bereits 20 E-Fahrzeuge eine Säule teilen.

Auf der IAA 2021 steht innovative Mobilität in allen Facetten im Mittelpunkt. Intelligente Verkehrslösungen, visionäre Denkweisen, Automobil und gesamte Mobilitätskette. Alles was Mobilität von morgen formt und erlebbar macht. Seien Sie dabei!